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Für mehr Bildungsgerechtigkeit

Initiative Arbeiterkind.de Für mehr Bildungsgerechtigkeit

Für Kinder aus Familien ohne akademischem Hintergrund ist der Weg an eine Hochschule mit vielen Hürden verbunden. Lena Rödiger jedoch hat es geschafft und als erste aus ihrer Familie studiert. Jetzt unterstützt sie in der Stadthäger Ortsgruppe der Initiative Arbeiterkind.de andere junge Erwachsene.

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Lena Rödiger betreut in Stadthagen die Ortsgruppe von Arbeiterkind.de.

Quelle: sah

Stadthagen. Denn wie etwa die jüngste Befragung des Deutschen Studentenwerks zeigt, studieren von 100 Akademiker-Kindern 77; von 100 Kindern aus Familien ohne akademischen Hintergrund schaffen nur 23 den Sprung an eine Hochschule. Um diesen jungen Menschen Chancengleichheit zu gewähren, hat sich vor zehn Jahren die Initiative Arbeiterkind.de gegründet, Deutschlands größte Organisation für Studierende der ersten Generation. Seit 2016 gibt es auch eine Stadthäger Ortsgruppe.

Kopf der Gruppe und einzige Ehrenamtliche vor Ort ist Lena Rödiger, die Soziologie und Politik studiert hat und jetzt als Lehrbeauftragte an der Universiät Hannover arbeitet. „Wir engagieren uns für Bildung, wir wissen, wie es ist, aus einer Arbeiterfamilie zu kommen.“ Denn auch immer noch gebe es in diesen Familien Vorbehalte vor einem Studium: „Was kostet das?“ „Was willst du denn damit?“ Manchmal sei es einfach Ratlosigkeit der Eltern, auch wenn der Stolz, dass das Kind das Abitur geschafft hat, durchaus da ist.

„Rödiger betont allerdings: Es geht nicht darum, alle zum Studieren zu bringen, wir wollen nur die Möglichkeiten aufzeigen.“ Der Bedarf im ländlichen Raum sei durchaus gegeben, weil der Weg zur nächsten Uni weit ist und somit der Bezug fehle: „Ich habe bei einem Treffen teilweise elf Leute, die sich beraten lassen möchten. Darunter auch Eltern, die Fragen haben.“ Besonders zum Thema Finanzierung gebe es viele Fragen: zu den Kosten für die Unterkunft, Verpflegung und Gebühren. Rödiger klärt über das Verfahren und die Antragstellung für BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) sowie über Stipendien auf.

Kontinuierliche Begleitung

Aber es sei nicht damit getan, wenn das Studium begonnen habe. Die beim Projekt ehrenamtlich Engagierten begleiten als Mentoren über das Auswahlverfahren hinaus auch durch das Studium, „wenn die jungen Leute überlegen hinzuschmeißen oder wenn der Kühlschrank leer ist. Also alle Fragen des täglichen Lebens“. Vermehrt unterstütze das Projekt jetzt Menschen mit Fluchterfahrung.

Professoren könnten selten helfen, so Rödiger, „weil sie in ihrem elitären Denken verhaftet sind“. Sie selbst wolle sich engagiere sich, weil sie aus eigener Erfahrung wisse, wie schwierig das Studium sein kann. „Ich habe viel gearbeitet, auch im Schichtdienst, und musste Ressourcen anders bündeln als Mitstudenten, die Unterstützung von zu Hause hatten.“ Studenten aus Arbeiterfamilien zweifelten auch eher an sich selbst und den von ihnen eingeschlagenen Weg.

Rödiger, die sich perspektivisch beruflich aus Stadthagen wegorientieren wird, hofft, dass die Ortsgruppe weiter bestehen wird und wirbt um weitere Unterstützer: „Es ist ein tolles Gefühl, eine Bildungskarriere zu beeinflussen.“ Die Mentoren sollten laut Rödiger, um authentisch zu sein, selbst aus einer Arbeiterfamilie stammen. Bundesweit engagieren sich mittlerweile über 6.000 Ehrenamtliche in rund 75 lokalen Gruppen.

Offene Treffen der Stadthäger Ortsgruppe finden jeweils am ersten Mittwoch eines Monats im Kulturzentrum Alten Polizei, Obernstraße 29, statt. Rödiger ist per E-Mail an stadthagen@arbeiterkind.de erreichbar.

col

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