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Faszinierende Zeitreise

Stadthagen / Konzert Faszinierende Zeitreise

Vokalmusik des Mittelalters, der Renaissance und des Barock ist am Sonnabend in der St.-Martini Kirche Stadthagen erklungen. Im Kontext der 25. niedersächsischen Musiktage gastierte das „Huelgas-Ensembles“ unter der Leitung von Paul Van Nevel.

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Das Huelgas-Ensemble beleuchtet die musikalische Vergangenheit.

Quelle: han

Stadthagen (han). Die flämischen Musiker begannen auf vertrautem Terrain, nämlich mit einem Choral von Johann Sebastian Bach, welcher der „jüngste“ Komponist des Konzertabends war. Stück für Stück führten die Sänger das Publikum in die Vergangenheit, bis sie schließlich im Jahr 800 angelangt waren.

Das Ergebnis war eine faszinierende musikalische Reise, die die Entwicklung der Tonsprache auf verblüffende Weise veranschaulichte. Abgeholt wurden die Zuhörer bei gewohnter Funktionsharmonik und barocker Satztechnik. Nach und nach verschwanden die Terzen und Sexten, um einer Quinten- und Quartenharmonik Platz zu machen.

Die Renaissance-Stücke fesselten durch ihren wogenden, nie abreißenden Fluss und die elegant ineinander fließenden Stimmeinsätze, die jedoch seltener wurden, je weiter sich das preisgekrönte Ensemble in Richtung Mittelalter bewegte.

End- und Höhepunkt der ersten Programmhälfte war der Lobgesang „Laudes Regiae“ zu Ehren der Krönung von Karl dem Großen im Jahre 800. Das Stück beeindruckte durch seine suggestiven Wiederholungen und den packenden Wechselgesang zwischen Männern und Frauen. Ein hinreißender melismātimelismātischer Gesang erklang mit der Kyrie aus „Messe de Nostre Dame“ von Guillaume De Machault. Soloeinsätze wurden beantwortet von Chorpassagen, die Musik entwickelte ihre Kraft aus dem Gegensatz von gleichförmigen, kraftvoll deklamierenden Passagen und verhaltenen Erwiderungen.

Das zehnstimmige „Qui consolabatur“ von Jacob Clement war geprägt von pulsierender Bewegung und nie enden wollender Melodiebögen. Lebendig und kernig kam „Comme la Tourterelle“ von Orlando di Lasso daher.

Es ist überflüssig zu erwähnen, dass das „Huelgas Ensemble“ eine tadellose Darbietung ablieferte. Perfekte Intonation, höchste rhythmische Akkuratesse, saubere Artikulation: hier stimmte einfach alles. Gebannt und mucksmäuschenstill lauschte das Publikum der musikalischen Zeitreise, die statt gewohnter Klänge ausschließlich selten gehörte musikalische Perlen bereithielt. Mit lautstarkem Applaus dankten die Gäste für den ebenso fesselnden wie aufschlussreichen Ausflug in die Musikgeschichte.

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