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Eine Frage der Kalkulation?

Stadthagen / Sozialverband Eine Frage der Kalkulation?

Enttäuscht und verärgert ist der Stadthäger Karlheinz Krebs vom Sozialverband Deutschland (SoVD) und ist nun zusammen mit seiner Frau Jutta nach 14 Jahren Mitgliedschaft ausgetreten. Der Grund: Für schriftliche Verfahren im Bereich des Sozialrechts müssen die Mitglieder seit längerer Zeit einen sogenannten „pauschalen Auslagenersatz“ zahlen. Seit Anfang Juli liegt dieser bei zehn Euro für einen Antrag, bei 50 Euro für einen Widerspruch und bei 100 Euro für eine Klage.

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Enttäuscht vom SoVD: Jutta und Karlheinz Krebs.

Quelle: kle

Stadthagen (kle). Steigende Kosten, die immer größer werdende Komplexität der Verfahren und der Rechtslage sowie ein verstärkter Bedarf in diesem Bereich machen eine eine derartige Pauschale nach Angaben des SoVD notwendig, die Beratung durch den Verband bleibt weiterhin kostenfrei. Für Krebs bleibt die Pauschale dennoch unverständlich.

„Was mich ärgert, ist, dass damals, als wir eingetreten sind, das Motto hieß: Wenn Du in Schwierigkeiten bist, machen wir das für Dich“, erzählt Krebs. Diese Leistung sollte in seinem Mitgliedsbeitrag enthalten sein, findet der 76-Jährige. Als er vor Kurzem einen Antrag mithilfe des SoVD stellen wollte, sei er deshalb sehr überrascht gewesen, als man für die Bearbeitung zehn Euro verlangt habe.

Das Problem sei, erklärt Dirk Kortylak, stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbands, dass die Mitgliedsbeiträge von fünf Euro im Monat sich auf alle Tätigkeiten des Verbands verteilen, „Rechtsberatung ist ja nur ein Teil dessen, was wir machen. Langjährige Mitglieder, die nie eine solche Sonderleistung in Anspruch genommen haben und es auch nicht mehr werden, sollten nicht durch höhere Beiträge belastet werden“, findet Kortylak.
Karlheinz Krebs sieht das anders: „Das ,Sozial‘ in ,Sozialverband‘ bedeutet für mich: sozial für alle.“ Lieber sollte man auf das eine oder andere Grillfest verzichten oder die Mitgliedsbeiträge ein wenig angleichen, „damit jeder am Ende vielleicht einen Euro mehr bezahlt“, anstatt dass die Kosten für einen Einzelnen, der ohnehin schon kaum etwas habe, so sehr aus dem Rahmen fallen. „In meinen Augen wäre das nur eine Frage der richtigen Kalkulation.“

Andererseits macht das Problem der sinkenden Mitgliederzahlen auch vor dem SoVD längst nicht mehr Halt, wie Ilona Sennholz, Sozialberaterin und Geschäftsstellenleiterin des SoVD Schaumburg, berichtet, „wir sind froh über jeden, der seine Beiträge bezahlt und wollen sie ungerne anheben. Es ist nicht mehr wie zu den Zeiten unserer Großeltern, als die Menschen, entsprechend einer Solidargemeinschaft, auch dann noch Mitglied blieben, wenn sie uns nicht mehr brauchen, um damit die, die nach ihnen kommen, zu unterstützen.“

Die Erhöhung der Pauschale im Juli sei unvermeidlich gewesen, so Sennholz. „Klageverfahren werden immer aufwendiger und kostenintensiver“, ein einzelnes koste für gewöhnlich um die 1000 Euro – ohne Anwalt. „Die Sozialgesetzgebung hat sich immens verschärft, viele Erstverfahren werden direkt abgelehnt. Und die Leute, die zu uns kommen, erwarten von unseren Mitarbeitern eine entsprechende Kompetenz.“ Gleichzeitig steige der Bedarf: Mit etwa 1000 Verfahren rund um Themen wie Krankengeld, Rente und Pflege allein aus Schaumburg müsse sich der SoVD jährlich befassen. Außerdem, ergänzt Kortylak, könne ein Mitglied nach einem gewonnen Fall entscheiden, ob es die Pauschale zurückerstattet haben möchte.

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