Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Festkomitee lehnt Frauenrott ab

Schützenfest Stadthagen Festkomitee lehnt Frauenrott ab

619 Mal ging es ohne – und so soll es bleiben: Auch beim 620. Stadthäger Schützenfest im kommenden Jahr wird es kein Frauenrott geben. Darauf hat sich am Mittwochabend das Festkomitee einstimmig geeinigt. Kann das Thema damit zu den Akten?

Voriger Artikel
Acht Nationen – Ein Ziel
Nächster Artikel
Stillstand am Bahnhof

Ein Frauenrott wird es in Stadthagen vorerst nicht geben. Das Festkomitee hat sich dagegen ausgesprochen.

Quelle: vin/Montage:Harmening

Stadthagen.  Aus Sicht von Simone Menschen keinesfalls. Per Mail ist die Stadthägerin von der Entscheidung des Komitees unterrichtet worden. „Ich bin total geplättet“, kommentierte Menschen am Donnerstag das Schreiben. Nicht nur das „Nein“ hat die Kämpferin für ein Frauenrott geärgert, sondern die Ausführungen zum Thema machten sie fassungslos.

 Tatsachen würden verdreht, so Mensching, und: „Ich fühle mich persönlich angegriffen.“ Unter anderem werfe man ihr vor, sie habe „der Heimatstadt einen Bärendienst erwiesen“. Und sie habe sich mit ihrem Anliegen zuerst an die Presse gewandt und nicht an das Festkomitee. Dabei, stellte Mensching klar, hätte ein ausführliches Schreiben sowohl Schützenfestverantwortlichen als auch der Presse bereits im August vorgelegen. Simone Mensching findet es traurig, dass man sich nicht mit ihr persönlich unterhalten wolle. „Ich möchte einen Dialog mit den Herren führen“, bekräftigt Mensching. Wie nun weiter vorgegangen werden soll, darüber wolle sie sich „mit Mitstreiterinnen abstimmen“.

 Komitee-Geschäftsführer Volker May begründet die Entscheidung des Gremiums mit der Historie des Schützenfestes, das in seiner Form – unter anderem mit den Männerrotts – ein Alleinstellungsmerkmal besitze. Ein Frauenrott passe da nicht hinein. May: „Dann ist es kein historisches Schützenfest mehr sondern ein beliebiges.“

 Das Aufzeigen dieser Sichtweise hat May in einer Fernsehberichterstattung zum Thema vor einigen Wochen vermisst. Diese sei am Kern vorbeigegangen und habe das Festkomitee im falschen Licht dargestellt. Der Bericht „war nur darauf ausgelegt, uns als verknöcherte Herren darzustellen“, sagt May, der sich diffamiert fühlt. Der Geschäftsführer war in der Sendung mit der rhetorischen Frage zitiert worden, über was Frauen in Rotts denn reden wollten: „Übers Windeln wechseln?“ Der Sprecher des Berichts hatte schließlich kommentiert, die Argumente in der Debatte um ein Frauenrott seien ähnlich wie das Fest selbst gut 600 Jahre alt.

 Eines steht nach der Entscheidung fest: Zu den Akten wird das Thema Frauenrott wohl noch lange nicht gelegt – trotz Abstimmung. jcp, sk

KOMMENTAR: Akzeptiert
Von Vera Skamira

Menschen ändern sich, auch Feste und Traditionen. Ein anonymer Zeitgeist wird oft als Ursache ausgemacht. Bisweilen aber müssen bestimmte Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Entscheidung treffen – nach Bedenken aller Fürs und Widers. In diesem Fall hat sich ein Festkomitee für den Erhalt einer formalen Tradition entschieden. Wohl, weil das Gros der Rottbrüder und Chargierten, aber auch der vielen helfenden und durchaus auch mitfeiernden Frauen das jährliche Historische Stadthäger Schützenfest in seinen Ausprägungen so liebt, wie es ist. Punkt. Ich glaube nicht, dass hinter der Entscheidung des Komitees frauenfeindliche Gedanken stehen. Das ist auch wichtig, um die Entscheidung des Gremiums zu akzeptieren.
Es mag aufstoßen, dass mit der Rollenverteilung im Stadthäger Schützenfest eine althergebrachte Form beibehalten werden soll. Ebenso lässt sich über Zylinder und Holzgewehr diskutieren.
Aber es sind die Formen, die Halt und Rahmen geben für ein lebendiges großes Fest, das so über viele Jahrhunderte überleben konnte und hoffentlich weiterlebt.

KOMMENTAR: Chance vertan
Von Axel Wagner

Das Komitee hat entschieden: Das Stadthäger Schützenfest bleibt so traditionell, wie es war. Leider vertun die Organisatoren damit die Chance, die seit 1949 im Grundgesetz verankerte und damit ebenfalls traditionelle Gleichberechtigung von Mann und Frau in die Tat umzusetzen.
Dabei geht es zunächst gar nicht darum, ob tatsächlich ein Rott gegründet wird oder nicht. Es geht um die Frage, ob ihnen dies ermöglicht werden soll. Was hätte sich geändert? Das Komitee argumentiert mit der Traditionspflege. Aber hat sich das Schützenfest nicht immer wieder verändert? Die Rottbrüder hätten ihr Fest genauso feiern können wie gewohnt, nur eben mit einem zusätzlichen Rott. Und wenn das Interesse nicht groß genug gewesen wäre, hätte es eben kein Frauenrott gegeben, dann aber mangels Interesse.
Erschreckend finde ich die zum Teil schroffe Wortwahl, mit der Frau Menschings Idee von einigen Rottbrüdern abgelehnt wurde. Sie hat ihrer Heimatstadt meiner Meinung nach keinen „Bärendienst erwiesen“. Ganz im Gegenteil: Ein Frauenrott hätte das Schützenfest bereichern können.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr zum Artikel
Initiatorin des Frauenrotts von Festkomitee enttäuscht

Nach der Entscheidung des Festkomitees, beim Stadthäger Schützenfest kein Frauenrott zuzulassen, hat nun die Initiatorin des Vorschlags erneut Stellung bezogen.

mehr

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg