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Faurecia plant Millionen-Investition

Automobilzulieferer will in Stadthagen Neubau errichten Faurecia plant Millionen-Investition

Nachdem monatelang hinter verschlossenen Türen gerechnet, geplant und verhandelt worden ist, steht eine Entscheidung offenbar kurz bevor: Nach Informationen der Schaumburger Nachrichten will der Autositzhersteller Faurecia für seine in Stadthagen ansässige Deutschland-Zentrale einen Neubau errichten.

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 Für die heute in einem Backsteinbau residierende Unternehmenszentrale will Faurecia einen Neubau errichten. Entstehen soll er auf einem nördlich gelegenen, bislang als Ackerfläche genutzten Grundstück

Quelle: rg

Von Marc Fügmann Stadthagen. Entstehen soll dieser auf einer 50000 Quadratmeter großen Fläche in unmittelbarer Nachbarschaft des Firmenareals.

 Eine offizielle Anfrage ließ das Unternehmen bis gestern unbeantwortet. SN-Recherchen zufolge soll die vorgesehene Investition aber ein Volumen von rund 35 Millionen Euro haben. Zumindest Teilen der Belegschaft wurden die Pläne bereits vorgestellt.

 Zunächst hatte es Überlegungen gegeben, die jetzige Zentrale, die sich größtenteils in einem alten Backstein-Gebäude an der Nordsehler Straße befindet, zu einem repräsentativen Hauptsitz umzubauen. Nachdem sich dies offenbar als sehr aufwendig herausstellte, wurde die Neubau-Variante forciert.

 Das dafür ausgeguckte Grundstück befindet sich nördlich der Industriestraße, gegenüber dem ehemaligen Otis-Werk. In den Neubau sollen Verwaltung, Einkauf und Entwicklungsabteilung des Autositzherstellers umziehen. Die in den vergangenen Jahren stark geschrumpfte Produktion, in der nur noch rund 70 Mitarbeiter beschäftigt sind, bliebe am alten Standort.

 Gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium in Hannover haben sich Landkreis und Stadt in den vergangenen Monaten sehr intensiv darum bemüht, Faurecia die Millionen-Investition und damit den Verbleib in Stadthagen schmackhaft zu machen. „Wir haben sehr gekämpft und alle Hebel in Bewegung gesetzt“, bestätigt Bürgermeister Oliver Theiß auf Anfrage. Landrat Jörg Farrwurde zweimal persönlich bei Wirtschaftsminister Olaf Lies vorstellig. Mit Erfolg: Das Land hat dem Autositzhersteller Fördermittel in Höhe von zehn Prozent der Investitionskosten in Aussicht gestellt. Das Geld soll aus sogenannten GRW-Mitteln (Gemeinschaftsaufgabe Regionale Wirtschaftsförderung) kommen, mit denen Großunternehmen unterstützt werden. Wenn der Faurecia-Vorstand in Paris endgültig grünes Licht für den Neubau gibt, sei dies ein klares Bekenntnis zum Standort und damit eine wichtige Zukunftsentscheidung für Schaumburg und Stadthagen, machen Farr und Theiß unisono deutlich.

 Doch ganz so weit ist es offenbar noch nicht: Denn das Management erwartet im Gegenzug von der Belegschaft Zugeständnisse. Konkret geht es um die Zustimmung zu einer Arbeitszeit-Ausweitung von derzeit 35 auf 40 Wochenstunden – auf freiwilliger Basis und bei vollem Lohnausgleich.

 Der geltende Tarifvertrag sieht eine solche Öffnungsklausel bereits vor, jedoch begrenzt auf maximal 18 Prozent der Belegschaft. Um die Zahl zu steigern – wie vom Management beantragt –, müsste die IG Metall ihr Okay geben. Thorsten Gröger, der Erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft, signalisiert grundsätzliche Bereitschaft dazu. Man erwarte dafür aber umgekehrt „eine Standort- und Beschäftigungssicherung sowie die Zusage für ein lebensphasenorientiertes Arbeitszeitmodell“. Bedeutet: Die Mitarbeiter sollen je nach Alter und familiärer Situation flexibel über ihre Mehrarbeit bestimmen können. „Ich sehe durchaus Gesprächsbereitschaft auf der anderen Seite“, zeigt sich Gröger mit Blick auf eine Einigung zuversichtlich. In Kürze soll es eine weitere Verhandlungsrunde geben.

 Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Arbeitszeitfrage und Investitionsentscheidung weist Gröger zurück. Ihm sei nicht bekannt, dass die Unternehmensführung in Frankreich das eine vom anderen abhängig mache. Die IG Metall begrüße es in jedem Fall, dass es „nach einer sehr langen Phase von Negativnachrichten endlich wieder etwas Positives von Faurecia zu vermelden gibt“.

 Bürgermeister Oliver Theiß ist nach eigenen Worten bewusst, dass die Millionen-Investition derzeit noch am seidenen Faden hängt. Stadt und Kreis hätten aber ihren Teil zur Umsetzung beigetragen: „Wir haben den roten Teppich ausgerollt. Alles andere liegt nicht mehr in unserer Hand.“ mf 

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