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Stadthagen Stadt Gastronomen leiden unter Faurecia-Weggang
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Gastronomen leiden unter Faurecia-Weggang
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21:26 25.04.2018
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Auf „nicht unter 40 Prozent“ schätzt Frank Döppner den Anteil der Gäste, die mit Faurecia in Zusammenhang stehen. Der Inhaber des Hotels Gerbergasse mutmaßt, bei keinem der Stadthäger Branchenkollegen sehe es anders aus.

„Faurecia ist eindeutig der größte Kunde“, sagt Döppner. Er beherbergte über die Jahre zum Beispiel Gast-Ingenieure, die gleich mehrere Monate blieben. Auch Kneipen und Restaurants, sagt Döppner, dürften den Faurecia-Weggang zu spüren bekommen. „Das waren die Leute, die abends weggegangen sind.“

Die Stadt benötige jetzt dringend einen „Plan B“. Döppner befindet sich nach eigenen Angaben im Austausch mit der Stadtverwaltung.

Etwas weniger fatalistisch zeigen sich Amtspforte und Parkhotel. „Faurecia ist ein wichtiger Kunde, das ist gar keine Frage“, sagt Toni Ahn-Bosch vom Hotel Amtspforte. „Das wird wehtun.“ Eine existenzbedrohende Situation sehe er aber nicht auf sich zukommen. Es würden sich „schon Alternativen ergeben“.

Produzierendes Gewerbe wird sich seines Erachtens nicht mehr nennenswert in Stadthagen ansiedeln. Stattdessen sollte die Stadt zum Beispiel auf junge Internet-Firmen setzen.

Gut 20 Prozent der Buchungen in einem Jahr gingen auf Faurecia zurück, schätzt Kai-Uwe Breitkopf, dessen Mutter Heike Inhaberin des Parkhotels an der Büschingstraße ist. Immer wieder hätten Delegationen aus Frankreich dort übernachtet. „Ein Monat ganz ohne Faurecia-Gäste war eher selten.“ Trotzdem, sagt Breitkopf, „trifft uns das nicht so sehr“. Das Parkhotel baue vor allem auf Wochenendgäste und Messen. Für Stadthagen insgesamt aber sei es „eine traurige Entwicklung“.

Betrübt zeigt sich auch Kerstin Bruns von der Gaststätte Bruns, in Stadthagen und Umgebung bekannt als „Hähnchen-Bruns“. Die Geschichte des mehr als 150 Jahre alten Hauses sei eng mit der von Faurecia und vor allem der Vorgängerfirma Rentrop verbunden. „Da habe ich als Kind schon Hähnchen mit der Sackkarre hingefahren“, erinnert sich Bruns. Mit dem Einzug internationaler Konzernstrukturen sei das Verhältnis aber unpersönlicher geworden.

Bezogen auf Kundschaft sagt Bruns: „Wir haben auch Otis und kabelmetal verkraftet. Wir verändern uns dann, setzen zum Beispiel wieder mehr auf Saalbetrieb.“ Tatsächlich aber treffe sie das Faurecia-Ende persönlich und emotional.

Auch bei der Raiffeisen-Tankstelle gegenüber sind Lieferanten und Mitarbeiter der Firma Kunden gewesen. „Das werden wir merken“, sagt Raiffeisen-Vorstandsmitglied Marco Gottschalk. „Das ist traurig für die Region.“

Für eine detaillierte Einschätzung aus Sicht des Einzelhandels ist es nach Ansicht von Günter Raabe noch zu früh. Der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins Stadthagen (SMS) sagt: „Natürlich wird das Auswirkungen haben.“ Wie schlimm es wird, ist seiner Meinung nach davon abhängig, ob die Faurecia-Mitarbeiter dem Unternehmen hinterherziehen und ihre Kaufkraft so nach Hannover tragen – oder ob sie in Stadthagen bleiben. jcp

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