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Stadthagen / Fundbüro Einzeln, in Teilen und in Säcken

Plötzlich ist es weg, das Portemonnaie. Hektisches Kramen in der Tasche oder dem Rucksack hilft da wenig. Auch die in der Schule vergessene Sporttasche oder der Regenschirm, der im Bus liegen geblieben ist, sind für die meisten Menschen verloren. Was viele dabei übersehen: Eine ganze Reihe solcher Dinge wird, teils von Bürgern, vor allem aber von Unternehmen und der Polizei beim Fundbüro abgegeben.

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Ein Blick in das Lager des Stadthäger Fundbüros: Fahrräder so weit das Auge reicht. Wenn sie nicht abgeholt werden, kommen sie unter den Hammer (kleines Bild). © aw, Archiv

Stadthagen (aw). In Stadthagen landen die Fundsachen bei Anneliese Bulmahn. Sie leitet das Fundbüro im Stadthäger Rathaus. Säckeweise geben Busunternehmen, Schulen und das Spaßbad „Tropicana“ hier Kleider ab: Handtücher, Badesachen, Jacken, alles ist dabei, sogar ganze Rucksäcke. Viele dieser Sachen können gar nicht beim Fundbüro selbst gelagert werden, sondern bleiben auch bei den Unternehmen. Auch die Polizei liefert regelmäßig Fundsachen ab, die teils sichergestellt, teils von Bürgern bei der Polizei abgegeben wurden. Geldbörsen gehören dazu, Uhren, Schmuck – und jede Menge Fahrräder.

Rund 100 davon landen im Durchschnitt jedes Jahr im Stadthäger Fundbüro, angefangen vom verrosteten alten „Drahtesel“ bis hin zum modernen Mountainbike. Auch Rahmen ohne Räder oder sonstige Einzelteile finden sich in den beiden Fahrradkellern in der Tiefgarage am Hundemarkt. Ist ein Fahrrad gefunden worden, versuchen Polizei und Fundbüro zunächst, anhand einer möglichen Registrierung der Rahmennummer den Besitzer zu ermitteln. Funktioniert das nicht, werden die Nummern der Räder bei der Polizei registriert, bis sich der Besitzer meldet oder ein Käufer für das Rad gefunden ist. Auch bei Geldbörsen versucht Bulmahn, beispielsweise anhand von Kreditkarten oder Ausweisen, den Besitzer ausfindig zu machen.

Ist das nicht möglich, wandert das Portemonnaie zusammen mit Schlüsseln, Schmuck, Armbanduhren und anderen Wertsachen in den Tresor. „Wir müssen die Fundsachen ein halbes Jahr aufheben“, sagt Bulmahn. Wenn sich der Besitzer bis dahin nicht gemeldet und der Finder auch keinen Eigentumserwerb angemeldet hat, die Fundsache also kaufen will, dann wandern Kleidersäcke, Räder, Uhren und alles,was sich sonst noch so angefunden hat, zur Versteigerung. Abgeholt werden die Fundsachen allerdings in den seltensten Fällen. Nur rund fünf Prozent der Vorbesitzer melden sich beim Fundbüro.

Warum das so ist, kann sich Bulmahn auch nicht erklären. Sie erhalte allerdings gleichzeitig auch immer wieder Anfragen von Leuten, deren Geldbörsen oder Jacken nicht abgegeben wurden. Da müsse sie dann manchmal auch Bescheinigungen für die Versicherung ausstellen, erzählt sie.

Zweimal jährlich baut das Stadthäger Fundbüro seine Bestände ab. Im Feuerwehrgerätehaus bieten Bulmahn und vier Mitarbeiter dann alles zur Versteigerung an. Da geht dann alles günstig weg, selbst einzelne Fahrradteile. „Die Leute kaufen mehrere Fahrräder und montieren dann die Teile zusammen“, so Bulmahn. Außerdem gibt die Stadt monatlich eine aktuelle Liste mit Fundsachen heraus. Darauf finden sich im August beispielsweise ein blaues Mountainbike „Charger“, eine silberne Herrenarmbanduhr von Casio und diverse Fundsachen von der Integrierten Gesamtschule Schaumburg. Die Liste hängt im Rathaus aus und ist auch auf der Internetseite der Stadt www.stadthagen.de abrufbar.

Geheimnisvolles findet sich manchmal auch unter den „Schätzen“ des Fundbüros, zum Beispiel eine große, schwarze, verschlossene Kassette mit dem Aufdruck „Ersatzschlüssel“. Was wirklich drin ist, sagt Bulmahn, wisse niemand.
Mobiltelefone darf das Fundbüro einer neuen Verordnung zufolge nicht mehr weiterverkaufen und – falls sie einen „Nachbesitzer“ hatten – auch nicht mehr an den ursprünglichen Besitzer zurückgeben. Es könnten jeweils noch persönliche Daten darauf gespeichert sein. Deshalb werden die Handys ebenso wie Schlüssel nach sechs Monaten vernichtet.

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