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Stadthagen Stadt Experte macht Vorschläge
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Experte macht Vorschläge
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18:07 30.08.2018
Der Feuerwehrbedarfsplan wird intensiv diskutiert. Quelle: dpa
Stadthagen

Wie berichtet ist ein Kernergebnis des vom Fachbüro BBS Gefahrenabwehr aus Hamburg erarbeiteten Plans, dass das vom Rat beschlossene sogenannte Schutzziel nur zu 19,1 Prozent erreicht wird. Das Schutzziel sieht vor, dass bei einer Alarmierung in einem Brandfall mit potenzieller Gefährdung von Menschenleben neun Brandschützer nach spätestens zehn Minuten und weitere sieben nach spätestens 15 Minuten am Brandort sein sollen. Und: Diese Fristen sollen in mindestens 90 Prozent der Fälle eingehalten werden.

Dass diese Frist hier aber nur in 19,1 Prozent der Einsätze erreicht wird, nannte BBS-Experte Mark Steinvoord „ein grottenschlechtes Ergebnis“. Freilich fügte er relativierend hinzu: Rechne man aus der Statistik die Einsätze nach Fehlalarmen heraus, bei denen Brandschützer die Anfahrt abbrechen, sodass die vom Schutzziel geforderte Einsatzstärke deswegen nicht erreicht werden, komme man auf einen Erreichungsgrad von knapp 40 Prozent – auch das freilich noch sehr weit vom 90-Prozent-Ziel entfernt.

Bei Gerätehäusern Handlungsbedarf

Steinvoord empfahl ein Mittel zur Verbesserung der Personalverfügbarkeit: Mitglieder von Wehren aus den Ortsteilen, die in der Kernstadt arbeiten, sollten bei Alarmen zur Arbeitszeit über die Stadthäger Ortswehr und nicht über ihre Heimatwehr zum Einsatz gelangen, damit es schneller gehe. Dieses Mittel allein würde laut Steinvoord die hiesigen Wehren dem Schutzziel deutlich näher bringen. Der Löwenanteil der Einsätze betreffe die Ortswehr der Kernstadt. Über diese rein logistische Veränderung hinaus wäre freilich „eine Aufrüstung beim Personalstamm erforderlich“. Während der Fuhrpark der hiesigen Wehren gut sei, gebe es bei vielen Gerätehäusern dringenden Handlungsbedarf, merkte Steinvoord zudem an.

Grundlegende Kritik an dem 200 Seiten umfassenden Plan übte Jörg Ostermeier (CDU): „Das was die Firma nach intensiver Zuarbeit von Verwaltung und Feuerwehr abgeliefert hat, hätten wir mit ein wenig mehr Zeitaufwand wahrscheinlich auch selber hinbekommen.“ Er fügte hinzu: „Die erwartete Leistung, nämlich das Aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten, ist zu kurz gekommen.“ Zudem merkte Ostermeier an, es seien in den letzten Jahren in der Kreisstadt keine Personen aufgrund von Einsätzen mit verspätetem Eintreffen der Brandschützer zu Schaden gekommen.

"Problembewusstsein geschärft"

Lothar Biege (FDP) meinte hingegen, durch den Plan „ist unser Problembewusstsein geschärft worden; es scheint fast so, als ob wir bei der Feuerwehr nur den Mangel verwalten“. Die Lösung der Probleme stelle eine sehr große Herausforderung dar. Gundi Donjes (WIR) meinte, der Plan zeige deutliche personelle Defizite auf: „Es sind erhebliche Anstrengungen nötig, um die erforderliche Personalstärke zu erreichen.“

Bürgermeister Oliver Theiß (parteilos) wollte „eine Lanze für die Feuerwehr brechen“. Es habe in den letzten Jahren „nie irgendwelche Beschwerden gegeben“. Er sei sicher, „dass wir dem Schutzziel, das ich für realistisch halte, mit geeigneten Mitteln näher kommen können“.

Der Plan wurde noch nicht verabschiedet, sondern einmütig zur weiteren Beratung in die Fraktionen verwiesen. ssr