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Diskussion um Kopfsteinpflaster Es geht nicht glatt

Es rumpelt und holpert in Stadthagens Innenstadt, zumindest für Rollstuhlfahrer oder Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, und sich mühsam ihren Weg über das Kopfsteinpflaster bahnen müssen. Kinderwagen kommen auch nur schwer voran, und selbst mit Stöckelschuhen ist Vorsicht geboten. Einfache Abhilfe gibt es jedoch nicht.

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Im Kinderwagen wird der Nachwuchs in der Stadthäger Innenstadt ordentlich durchgerüttelt. Katharina Eckhardt (von links), Isabelle Völkening und Viola Schmoller versuchen, die holprigen Stellen zu umfahren.

Quelle: tbh

Stadthagen. Das historische Sandsteinpflaster komplett zu ersetzten, ist teuer. 250000 Euro würde nach Worten von Bauamtsleiter Gerd Hegemann die Erneuerung mit Betonpflaster kosten. Für die Granitvariante seien sogar 450000 Euro veranschlagt. Bei der Frage, welche Lösung die beste ist, sind sich die Politiker uneinig.

 Einen Austausch des gesamten historischen Sandsteinpflasters sieht Jan-Philipp Beck (SPD) kritisch: „Die Wege müssen auf jeden Fall verbessert werden, aber der Altstadtcharme darf dabei nicht verloren gehen.“ Aus Sicht der Stadthäger SPD-Fraktion müsse ein Gesamtkonzept für die Innenstadt erstellt werden, das nicht nur einzelne Punkte wie das Kopfsteinpflaster beinhalte.

 „Wenn man etwas nicht will, spricht man von einer großen Lösung“, sagt Richard Wilmers. Der Sprecher der WIR/FDP-Gruppe hatte sich bereits Anfang des Jahres dafür eingesetzt, zusätzlich 250000 Euro in den Etat für 2014 einzustellen (wir berichteten). Nach Kritik aus den Reihen der anderen Finanzausschussmitglieder zog er seinen Antrag wieder zurück. Im nächsten Jahr möchte die WIR/FDP-Gruppe die Forderung erneut in die Haushaltsplanung einbringen. Besonders verärgert zeigte sich Wilmers angesichts dessen, das sich „nichts bewegt“ habe: Das Problem sei lediglich verschoben worden – nicht einmal die Planungen hätten begonnen. „Wer das Problem jetzt nicht erkennt, hat verschlafen.“ An Dringlichkeit habe die Thematik nichts verloren.

 Aus Sicht von Matthias Gläser, dem Vorsitzenden des Behindertenbeirats, gibt es nur einen optimalen Lösungsweg: „Das grobe Pflaster in der Mittelspur der Fußgängerzone muss durch eine ebene Fahrbahn ersetzt werden.“ Ihm sei bewusst, dass die finanzielle Situation eine Rolle spiele, aber als Rollstuhlfahrer sei es schwierig, zurechtzukommen. Selbst wenn keine Hindernisse auf den roten Flächen rechts und links des groben Kopfsteinpflasters stehen, sei es schwer, gegen das Gefälle anzukommen.

 „Nicht gerade förderlich für Menschen mit Handicap“ findet Günter Raabe, der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins Stadthagen (SMS) die Situation. An der Marktstraße seien die Mängel besonders gravierend. Auch für Fahrradfahrer und Kinderwagen sei das Sandsteinpflaster nicht gut geeignet. Der Zugang zu den Einzelhandelsgeschäften in der Innenstadt sei zwar größtenteils gegeben, dennoch bieten sich mehr, der an einigen Stellen bereits eingebauten Querungsstreifen, nach Worten von Raabe, als kurzfristige Lösung an.

 An der Auffassung der CDU, dass es zu teuer sei, das Kopfsteinpflaster in der gesamten Innenstadt zu ersetzen, habe sich nichts geändert, betont der Fraktionsvorsitzende Heiko Tadge. Stattdessen könnten breitere Querungsmöglichkeiten geschaffen werden. Mit dem roten Klinker, der an den Außenseiten verlegt wurde, entstehe auch optisch eine einheitlich begehbare Zone. Nach Einschätzung von Maria Börger-Sukstorf (Bündnis 90/Die Grünen) sind die Geschäfte und Cafés in der Innenstadt in der Pflicht, die bereits gut ausgebauten Flächen von Werbeaufstellern und Stühlen freizuhalten. Eine weitere Möglichkeit sei das Kopfsteinpflaster in dem Mittelstreifen abschleifen zu lassen. Die Machbarkeit müsse jedoch erst überprüft werden.

 Für die nächste Bauausschusssitzung steht das Thema auch auf der Tagesordnung. Das Problem mit dem Kopfsteinpflaster soll im Rahmen eines Gesamtkonzeptes für die Innenstadt angesprochen werden. tbh

Nachgefragt

Jörg Möller (55) aus Stadthagen: „Bei den vielen Löchern verliert man schnell den Halt. Ich kann mit dem Rollator noch ganz gut gehen, aber für Ältere ist das schon gefährlich.“

Katharina Eckhardt (30) aus Wiedensahl: „Es ist furchtbar. Ich muss immer schauen, wo ich mit dem Kinderwagen lang fahre, damit mein Sohn nicht so durchgeschüttelt wird.“

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Eine Stadt steckt fest

Schon seit etlichen Jahren wird über das Kopfsteinpflaster in der Altstadt gestritten. Viele kritisieren, es stelle besonders für Passanten mit Rollator, Kinderwagen oder hohen Schuhabsätzen ein Hindernis dar. Getan hat sich bislang so gut wie nichts. In der Umgebung sind viele schon einen Schritt weiter.

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