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Stadthagen Stadt Gemeinden verlieren weiter an Mitgliedern
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Gemeinden verlieren weiter an Mitgliedern
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00:16 28.01.2017
Die Kirchengemeinden in Stadthagen können den Mitgliederschwund nicht stoppen. Quelle: rg
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Stadthagen

Die Zahlen seien seit Jahren relativ konstant. So gab es im Vorjahr 93 Austritte. Während 2014 in vielen Städten und Gemeinden die Zahl der Austritte Rekordwerte erreicht hatten, blieb dies in Stadthagen aus. Hintergrund für die damalige Austrittswelle war die per Post verschickte Ankündigung der Banken, dass die Kirchensteuer auf Kapitalerträge künftig direkt abgeführt werde –was viele Betroffene irrtümlich als Erhöhung der Kirchensteuer interpretierten. Denn tatsächlich änderte sich an der Höhe nichts, lediglich am Einzugsverfahren.

Laut der städtischen Internetseite dauert der Kirchenaustritt nur fünf Minuten. Kosten: 25 Euro. Die Daten werden dann automatisch ans Finanzamt übermittelt, dadurch wird auch der Arbeitgeber informiert.

Kirchensteuer auf dem Gehaltszettel schreckt ab

Die katholische St.-Joseph-Gemeinde hat im vergangenen Jahr 23 Austritte von in Stadthagen lebenden Mitgliedern verzeichnet, 2015 waren es 15 Personen. „Ein Kirchenaustritt ist nichtgleichzusetzen mit dem Abfall vom Glauben“, betont Pfarrer Stephan Uchtmann. Manchen gehe es um die Institution Kirche, die nicht mehr den selben Stellenwert habe wie früher, und in manchen Fällen sei der Austritt auf finanzielle Belange zurückzuführen. „Gerade jüngere Menschen, die ins Arbeitsleben eintreten und auf dem ersten Gehaltszettel die Kirchensteuer sehen, entscheiden sich vielleicht ohne groß darüber nachzudenken, für einen Austritt“, so der Pfarrer. Aber genauso gebe es den umgekehrten Fall, etwa wenn die eigene Hochzeit ansteht oder man als Taufpate ausgewählt wurden. „Für manche zeigt sich nach einiger Zeit auch, dass sich ein Leben ohne Kirche nicht richtig anfühlt.“

Pauschale Prügel für "die Kirche"

Ähnliche Erfahrungen hat Wolf-Peter Koech von der evangelischen St.-Martini- Gemeinde gemacht. Der Pastor würde sich in der öffentlichen Darstellung mehr Differenzierung wünschen, „einfach ,die Kirche‘ zu sagen, ist zu pauschal“. Zwar sei es selten, dass jemand austrete, weil er sich über ein aktuelles Ereignis geärgert habe, aber es komme eben doch vor. „Ich kann es ertragen, wenn wir Prügel beziehen, aber das muss eben auch uns gelten, genauso wie umgekehrt.“

Beide Kirchen suchen das Gespräch mit ehemaligen Mitgliedern. Es gebe zwar keine Kampagne, um gegen die Austritte anzugehen, „aber es gibt eine nachgehende pastorale Seelsorge“, erklärt Uchtmann. Die ehemaligen Mitglieder der katholischen Gemeinde würden angeschrieben. Die Resonanz sei zwar gering, „aber wir wollen zeigen, dass wir uns kümmern“.

Mehr Zeit verstreichen lassen die Pastoren der Martini-Gemeinde. Erst einige Jahre nach dem Austritt würden die ehemaligen Mitglieder angeschrieben. „Denn in dem Moment ist die Entscheidung gefallen, aber vielleicht sehen die Menschen mit etwas Abstand ihren Austritt mit anderen Augen“, so Koech. col

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