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Faurecia legt Neubau auf Eis

Belegschaft in Sorge Faurecia legt Neubau auf Eis

Keine guten Nachrichten: Faurecia hat seine Pläne für einen Neubau in Stadthagen gestoppt. Das hat die Geschäftsführung am Feitagabend mitgeteilt und dies mit einer Verschärfung der Situation auf dem Automobilmarkt begründet.

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Das Management hat entschieden, die geplanten Investitionen am Standort „vorerst ruhen zu lassen“.

Quelle: Archiv

Stadthagen. Das Unternehmen hatte ursprünglich schon in diesem Jahr mit dem 35-Millionen-Projekt beginnen wollen, den Starttermin dann aber auf 2017 verschoben. Nun muss wohl auch dahinter ein Fragezeichen gemacht werden.

Große Herausforderungen

Das Management hat entschieden, die geplanten Investitionen am Standort „vorerst ruhen zu lassen“. Mindestens bis Mitte 2017, wie es in einer Erklärung heißt. Die Mitarbeiter waren bereits am Donnerstag in einer Versammlung informiert worden. Viele von ihnen zeigten sich anschließend besorgt. Die Automobilindustrie steht nach Worten der Geschäftsführung aktuell vor großen Herausforderungen: Veränderte Kundenanforderungen, schärfere Reglementierungen, technologische Veränderungen und ein aggressiver Wettbewerb seien Faktoren, denen sich Hersteller und Zulieferer gleichermaßen stellen müssten. In den vergangenen Monaten habe sich die Lage zugespitzt, „was dazu führt, dass Faurecia seine Prioritäten für den Standort Stadthagen neu setzen muss“, so eine Sprecherin.

Dabei spielt vermutlich die derzeitige Krise bei Volkswagen – einem der größten Faurecia-Kunden – eine entscheidende Rolle. Der Wolfsburger Konzern hatte als Reaktion auf die Diesel-Affäre und Produktivitätsprobleme unlängst ein Sparprogramm verabschiedet. Dies sieht unter anderem den Abbau von 23 000 Stellen vor.  „Das ist sicherlich mitausschlaggebend dafür, dass Faurecia die Situation nun erst einmal beobachtet“, glaubt Landrat Jörg Farr. Die Entscheidung, die Investition in Stadthagen auszusetzen, spiegele die Unsicherheit wider, die derzeit in der Branche herrscht. Farr will aber noch nicht von einem Rückschlag sprechen. Schließlich werde nicht der Standort Stadthagen als solcher infrage gestellt, sondern nur das geplante Engagement.

Zusage für Fördermittel ein positives Signal

Auch SPD-Landtagsabgeordneter Karsten Becker vermied es im SN-Gespräch, ein allzu negatives Bild zu malen, zumal die Investition „nicht aufgehoben, sondern nur verschoben“ sei. Automobilzulieferer müssten sich im Zeitalter der E-Mobilität neu aufstellen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Vor diesem Hintergrund könne er die Entscheidung des Unternehmens nicht kritisieren. Ein positives Signal sei, dass das Wirtschaftsministerium seine Zusage für die Fördermittel in Höhe von 3,5 Millionen Euro trotz der Verzögerung aufrechterhalte – ob dies aber über das Jahr 2017 hinaus gilt, blieb gestern offen.

Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Nienburg-Stadthagen, Sabrina Wirth, zeigte sich gegenüber den SN schockiert über die Entwicklung. „Das ist erst mal besorgniserregend. Ich verstehe nicht, wie eine aktuelle Situation eine langfristig geplante Investition ins Wanken bringen kann.“ Wirth hofft, dass die Chefetage von Faurecia schnell Klarheit in dieser Sache schaffen wird. Stadthagens Bürgermeister Oliver Theiß war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

In den Neubau soll die Forschungs- und Entwicklungszentrale des französischen Autozulieferers einziehen. Im September war der Baustart erstmals verschoben worden – unter Hinweis auf erforderliche Abstimmungen, die mehr Zeit als geplant in Anspruch genommen hätten. Faurecia beschäftigt am Standort Stadthagen rund eintausend, überwiegend hochqualifizierte Mitarbeiter. col, mak, mf

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