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Fußgänger zahlt für Autounfall

Stadthagen / Amtsgericht entscheidet Fußgänger zahlt für Autounfall

Wer als Fußgänger einen Autounfall verursacht, kann haftbar gemacht werden. So hat Zivilrichterin Regina Benz, zugleich Direktorin des Amtsgerichtes, in einem Fall aus Stadthagen entschieden.

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Stadthagen. Ein Passant, durch dessen Unachtsamkeit es im Dezember 2013 auf der Gubener Straße zu einem Auffahrunfall gekommen war, haftet zur Hälfte für den Schaden. Der Mann wird mit rund 1700 Euro zur Kasse gebeten. In dem Zivilverfahren hatte die Haftpflichtversicherung einer Autofahrerin auf die teilweise Erstattung ihrer Kosten geklagt – mit Erfolg.

Der Fußgänger hätte an jenem Mittwoch warten müssen, hatte die Fahrbahn aber unvermittelt überquert, ohne auf den Verkehr zu achten. Beim Hinsehen hätte er den Kleinlaster eines lokalen Energieversorgers bemerkt. Dass der Stadthäger mit heiler Haut davonkam, liegt erstens am guten Reaktionsvermögen des Fahrers. Zweitens hat dieser ein Spezialtraining absolviert, das in solchen Situationen hilft. Der Mann weiß, wie man richtig bremst. Er war bei nasser Fahrbahn voll in die Eisen gestiegen und einen Meter vor dem Fußgänger zum Stehen gekommen.

Nicht gereicht hat es für eine Frau aus Hespe, die mit ihrem Auto hinter dem Kleinlaster fuhr, dessen Fahrer sich an das Tempolimit von 50 Stundenkilometern hielt. Sie konnte nicht schnell genug reagieren und rammte den Wagen vor sich. Schaden am Transporter: etwa 3500 Euro. Bei der Autofahrerin sieht das Gericht eine Mitschuld. Im Urteil heißt es, sie sei „nahezu ungebremst auf den Transporter aufgefahren, obwohl sie in der Sicht nicht behindert war und die Situation hat bemerken können“.

Richterin Regina Benz leitet daraus einen „groben Verkehrsverstoß“ ab. Das Gericht sei überzeugt, dass die Frau die „Gefahrenlage nicht rechtzeitig erkannt“ habe. Die Unfallstelle sei gut einsehbar, die Straße verlaufe dort gerade, die Sicht sei nicht durch Sträucher verdeckt. Außerdem hatte die Frau zu Protokoll gegeben, sie habe nicht bemerkt, dass der Fahrer des Transporters vor ihr bremste.

Das Geld hat die Versicherung bereits an den Energieversorger überwiesen, darf es sich nun aber laut Urteil zur Hälfte von dem beklagten Fußgänger zurückholen, der damals überraschend hinter einem Baum hervorgetreten war. Der Beklagte, so heißt es in der Stadthäger Entscheidung, habe seine Sorgfaltspflicht im Straßenverkehr verletzt.  ly

Seltenes Urteil

Unter Juristen gilt das Urteil als nicht alltäglich. „Zur Mithaftung von Fußgängern haben sich noch nicht viele Gerichte geäußert“, erklärt Richter Kai Oliver Stumpe, Sprecher des Amtsgerichtes. „Autofahrer haben dagegen allein schon wegen der Betriebsgefahr, die von ihrem motorisierten Fahrzeug ausgeht, immer einen Haftungsanteil. Runter kommt davon nur, wer vor Gericht beweisen kann, dass der jeweilige Unfall ein unabwendbares Ereignis war.“  ly

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