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Stadthagen Stadt Erste WG für mehrfach Schwerstbehinderte
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Erste WG für mehrfach Schwerstbehinderte
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18:13 25.09.2018
Gekocht und gegessen wird gemeinsam. Quelle: rg
Stadthagen

Die WG-Bewohner sind zwischen 18 und 42 Jahre alt. „Wir haben lange darauf gewartet und freuen uns umso mehr, dass es nun geklappt hat“, sagt Andrea Krisp von der Elterngruppe. „Die Stimmung ist ganz toll.“ Ursprünglich hatte nämlich die Paritätische Lebenshilfe Schaumburg Weserbergland (PLSW) als Träger der WG fungieren sollen. Doch das war an der zu großen Unsicherheit der PLSW-Verantwortlichen darüber gescheitert, ob die Pflegekassen ausreichend für die Kosten des Modells aufkommen würden (wir berichteten).

Daraufhin schaffte es eine Elterngruppe, die WG auch ohne Trägerschaft der PLSW ins Laufen zu bringen. Diese fungiert nun als reiner Vermieter. Die Bewohner sind Mieter und bekommen durch ihre gesetzlichen Vertreter individuell Pflegekräfte bei anderen Organisationen organisiert. Dadurch handelt es sich nicht um eine Pflegeeinrichtung, sondern um eine selbstbestimmte WG, in der insgesamt vier Heilerziehungspfleger tätig sind.

Gekocht wird gemeinsam

Unter der Woche arbeiten die WG-Mitglieder in der Werkstatt oder der Tagesförderstätte der PLSW. Einige besuchen noch die Schule. „Danach gibt ihnen die WG Möglichkeiten, Gemeinschaft zu erleben, sich zurückzuziehen, gefordert und gefördert zu werden“, erläutert Krisp. Der sehr große Wohnbereich biete dabei viele Möglichkeiten und den Rollstuhlfahrern ausreichend Platz. „Es wird zusammen gekocht, gespielt, Wäsche gemacht, geplant und auch beim Einkaufen werden die Bewohner mit eingebunden“, schildert die Elternvertreterin. Zu den Freizeitbeschäftigungen gehören auch sportliche Betätigungen. Geräumige Einzelzimmer bieten Rückzugsmöglichkeiten. Zwei Bewohner teilen sich jeweils ein Bad, welches individuell, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ausgerichtet, ausgestattet ist.

Am Wochenende ist die WG nach den Worten von Krisp häufig unterwegs: Zoo und Flughafen Hannover, das Phäeneo in Wolfsburg und der Stadthäger Pflastertrubel waren schon Ziele. Jeder Bewohner entscheide möglichst selbst, ob er an Aktivitäten teilnimmt, die Pflege und Betreuung würden dementsprechend geplant. Krankheitsfälle könne ein Bereitschaftsteam auffangen, so Krisp.

Selbstbestimmung fängt obenan

Ganz obenan stehe beim WG-Modell ein möglichst hoher Grad an Selbstbestimmung. Krisp dazu: „Das fängt bei der ,Aufstehfrage‘ an und hört beim ,Wann gehe ich ins Bett?‘ auf.“ Auch bei der Frage, was es zu essen gibt und welche Musik gehört wird, bestimmen die Bewohner alleine, so gut es geht. „Es handelt sich nicht um eine stationäre Einrichtung, in der alles geregelt ist“, erläutert Krisp. Dazu gehöre auch, dass die Eltern oder anderen gesetzlichen Vertreter in einem gewissen Rahmen mitwirken müssen. So gebe es regelmäßige Elternversammlungen.

Eine zweite WG mit weiteren acht Mitgliedern steht laut Krisp kurz vor dem Start. Diese soll in einen weiteren Trakt des PLSW-Gebäudes einziehen. Dafür sind noch zwei Plätze frei. Interessenten können sich an Andrea Krisp wenden unter Telefon (01 70) 9 06 22 74 oder per E-Mail an a.krisp@web.de. ssr