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Emotionales Theaterspiel bewegt das Publikum

Stadthagen / Ratsgymnasium Emotionales Theaterspiel bewegt das Publikum

„Ich kann Ihnen keinen Spaß und auch keine gute Unterhaltung wünschen – das Thema geht unter die Haut.“ Nach Harald Ruprechts kurzer Begrüßungsansprache haben alle Besucher des deutsch-polnischen Erinnerungsstückes in der Aula des Ratsgymnasiums am Freitagabend gewusst, was sie in der Folgezeit erwartete.

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Der Prozess gegen Gott wird nicht zu Ende geführt, da erneut ein Pogrom gegen die Juden ansteht.

Quelle: par

Stadthagen (par). Das 24-köpfige Schülerensemble, das zu gleichen Teilen aus deutschen und polnischen Jugendlichen bestand, interpretierte in einer gemeinsamen zweisprachigen Musik-Theaterproduktion in Form einer szenischen Collage das Theaterstück „Der Prozess von Shamgorod“ von Elie Wiesel über ein Gerichtsverfahren gegen Gott sowie das Poem „Der große Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk“ des polnisch-jüdischen Dichters Jichzak Katzenelson. „Wir haben vier Tage gut gearbeitet und viel darüber diskutiert, was man den Zuschauern an Brutalität zumuten kann. Letztlich war es die Entscheidung der Schüler, wie weit sie gehen wollten“, erklärte Ruprecht, neben Dietmar Post Initiator auf deutscher Seite.

Hätte er vier Monate als Probezeitraum angegeben, hätte man es ihm ebenfalls sofort abgenommen. Mit großer Souveränität, viel Leidenschaft und der notwendigen Ernsthaftigkeit haben alle Darsteller die heikle Thematik umgesetzt. „Bereits am Freitagmorgen haben wir das Stück vor Schülern aufgeführt – man hätte eine Stecknadel fallen lassen können. Die Ergriffenheit war zu spüren“, so Ruprecht im Vorfeld der öffentlichen Aufführung. Derartige Auffälligkeiten waren auch am Abend erkennbar.

Die mit Musik und Gesang untermalte Theaterproduktion erzählte die Geschichte von drei Wanderern, die im Jahr 1649 in die russische Stadt Shamgorod kamen und in einer Wirtsstube ein Schauspiel darbieten wollten, das die Juden in der Gemeinde erheitern sollte. Zunächst lachend, später dann sehr erbost und wütend reagierte der Hausherr auf das Angebot der drei Herren, die von der Auslöschung der Juden in der Stadt nichts gewusst hatten. „Alle wurden sie niedergemetzelt – die Köpfe wurden ihnen abgeschlagen, danach wurden sie an Kreuze geschlagen. Ich bin der letzte Jude“, sagte er.

Als er sich wieder gefangen hatte, schlug er den Wanderern vor, einen Gerichtsprozess gegen Gott nachzustellen, um ihn zu fragen, warum er ein derartiges Pogrom zulasse. Der Teufel selbst mischte sich unter die Prozessbeteiligten und verteidigte die schrecklichen Vorkommnisse.

Seit dem Jahr 2005 besteht die Theaterarbeit des Ratsgymnasiums und der polnischen Schule Lyceums Slupca. Eingebettet war das Theater in die Veranstaltungsreihe „Die Notwendigkeit der Erinnerung“.

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