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Ein Ring, sie übers Ohr zu hauen

Messing untergejubelt Ein Ring, sie übers Ohr zu hauen

Wenn das Frodo wüsste! Ein mächtiges Schmuckstück muss der Romanheld aus Tolkiens „Herr der Ringe“ zum Schicksalsberg bringen. Mächtig übers Ohr gehauen werden Passanten derzeit in der Innenstadt – sofern sie auf den Trickbetrug hereinfallen und sich einen vermeintlich wertvollen Ring andrehen lassen.

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Dieser Ring ist nicht so viel wert, wie er aussieht.

Quelle: rg

Stadthagen. Die Masche, wie eine Stadthäger Seniorin sie erlebte: In den Mülleimer bei der großen Uhr auf dem Kreft-Parplatz wollte die 74-Jährige eine leere Papiertüte werfen. „Wie aus dem Nichts“, berichtet sie, hat sich plötzlich neben ihr eine Frau gebückt. Als die etwa 60-Jährige wieder hockam, hielt sie der Stadthägerin einen Ring vor die Nase und sagte mit vermutlich osteuropäischem Akzent: „Ist Stempel drin.“

Dieser Prägung zufolge handelte es sich um Gold von einem sogenannten 585er Feingehalt. Wäre die Angabe korrekt, hätte die Stadthägerin mit dem auffällig großen, schweren Ring tatsächlich ein – teures – Goldstück vor sich gehabt.

Der Trick ist bekannt: Die Anbieter wollen einen Finderlohn haben.

„Mir kam das aber sofort merkwürdig vor“, sagt die 74-Jährige. Die Prägung befindet sich auf der Ringinnenseite. Die Seniorin: „Wie konnte die Frau das so schnell wissen, wenn sie den Ring da angeblich selbst gerade erst hat liegen sehen?“

Also habe sie gesagt: „Keine Ahnung, mir gehört der nicht, den müssen Sie im Fundbüro abgegben.“ Die Frau ließ aber nicht locker. Ob denn nicht die Stadthägerin das machen wolle. Und eigentlich wolle sie nur eine Tasse Kaffee, ob sie vielleicht zwei Euro habe.

Irgendwann gab die 74-Jährige auf. „Zwei Euro bringen mich jetzt nicht um“, habe sie gedacht. Im Gegenzug erhielt sie den Ring zur Abgabe im Fundbüro. Stattdessen brachte sie ihn aus Neugier – und aus einem bösen Verdacht heraus – zum Juwelier Held in der Obernstraße.

Dort erfuhr sie, dass sie längst nicht als einzige so unverschämtes „Glück“ gehabt hatte. In der vergangenen Woche haben Sabine und Joachim Held sechs Ringe an drei Tagen in Empfang genommen, alle von Leuten mit einer ähnlichen Geschichte. „Ein Mann hatte 50 Euro dafür bezahlt“, sagt Sabine Held.

Wert sei der Ring etwa fünf Cent. Er und seine Artverwandten bestünden zumeist aus Messing. Die derzeitige Häufung in Stadthagen erklärt Juwelier Joachim Held sich so: „Da scheint irgendwo eine neue Lieferung reingekommen zu sein.“

Auffällig: Es gibt in diesem Zusammenhang keine Strafanzeigen bei der Polizei. Was den Trend aber nicht widerlegt. „Gerade ältere Leute schämen sich häufig, wenn sie Opfer eines solchen Betrugs geworden sind“, sagt Axel Bergmann, Präventionsbeauftragter bei der Polizei. Gesprochen werde dann weder mit Verwandten noch Bekannten darüber, und eben auch nicht mit Behördenvertretern.

Für die Beamten gehört der Ring-Trick in die Unter-Kategorie „Autobahngold“, von der die Polizei spricht, weil gefälschte Schmuckstücke häufig entlang von Autobahnen angeboten werden. Die Täter versuchten unter anderem, die oftmals verminderte Seh- und Hörfähigkeit sowie die anerzogene Hilfsbereitschaft vieler älterer Menschen auszunutzen.

Darüber hinaus, vermutet Bergmann, spiele bei einigen Opfern sicher auch das Gefühl eine Rolle, „ein richtig gutes Geschäft gemacht zu haben“.
Polizeitipp: Angebot ablehnen und weitergehen. jcp

So erkennt man den falschen Ring

Den falschen Ring erkennt man den Juwelieren Held zufolge an einer sehr scharfkantigen, groben Verarbeitung. Einfach mal auf den Finger setzen. „Ein echter Goldring stört nicht“, sagt Held. Das unechte Kleinod bemerke man dagegen durchaus. Betrachtet man die Innenseite des falschen Rings, sind zudem oft Spurrillen von der Drehbank zu sehen, auf denen der Ring gefertigt wurde. r

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