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Ein Mann und seine zwei Gesichter

Häusliche Gewalt Ein Mann und seine zwei Gesichter

Liebe geht oft seltsame Wege. Obwohl ihr Freund sie im Suff schon mehrfach verprügelt hat, möchte eine Stadthägerin (44) nicht, dass der 46-Jährige dafür bestraft wird.

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Stadthagen. Im jüngsten Fall hat sie ihren Strafantrag wieder zurückgezogen. „Die beiden sind verliebt ineinander“, erklärt Volkmar Wissgott, der Verteidiger des Mannes. Mehr noch: Sie wollen sogar heiraten.

In dieser Beziehung gibt es offenbar auch viele schöne Tage. „Ich habe meine Mutter noch nie so glücklich gesehen“, berichtete die Tochter der Frau. Der Schläger muss demnach ein Mann mit zwei Gesichtern sein. Die Fratze der Gewalt sieht so aus: In den frühen Morgenstunden des Neujahrstages 2014 schlug er seiner Freundin mehrfach mit der flachen Hand ins Gesicht.

Der eifersüchtige Mann („Ich war ein bisschen besoffen“) hatte die Frau im Verdacht, etwas mit dem Nachbarn zu haben. Das Opfer erlitt Hämatome, Prellungen und eine aufgeplatzte Lippe. Später schubste der Stadthäger noch die Tochter, was zu einer Beule an deren Hinterkopf führte.

Für diese beiden Fälle von Körperverletzung hat das Amtsgericht in Stadthagen den Angeklagten jetzt zu sechs Monaten Haft verurteilt. Bewährung war angesichts mehrerer Vorstrafen kein Thema. „Ich bin immer enttäuscht worden“, erinnerte Richter Kai Oliver Stumpe. Verteidiger Wissgott hatte dafür plädiert, diesmal von einer Bestrafung abzusehen. Stattdessen schlug er einen Täter-Opfer-Ausgleich vor.

Davon wollte Richter Stumpe jedoch nichts wissen. „Der Staat hat hier eine Fürsorgepflicht“, betonte er. „Und die reicht so weit, dass er auch gegen den Willen der Geschädigten verpflichtet ist, Strafen durchzusetzen.“ Stumpe hat „die ernsthafte Befürchtung“, dass die Frau „eines Tages schwer geschädigt in ihrer Wohnung liegt“. In einer früheren Beziehung habe die Neigung des Angeklagten, unter Alkohol aggressiv zu werden, fast ein Menschenleben gekostet.

Seit Februar 2014, wenige Wochen nach den beiden jüngsten Taten, sitzt der Stadthäger nämlich bereits wegen anderer Delikte im Gefängnis, wo er zunächst bis 2017 eine Reststrafe wegen versuchten Totschlags verbüßt. Im Streit hatte er seine frühere Frau mit einem Messer angegriffen, wofür ihn ein anderes Gericht 2003 zu zehn Jahren Haft verurteilte.

Nachdem der Arbeiter zwischenzeitlich auf Bewährung entlassen worden war, wurde diese widerrufen, nachdem er unter anderem seine jetzige Freundin verprügelt hatte.

In Stadthagen hat der 46-Jährige zudem durch einen spektakulären Unfall von sich reden gemacht. Stumpe sprach damals von einer „Amokfahrt“. Mit 0,37 Promille Alkohol im Blut und ohne Führerschein hatte der Spätaussiedler im Februar 2013 erst ein anderes Auto gerammt, bevor er auf seiner Flucht an der Einbiegung von der Jahnstraße in die Schachtstraße gegen eine Fußgängerampel geprallt war. Von dort flüchtete er zu Fuß weiter.

Stumpe verhängte seinerzeit eine sechsmonatige Bewährungsstrafe. Motiv des Mannes: Er hatte an dem Tag Papiere bekommen, die ihm zur Heirat noch fehlten, trank zur Feier des Tages zunächst Rotwein und kam später auf die Idee, Nachschub zu holen – eine Schnapsidee. ly

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