Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Endstation Treppe

Stadthagen Endstation Treppe

Matthias Gläser ist genervt. Der Stadthäger Steuerberater, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hat wiederholt Termine am hiesigen Amtsgericht wahrzunehmen. Und stets stößt er auf dasselbe Hindernis: Das Gebäude ist nicht barrierefrei.

Voriger Artikel
Viel Raum in Wendthagen
Nächster Artikel
Freie Fahrt

Matthias Gläser, Steuerberater und Vorsitzender des Stadthäger Behindertenbeirats, stößt beim Amtsgericht auf Hindernisse.

Quelle: rg

Stadthagen. In bislang allen fünf Fällen seien Gerichtsverhandlungen, an denen er als Geschäftsführer der „SHG Treuhand Steuerberatungs-GmbH“ in der Rolle des Klägers teilnehmen musste, in ebenerdige Büroräume gelegt worden. Denn die Verhandlungssäle in den oberen Geschossen sind für ihn nicht erreichbar. Einen Aufzug gibt es nicht. Die von Rechtspflegern genutzten Büros kann der Rollstuhlfahrer durch einen Hintereingang erreichen. Diese kleinen Räumlichkeiten seien „einer Gerichtsverhandlung nicht würdig“, sagt Gläser, „das Ganze ist sehr behelfsmäßig“.

 Mitte Oktober spitzte sich das Problem zu. Weil zu viele Prozessbeteiligte zu berücksichtigen waren, um erneut einen Büroraum zu nutzen, legte der Richter eine Verhandlung in einen Saal im Obergeschoss. Gläser bat seinen Rechtsanwalt, beim Amtsgericht dafür zu sorgen, dass er an der Verhandlung teilnehmen kann. Doch der Richter teilte mit, „dass das Amtsgericht nicht behindertengerecht ist und er kurzfristig nicht organisieren kann, dass der Geschäftsführer der Klägerin an dem Termin teilnehmen kann“, wie einem Schriftsatz des Rechtsanwalts zu entnehmen ist.

 Die Verhandlung wurde daraufhin auf den 17. Dezember vertagt – allerdings wieder in den Saal im Obergeschoss. Gläser fragt sich, wie das Amtsgericht das Problem lösen wird: „Vielleicht werden mich vom Gericht bestellte Rettungssanitäter hoch- und wieder runtertragen“, mutmaßt er. Der Missstand sei seit Jahren bekannt, betont Gläser, der auch Vorsitzender des Stadthäger Behindertenbeirats ist: „Da muss man doch endlich Abhilfe schaffen, da fordere ich doch wohl nichts Unbilliges.“

 Das findet auch Thorsten Garbe, Pressesprecher des Landgerichts Bückeburg. Die Institution ist in Bausachen organisatorisch für das Amtsgericht zuständig. „Wir bedauern den Zustand, wir würden das alles Herrn Gläser gerne ersparen.“ Allerdings „müssen wir mit den Gegebenheiten momentan leben“. Der Zugang könne Gläser „mit Hilfe von Krankentransporteuren“ ermöglicht werden. Eine „theoretische Alternative“, so Garbe, wäre die Verlegung des Termins in ein anderes Gericht.

 „Seit fünf Jahren melden wir den Bedarf mit höchster Prioritätsstufe beim Staatlichen Baumanagement als zuständiger Stelle an“, berichtet Garbe. „Die haben aber viele Behörden, die schreien, sie brauchen Geld.“ Bislang seien für einen Aufzug im Stadthäger Amtsgericht „noch keine Mittel freigegeben“.

 Auf die Frage, was passiere, wenn gehbehinderte Besucher an öffentlichen Gerichtsterminen teilnehmen wollen, teilte Garbe mit: „So einen Fall haben wir noch nicht gehabt.“ ssr

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg