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Familie Schulz gibt Feinkosthaus Tietz auf

Nachfolger gesucht Familie Schulz gibt Feinkosthaus Tietz auf

Das Feinkosthaus Tietz am Markt – gegründet vor 96 Jahren ist es längst so etwas wie eine Stadthäger Institution. Und obendrein als Edeka-Markt der einzige verbliebene Nahversorger in der Innenstadt. Am Donnerstag hat Inhaber Holger Schulz überraschend die Betriebsaufgabe und damit seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt.

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Schon im Jahr 1908 war in dem Gebäude ein Kolonialwarengeschäft untergebracht.

Quelle: kp

Stadthagen. Für das Geschäft wird nun ein Nachfolger gesucht, der nach Möglichkeit auch die 36 Mitarbeiter übernehmen soll. Sein angeschlagener Gesundheitszustand zwinge ihn schweren Herzens zu diesem Schritt, begründet Schulz seinen Entschluss. Im vorletzten Jahr hatte er deshalb bereits sein Amt als Vorsitzender des Stadtmarketing-Vereins aufgegeben.

Holger Schulz

Quelle:

 Entgegen früherer Planungen sei eine Fortführung der Firma innerhalb der eigenen Familie nicht möglich. Sohn Christian, der seit sieben Jahren im Geschäft mitarbeitet, habe sich gegen eine Übernahme entschieden und strebe stattdessen einen beruflichen Neustart an anderer Stelle an. „Damit fehlt die Nachfolgegeneration“, bedauert Schulz. Ohne diese seien auch die erforderlichen Investitionen in die notwendige Modernisierung des Marktes nicht zu stemmen.

 Die Mitarbeiter wurden gestern Abend in einer Belegschaftsversammlung über die Schließung zum 31. Dezember informiert. Viele von ihnen arbeiten seit mehr als 30 Jahren bei Tietz, kennen viele Kunden mit Namen. Schulz hofft, dass die Beschäftigten trotz der vorsorglich ausgesprochenen Kündigungen weiterhin dort ihren Arbeitsplatz behalten können.

 Gemeinsam mit dem Handelspartner Edeka sucht der 62-Jährige nach eigenen Worten bereits unter Hochdruck nach einem Übernehmer für den Geschäftsstandort. Schulz ist zuversichtlich, dass dies gelingen wird.

 Der Einkaufsmarkt mit seiner Feinkost- und Reformabteilung sei wirtschaftlich gesund und daher unternehmerisch attraktiv. Mit Blick auf den Umsatz habe das Edeka-Management ihn wissen lassen, keinesfalls auf das Geschäft verzichten zu wollen, sagt Schulz. „Auch für Stadthagen und die Innenstadt wäre es wichtig, dass es hier weitergeht.“

 Der Kaufmann hatte 1971 zunächst ein Praktikum beim damaligen Inhaber und Namensgeber Georg Tietz gemacht. Acht Jahre später – Schulz hatte sich nach der Ausbildung inzwischen zum Leiter einer Karstadt-Lebensmittelabteilung hochgedient – holte Tietz ihn nach Stadthagen zurück. Erst als angestellter Geschäftsführer, ab 1985 dann als geschäftsführender Gesellschafter. Bis heute hält seine Familie 60 Prozent der Firmenanteile, nach dem Tod von Georg Tietz übernahm dessen Tochter Susanne Daetz den 40-prozentigen Minderheitsanteil.

 Mit seinen vielen verwinkelten Ecken und Pfeilern entspricht der Markt so gar nicht mehr dem heutigen Bild eines Supermarkts. Doch macht für viele Kunden gerade das den besonderen Charme aus. Sieben Mal wurde der Markt in den vergangenen vier Jahrzehnten umgebaut beziehungsweise erweitert. Die Verkaufsfläche, inzwischen auf rund tausend Quadratmeter angewachsen, erstreckt sich über ebenfalls sieben Hauseinheiten.

 Das so zusammengepuzzelte Gebäudeensemble steht laut Schulz nicht zum Verkauf. Der potenzielle Nachfolger würde die Geschäftsräume anmieten. Auch wenn eine endgültige Schließung zum Jahresende im Raum steht, will Schulz alles daran setzen, diese zu verhindern. „Denn schließlich ist das ja mein Lebenswerk.“ mf

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