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Fummelarzt nimmt Urteil an

Stadthagen Fummelarzt nimmt Urteil an

Im Fall eines Stadthäger Arztes, der sich zweimal an einer Patientin vergangen hat, ist zumindest die Strafakte geschlossen, der Mediziner rechtskräftig verurteilt.

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Quelle: dpa

Stadthagen. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft haben ihre Berufungen gegen eine Entscheidung des Amtsgerichts Stadthagen zurückgezogen. Ursprünglich sollte im November vor dem Landgericht in Bückeburg neu verhandelt werden.

 Das berichtet Rechtsanwalt Reiner Wötzel, der das Opfer vertritt, eine junge Frau von Anfang 20. Nun steht fest, dass der Arzt die Schaumburgerin bei zwei Untersuchungen in seiner Praxis sexuell missbraucht hat. Diese Untersuchungen hätten „allein der Befriedigung des Angeklagten gedient“, so Amtsrichter Kai Oliver Stumpe in der mündlichen Urteilsbegründung. Bis zu 15 Minuten lang hatte der Mediziner die Patientin im Intimbereich massiert. Das Opfer empfand dies „wie eine Vergewaltigung mit der Hand“.

 Im März hatte das Schöffengericht den Arzt wegen beider Übergriffe zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt einem Jahr verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Dabei bleibt es. Hinzu kommen 5000 Euro Geldbuße und weitere Auflagen, jedoch kein Berufsverbot.

 Eine Zivilklage behält sich Wötzel vor. „Ich werde meiner Mandantin sagen, dass ihr Schmerzensgeld zusteht, obwohl dies nicht ihr Motiv ist“, erklärt er. Der jungen Frau gehe es darum, dass dem Arzt endlich das Handwerk gelegt werde. Der Anwalt: „Er geht als verurteilter Straftäter in Rente.“

 Wötzel hat allerdings „die Vermutung, dass der Herr seine Approbation freiwillig zurückgibt, um nach außen hin einen sauberen Schnitt zu machen und der Ärztekammer zuvorzukommen“. Der Arzt ist 65 Jahre alt.

 In einem länger zurückliegenden Zivilprozess hatte der Weißkittel an mehr als 20 Frauen zusammen rund 73000 Euro Schmerzensgeld gezahlt. Ein Strafverfahren hatte die Justiz eingestellt, weil der Sachverhalt zur mutmaßlichen Tatzeit noch nicht strafbar war. Dies änderte sich erst 2003. Dennoch vernahm Richter Stumpe im jüngsten Prozess auch fünf Frauen, an denen sich der Fummelarzt früher vergangen haben soll.

 Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt hatte 14 Monate Haft gefordert – ohne Bewährung. Dass die Anklagebehörde jetzt trotzdem einer Bewährungsstrafe zustimmt, erklärt Sprecher André Lüth so: „Durch die Rücknahme der Berufung steht der Arzt zu seiner Schuld. Das ist strafmildernd zu berücksichtigen.“ Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen hätten eine Mitteilung über den Ausgang des Verfahrens bekommen.

 Nachdem das Urteil rechtskräftig ist, droht dem Mediziner, der kein Frauenarzt ist, der Verlust seiner Zulassung. Er könnte „unwürdig“ sein, den Beruf weiter auszuüben. „Die Angelegenheit wird geprüft“, so Holger Steinwede, Geschäftsführer des Niedersächsischen Zweckverbandes zur Approbationserteilung, einer Einrichtung der Ärztekammer gestern gegenüber dieser Zeitung. Zu Details hält sich Steinwede bedeckt. ly

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