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Frauenhaus zu 130 Prozent belegt

Es fehlt an günstigem Wohnraum Frauenhaus zu 130 Prozent belegt

Zu Beginn des Jahres hatte das Frauenhaus Schaumburg eine Belegung von 130 Prozent. „Man sollte meinen, dass das eigentlich nicht geht, aber ja, es war so“, weiß Awo-Geschäftsführerin Heidemarie Hanauske. Als Hauptgrund gilt, dass die Bewohnerinnen Schwierigkeiten haben, nach ihrem Aufenthalt eine Wohnung zu finden.

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Stadthagen. „Auch in Schaumburg stehen zu wenig Wohnungen auf dem sozialen Wohnungsmarkt zur freien Verfügung“, weiß eine Mitarbeiterin aus dem Frauenhaus Schaumburg. Auch hier sei es schon vorgekommen, dass Frauen an andere Einrichtungen verwiesen werden mussten, „aber wir sind nicht durchgängig so voll belegt“. Auch Hanauske spricht von „Phasen, wir müssen da sehr flexibel sein“. Acht Frauen finden mit ihren Kindern im Frauenhaus Zuflucht. Die Überbelegung kommt zustande, wenn Frauen mehr Kinder haben, als eigentlich in einem Zimmer untergebracht werden sollen.
Wie lange sie bleiben, ist allein den Frauen überlassen, „sie können so lange bleiben, wie sie es brauchen“, so Hanauske, die auch auf den pädagogischen Zweck hinweist: „Die Frauen haben, wenn sie zu uns kommen, meist wenig Selbstvertrauen und sind sehr unsicher. Sie müssen aber lernen, ihr Leben wieder eigenständig zu gestalten.“ Dennoch sind im vergangenen Jahr nur elf Prozent der Frauen länger als drei Monate im Frauenhaus geblieben. Hanauske betont: „Das ist kein Hotel, es gibt keinen Komfort, Frauen müssen selbst für sich sorgen, also einkaufen gehen und kochen.“ Bis zu sieben Tage sind 43,6 Prozent 2016 in der Einrichtung geblieben, bei einem Viertel der Frauen waren es acht bis zu 30 Tage, 20 Prozent bis zu drei Monate. Hanauske erinnert sich, dass die Frauen zuletzt nach der Grenzöffnung zum Teil ein Jahr in den Einrichtungen lebten, weil es keinen Wohnraum gab.

Viele haben Schwierigkeiten mit der Sprache

Viele der Frauen, die heute länger brauchen, um wieder eine eigene Wohnung zu beziehen, haben Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, brauchen also länger, um die notwendigen Behördengänge zu absolvieren. Der Anteil der Hilfesuchenden mit Migrationshintergrund ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – von 44 Prozent 2013 auf 65,5 Prozent im vergangenen Jahr.
Die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) hat 2016 etwa 60 zugewanderte Frauen betreut, die zu Opfern geworden sind. Insgesamt stand die BISS rund 250 Frauen im Landkreis zur Seite gestanden. Die polizeibekannten Fälle liegen noch einmal um 10 bis 15 Prozent höher. Hier haben sich die Frauen allerdings geweigert, ihre Daten an die Beratungsstelle weitergeben zu lassen. Hinzu kommt die Dunkelziffer.
Das Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen habe jedoch keinerlei negativen Auswirkungen auf das Zusammenleben im Frauenhaus, wie die Mitarbeiterin dort beobachtet hat. „Religion ist kein Konfliktpotenzial, ihr Schicksal hält sie zusammen.“
Q Das Frauenhaus Schaumburg ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 16.30 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr unter Telefon (0 57 21) 32 12 erreichbar. Wer außerhalb der Dienstzeiten Hilfe benötigt, kann Kontakt zur Polizei aufnehmen (Telefon: 110). Die Beamten vermitteln die Betroffenen an eine Mitarbeiterin des Frauenhauses weiter.

Von Mira Colic

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