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Ein Zeuge zum Vergessen – Freispruch

Stadthagen / Mutmaßlichen Drogenhändler freigesprochen Ein Zeuge zum Vergessen – Freispruch

Im Zweifel für den Angeklagten: Weil ein wichtiger Belastungszeuge sich kaum noch erinnern kann oder will, hat das Schöffengericht in Stadthagen einen mutmaßlichen Drogenhändler (38) freigesprochen. Ein Freispruch zweiter, wenn nicht dritter Klasse.

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Symbolbild

Stadthagen (ly). In insgesamt 55 Fällen will der Schüler (17) von dem erwachsenen Mann alle zwei Tage Haschisch und Marihuana gekauft haben, mal ein halbes Gramm, mal drei. Eine entsprechende Aussage hatte der 17-Jährige jedenfalls im Vorfeld gegenüber der Polizei gemacht. Vor Gericht klafften jetzt riesige Erinnerungslücken. Erst war von „ein paar Malen“ die Rede, dann von 20 Fällen, vielleicht mehr, vielleicht auch weniger.

„Sie haben Glück, dass Herr (...) ein schlechter Zeuge ist“, sprach Richter Carsten Knepper den Angeklagten in der Urteilsbegründung direkt an. „Das hätte auch anders ausgehen können.“ In der Tat: Wer über 21 ist und Drogen an Minderjährige (unter 18) abgibt, begeht ein Verbrechen. Darauf steht mindestens ein Jahr Haft.

Die Justiz addiert jedoch nicht, vielmehr rechnet sie bei einer Reihe von Taten mit einer Art Rabatt. Im Fall eines Schuldspruchs hätte den Stadthäger eine Freiheitsstrafe erwartet, möglicherweise im Bereich von zwei Jahren. Mit oder ohne Bewährung - das wäre die entscheidende Frage gewesen. Wenn es sich um kleinere Mengen „weicher“ Drogen handelt, erscheinen minder schwere Fall zumindest denkbar. Wegen Rauschgiftdelikten ist der Kleinkriminelle nicht vorbestraft, auch wenn sein Register 17 Einträge umfasst.

„Ich weiß gar nicht, was ich hier soll“, hatte der Angeklagte zu Beginn erklärt und dies im Schlusswort siegesgewiss wiederholt, den von Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragten Freispruch noch im Ohr. Er will dem Jugendlichen lediglich Haustiere gezeigt haben.

Als Entlastungszeugin hatte der 38-Jährige seine Lebensgefährtin (21) mitgebracht, die von Drogengeschäften nichts bemerkt haben will. „Wir sind eigentlich immer zusammen“, erklärte die Frau. „Ein symbiotisches Verhältnis“, bemerkte Richter Knepper. „Ich halte es für absolut unglaubhaft, dass Sie 24 Stunden am Tag zusammen sind“, machte Knepper später im Urteil klar, was aus seiner Sicht davon zu halten ist.

„Irgendwie ist es in irgendeiner Form zu Verkäufen von Betäubungsmitteln gekommen“, glaubt der Richter. Im Prozess habe sich dies jedoch nicht mit der für eine Verurteilung nötigen Gewissheit bestätigt. Unklar blieb zum Beispiel, wie häufig und in welchen genauen Mengen Drogen verkauft worden seien. Bei einer Wohnungsdurchsuchung hatten Polizisten weder Cannabis noch Verkaufsutensilien wie Portionstüten gefunden. Auch dafür könnte es eine Erklärung geben: „Vielleicht“, so der Richter, „ist der Angeklagte gewarnt worden.“

Fest steht, dass Knepper bereits im Januar einen anderen mutmaßlichen Dealer freisprechen musste, den der Schüler ebenfalls belastet hatte. Ein Grund: Im Zeitraum, den die Anklage umfasste, war dieser Mann teilweise im Gefängnis.

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