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Elfjähriger bleibt Aussage erspart

Stadthagen/Bückeburg Elfjähriger bleibt Aussage erspart

Wenn es um sexuellen Missbrauch geht, können Vernehmungen vor Gericht quälend sein, besonders für Kinder. Häufig zieht sich die Befragung über Stunden hin, in seltenen Fällen über Tage. Wunden auf der Seele, die längst verheilt schienen, können wieder aufbrechen.

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Stadthagen/Bückeburg (ly). Retraumatisierung nennen Psychologen das. Außerdem muss ein Gutachter im Vorfeld des Prozesses in Gesprächen feststellen, ob das Kind glaubwürdig ist.

Einer Schülerin (11) ist die Aussage vor Gericht erspart geblieben. Im Alter von fünf Jahren soll das Mädchen vom damaligen Lebensgefährten seiner Mutter sexuell missbraucht worden sein, einem heute 29-Jährigen aus Stadthagen. Das Verfahren gegen den Mann hat die 1. Große Jugendkammer am Bückeburger Landgericht jetzt „wegen geringer Schuld“ eingestellt, allerdings gegen eine Geldbuße von 3600 Euro, abzustottern in Raten. Alle Zahlungen landen auf einem Sparbuch, das die Stiftung Opferhilfe bis zum 18. Geburtstag der Schülerin verwaltet.

Für die Einstellung des Verfahrens gab es mehrere Gründe. So sieht das Gericht die Tat im Vergleich mit anderen Sexualdelikten „an der absolut untersten Grenze“. Nachhaltige Folgen für das Mädchen seien nicht zu befürchten. Außerdem geht es „nur“ um einen Fall, der überdies recht lange zurückliegt. Passiert sein soll die Tat im Januar 2006. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte der Mann die Fünfjährige dazu gebracht, ihn im Intimbereich zu berühren.

Im Fall einer Verurteilung hätte der Stadthäger vermutlich eine Freiheitsstrafe von etwa sechs Monaten mit Bewährung bekommen, mehr gibt das Gesetz bei einem bislang unbescholtenen Angeklagten wie ihm kaum her. Zur Beweisaufnahme wäre das Mädchen vernommen worden. Geldbuße hin oder her: Der Angeklagte beteuert weiterhin, sich an dem Kind nicht vergangen zu haben. Er meint, die Kleine habe eine überbordende Phantasie.

Herausgekommen waren die Vorwürfe erst vor etwa drei Jahren. Der leibliche Vater hatte erfahren, dass die Schülerin den Ex-Freund ihrer Mutter nicht mehr besuchen durfte, weil dieser „etwas Schlimmes gemacht“ habe. Im Interesse des Kindes hatte eine Beratungsstelle dazu geraten, die Sache nicht an die große Glocke zu hängen.

Die Gerichtsverhandlung war nach wenigen Stunden beendet. Ursprünglich hatte die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus vier Verhandlungstage anberaumt, dazu elf Zeugen und zwei Sachverständige geladen.

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