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Ein Leben für Hopfen und Malz

40 Jahre - 40 Köpfe mit Stephan Wiksner Ein Leben für Hopfen und Malz

Als die SN vor 40 Jahren zum ersten Mal erschienen, war Stephan Wiksner bereits seit einigen Jahren Chef der Schaumburger Privat-Brauerei. „Ich war von Anfang an als Leser dabei“, sagt der 80-Jährige mit eine wenig Stolz. Nicht nur die SN wurden damals Teil seines täglichen Lebens, auch Wiksner selbst stand aufgrund seiner Ämter und Funktion als Brauereichef oft im Fokus der Berichterstattung.

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Gehört zum Frühstück einfach dazu: Stephan Wiksner liest seit 40 Jahren die Schaumburger Nachrichten. 

Quelle: js

Stadthagen (js). Der Stadthäger stieg 1962 mit seinem Vetter Wilhelm Lambrecht, dem Vater des jetzigen Chefs Friedrich-Wilhelm Lambrecht, in den Familienbetrieb ein. Davor schloss der gebürtige Darmstäder ein Betriebswirtschaftsstudium ab und sammelte Berufserfahrung bei der Osnabrücker Bier-Brauerei und dem Brauhaus Frankfurt. Nach einiger Zeit der Einarbeitung übernahmen Wiksner und sein Vetter die Geschäftsführung und krempelten die Brauerei nach ihren Vorstellungen um.

Unter anderem setzte sich der heute 80-Jährige dafür ein, die Werbefarbe von Rot auf Weiß umzustellen. „Das fast rostbraune Rot war nicht mehr zeitgemäß“, erzählt er. Mediale Aufmerksamkeit wurde Wiksner auch bei den traditionellen Bockbieranstichen zuteil.
Die Idee dazu entwickelte der Stadthäger mit seinem damaligen Brauereichef Dieter Beisner. „Anfang 1973 wollten wir mal wieder ein Bockbier machen“, erinnert sich Wiksner. „Wir brauchten nur eine Möglichkeit, das Bier auch an den Mann zu bringen.“ Es dauerte nicht lang, da war die Idee eines Bockbieranstichs im Ratskeller geboren. Etwa 300 Menschen, unter anderem auch der damalige Bürgermeister Ernst Meier, fanden sich im November zur Premiere ein.

Die Veranstaltung war so erfolgreich, dass sie in den kommenden Jahren wiederholt wurde und bald auch über die Kreisgrenzen hinaus als feste Institution galt. Zahlreiche prominente Gäste aus der Region ließen sich im Laufe der 30 Anstiche, die unter der Regie Wiksners stattfanden, blicken. So haben sich etwa Christian Wulff, Wilfried Hasselmann und Heiner Bartling frisches Bockbier schmecken lassen. Lieblingsgast von Wiksner war 1994 der damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder. „Das war ein sehr launiger Abend“, erinnert sich Wiksner, der auch an diesem Abend die humorvolle Eröffnungsrede hielt. „Freuen Sie sich ruhig richtig über den Beifall“, riet er dem späteren Bundeskanzler damals, „wir sind hier schließlich auf keiner Parteiversammlung.“

Auch als Privatmann schaffte es der Vater zweier Kinder in die Zeitung: 1990 wurde er Kohlkönig. „Er gehört zu uns wie der Turm auf dem Viehmarkt“, huldigte ihn der damalige Verkehrsvereinsvorsitzende Erich Schwerdtfeger. „Das war eine große Ehre für mich“, freut sich Wiksner auch heute noch.

Doch die SN hatten nicht nur Positivschlagzeilen über Wiskner und die Schaumburger Privat-Brauerei zu vermelden. Ende der achtziger Jahre musste eine schwierige Entscheidung getroffen werden, um den Fortbestand der Brauerei zu sichern. „Wir mussten 20 Leute entlassen. Das hat mir schlaflose Nächte bereitet“, erklärt der ehemalige Chef der Brauerei. Der zunehmende Kostendruck habe keine andere Möglichkeit zugelassen. „Ich habe mit jedem Einzelnen verhandelt, was die Abfindung und Ähnliches betraf“, versichert der Stadthäger. „Trotzdem war das natürlich eine sehr bedauernswerte Sache.“
Die Existenzkrise konnte damit überwunden werden, und das Unternehmen blieb für die nächsten Dekaden weitgehend von negativen Schlagzeilen verschont. Als die Brauerei aber im Jahr 2013 in die Insolvenz schlitterte, war Wiksner längst nicht mehr an Bord. Bereits zehn Jahre vorher hatte er sich in den Ruhestand verabschiedet. Natürlich hoffe er, dass die Brauerei auch noch in Zukunft besteht. „Es wäre wirklich schön, wenn eine positive Lösung gefunden wird“, sagt er.

Der Bierkönig a. D. hat sich aber nicht nur durch seine Tätigkeit als Brauerei-Chef einen Namen gemacht. Etwa 20 Jahre lenkte Wiksner als stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Chef die Geschicke des FC Stadthagen. Außerdem war er unter anderem 37 Jahre als ehrenamtlicher Arbeitsrichter tätig und saß im Wirtschaftsausschuss der Industrie- und Handelskammer in Schaumburg sowie der IHK-Vollversammlung Hannover.

Auch heute ist der 80-Jährige noch ehrenamtlich aktiv, unter anderem als Vorsitzender des Freundeskreises der Stadtbücherei. „Kurz nachdem ich in den Ruhestand gegangen bin, kam im Oktober 2003 der damalige Bürgermeister Jürgen Hoffmann auf mich zu“, erinnert sich der Stadthäger. Laut Wiksner wollte die Verwaltung einen Förderverein gründen, um die Stadt zu entlasten. Als Vorsitzender war Wiksner vorgesehen: „Sonst wird dir doch langweilig“, habe Hoffmann damals zu Wiksner gesagt. „Damit hatte er ja nicht ganz unrecht“, erinnert sich der Stadthäger schmunzelnd.

Der ehemalige Brauerei-Chef habe zwar immer viel gelesen, „mit der Bücherei hatte ich aber nicht viel am Hut“. Auch in Sachen Vereinsgründung war der Stadthäger nicht bewandert. „Aber mich hat der Ehrgeiz gepackt“, sagt Wiksner. Es gelang ihm in den folgenden Jahren, den Verein als eine Stütze des Lesehauses zu etablieren. Heute zählen der Freundeskreis knapp 100 Mitglieder und kann auf zahlreiche organisierte Veranstaltungen zurückblicken, deren Einahmen der Bücherei zugute kamen.

Erst Anfang des Jahres wurde Wiksner in seinem Amt bestätigt. „Nach dieser Periode schauen wir mal, wie es weiter geht“, sagt er vielsagend. Es scheint, als sei der ehemalige Bierkönig immer noch voller Tatendrang. „Man muss sich eben engagieren, wenn man etwas bewegen will.“

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