Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadthagen Stadt Gestern Pechvogel – heute Glückspilz
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Gestern Pechvogel – heute Glückspilz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 30.06.2013
Polizeidienststellenleiter Wolfgang Kanngießer übergibt Malte Aumann dessen Portemonnaie. Quelle: pr.

Von Verena Insinger

Stadthagen.  Wie berichtet, hat der Abiturient des Wilhelm-Busch-Gymnasiums (WBG) die mehr als 2500 Euro Mittwochmorgen aus der Schule abgeholt. Das Geld stammt aus dem Kartenvorverkauf für das Fest am Freitag. „Damit wollte ich ein paar Rechnungen begleichen“, sagt der Schüler. Nachdem er im Lidl an der Breslauer Straße einkaufen war, hatte er sein Portemonnaie auf seinem Autodach liegen lassen und war losgefahren. Als er bei einem Kumpel ankam, fiel ihm das Versäumnis auf. Doch alles Suchen half nichts.

Die Geldbörse war weder auf der zurückgelegten Wegstrecke noch auf dem Parkplatz zu finden. Er schaltete die Polizei ein. Mit Unterstützung der SN wurde ein Aufruf im Internet gestartet. Doch bis Mittwochabend ging bei der Polizei kein Hinweis auf den Verbleib des Geldes ein.
Zu der Zeit war die Geldbörse bereits im Besitz eines 76-jährigen Stadthägers. Er hatte sie auf dem Lönsweg gefunden und eingesteckt. „Weil er danach einiges zu erledigen hatte, hat er nicht hineingeschaut. Der Fund ist dann in Vergessenheit geraten“, sagt Axel Bergmann, Polizeipressesprecher. Erst abends fiel dem Mann das Fundstück wieder ein. Da es jedoch schon spät war, wollte er nicht mehr bei der Polizei anrufen.

Morgens am Frühstückstisch schlug er die SN auf, las die Berichterstattung über den Pechvogel und erkannte den Zusammenhang zwischen seinem Fund und dem verlorenen Abiball-Geld. „Sofort hat er sich auf den Weg zu uns gemacht und das Portemonnaie abgegeben“, sagt Bergmann. Kurz darauf traf bei der Polizeiwache ein freudestrahlender Malte Aumann ein und nahm die verlorene Brieftasche wieder an sich. Das Geld war vollständig vorhanden. Und die guten Nachrichten für den 18-Jährigen nahmen kein Ende: Der 76-Jährige hat komplett auf den Finderlohn verzichtet, der ihm gesetzlich zugestanden hätte (siehe Kasten).

„Das ist eine tolle Geste. Ich kann mich nur tausend Mal bei dem Herrn bedanken. Ich bin überglücklich“, sagt der Gymnasiast. So viel Ehrlichkeit muss belohnt werden: In Absprache mit seinen Mitschülern aus dem Abiball-Komitee wollen sie den ehrlichen Finder überraschen. „Wir laden ihn als Ehrengast zu unserem Abiball ein. Vorher will ich ihn besuchen und mich persönlich bei ihm bedanken.“

Auch Maltes Schulleiter Holger Wirtz freut sich über das Happy End. „So groß, wie der Schock am Mittwoch war, so groß ist auch die Freude über den glücklichen Ausgang“, sagt Wirtz. „In diesem Fall hat es einen Schüler getroffen, der sich sehr für seinen Jahrgang eingesetzt hat. Das war bitter.“ Für Malte Aumann waren die fast 24 Stunden Bangen „heilsamer Schock“. „Eines ist klar: Ich werde nie wieder mein Portemonnaie auf das Autodach legen.“

Finderlohn

BGB § 971: Der Finder kann von dem Empfangsberechtigten einen Finderlohn verlangen. Dieser setzt sich wie folgt zusammen: Bis 500 Euro erhält der Finder fünf Prozent des Geldes, bei einem Betrag über 500 Euro drei Prozent. In dem Fall des gefundenen Abiball-Geldes hätte der 76-Jährige Anspruch auf 85 Euro gehabt. Wenn die Sache nur für den Verlierer einen Wert hat, so ist der Finderlohn nach eigenem Ermessen festzusetzen. Der Anspruch ist ausgeschlossen, wenn der Finder die Anzeigepflicht verletzt oder den Fund auf Nachfrage verheimlicht. Wer gefundene fremde Sachen behält, macht sich unter Umständen der Fundunterschlagung strafbar.