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Stadthagen Stadt Geheimnis gelüftet: „Rippe" ist ein Unterkieferast
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Geheimnis gelüftet: „Rippe" ist ein Unterkieferast
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16:33 22.09.2011
Um den an der Außenseite des Ratskellers hängenden Knochen ranken sich viele Geschichten. Quelle: par

Stadthagen (par). Der große gebogene Knochen wird erstmalig in der „Beschreibung der Grafschaft Schaumburg“ von Johann Just Winkelmann 1697 als Walfischrippe erwähnt und ist seitdem ein Bestandteil der Stadthäger Stadtgeschichte.

„In der Beschreibung ist als Erklärung nachzulesen, dass einige Stadthäger mit auf Walfang nach Grönland gefahren sind“, erklärte Adolf Tatje. Auch er sei von dieser Geschichte überzeugt gewesen, schließlich habe er es so auch in der Schule gelernt. In seiner Funktion als Stadtarchivar wollte er es dennoch etwas genauer gewissen. Nach Rücksprache mit seinem Amtsleiter hat Tatje eine kleine Probe des Knochens entnommen und diese dem Leibniz Institut für Angewandte Geophysik in Hannover zwecks Altersbestimmung zugesendet.

Immer noch davon ausgehend, dass es sich um eine Rippe handelte, wurde zunächst versucht, das Alter zu bestimmen. Es wurde auf 700 bis 800 Jahre taxiert. Danach galt es festzustellen, welcher Walart die Rippe zugeordnet werden könnte. Fotos und Maße wurden an das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel geschickt. Von hier aus gelangten die Unterlagen über Husum nach Köln zum anerkannten Walforscher Klaus Barthelmess, einer Koryphäe auf dem Gebiet der Meeressäuger.

„Er hat das Geheimnis für uns gelüftet. Es handelt es sich nicht um eine Walrippe, sondern um den Unterkieferast eines Bartenwales“, berichtete Tatje. Zudem sei bei der Altersuntersuchung ein Fehler aufgetreten. Der Kiefer sei 500 Jahre alt. Des Weiteren wies er darauf hin, dass im vierbändigen Katalog des britischen Walforschers Nicholas Redman über europäische Walknochenmonumente, erschienen im Jahr 2009, der Stadthäger Walknochen mit zwei Textstellen und einem Foto von 1930 belegt ist.

„Bartenwale stranden seit Jahrhunderten in der Nordsee, mitunter auch in der Ostsee. Demonstrativ große Walknochen von Strandungen wurden seit dem Mittelalter als diplomatische Geschenke von den Fürsten der küstennahen Kleinstaaten ins Binnenland versandt“, gab der Anfang dieses Jahres verstorbene Klaus Barthelmess als Grund an, wie ein derartiger Knochen nach Stadthagen gekommen sein könnte.