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Gewalt hat viele Formen

Frauenberatung Gewalt hat viele Formen

Tagtäglich haben die Mitarbeiterinen von Basta (Mädchen- und Frauenberatungszentrum) mit Gewalt gegen Mädchen und Frauen zu tun. Da mag manch einer glauben, dass es nichts gebe, was die vier Frauen nicht schon gesehen oder gehört haben. Doch auch die Arten der Gewaltausübung wandeln sich.

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Haben das Lachen nicht verlernt: Basta-Mitarbeiterinnen Birgit Baron (von links), Kirstin Lusga, Sabine Schaedel und Ingetraud Wehking.

Quelle: col

Landkreis. So haben es die Pädagoginnen seit einigen Jahren verstärkt mit sogenannter digitaler Gewalt zu tun. „Vor zehn Jahren gab es das noch nicht“, sagt Ingetraud Wehkind. Damit steige nicht nur der Beratungsbedarf, sondern auch die Nachfrage nach Präventionskonzepten und Beratungsgesprächen in Schulen. Denn: „Mit der Gewaltausübung wächst natürlich auch die Frage, was man dagegen tun kann.“ Und zu ihren Aufgaben gehöre es, dieses Problem in die Öffentlichkeit zu tragen – auch mit der Hoffnung, dass endlich ihr Ruf nach höherer finanzieller Unterstützung gehört werde, um weitere Mitarbeiterinnen einzustellen.

Für Schüler gehören soziale Medien mittlerweile zum Alltag. Und auch Mobbing vollziehe sich mittlerweile über diese Kanäle, wissen die Expertinnen. „Das bedeutet eben auch, dass es kaum noch Rückzugsmöglichkeiten gibt. Die Kinder und Jugendlichen können es nicht auf dem Schulhof zurücklassen“, erklärt Wehking. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass vor allem Mädchen zu Opfern werden, denen es zu Hause nicht gut geht oder die bereits sexuelle Übergriffe erlebt haben.

„Unser Wunsch wäre es, unsere Beratungen in mehr Schulen anbieten zu können, und das nicht nur, wenn etwas vorgefallen ist und wir gezielt angefragt werden“, sagt Familientherapeutin Birgit Baron. Aktuell würden die Kapazitäten dies jedoch nicht hergeben. Dabei sei es vor allem wichtig, am Unrechtsbewusstsein der Jungen zu arbeiten und die Mädchen zu stärken. „Es darf nicht sein, dass demjenigen, der die Aufnahme gemacht und verschickt hat, die Schuld zugeschoben wird“, so Erziehungswissenschaftlerin Sabine Schaedel.

Sexualisierte Gewalt ausgeklammert

In den Schulen werde das Thema leider komplett ausgeblendet: „Es gibt zwar viel zum Thema Medienkompetenz, aber sexualisierte Gewalt wird ausgeklammert“, so Wehking. Einige hätten Angst, mit ihren Eltern zu sprechen, weil ihnen dann vielleicht das Handy weggenommen würde.

Verstärkt von digitaler Gewalt seien auch Frauen Mitte oder Ende 30 betroffen. Denn gerade in Trennungsphasen würden Männer aus Rache im Vertrauen zugeschickte Bilder im Internet veröffentlichen. „Häufig sind es Betroffene, die es geschafft haben, sich aus einer langjährigen Gewaltbeziehung zu lösen und denen jetzt Steine in den Weg gelegt werden“, weiß Wehking.

„Zu unserer Aufgabe gehört es auch, den Frauen zu zeigen, dass es nicht ihre Schuld ist“, erklärt Baron. Die Betroffenen müssten auch damit zurechtkommen, dass sie die Bilder nie ganz aus dem Netz kriegen werden.

Zu den Arten der Gewalt gehöre aber beispielsweise auch das Installieren einer sogenannten Spyware, sodass die Täter ihr Opfer auf Schritt und Tritt verfolgen können oder auch Waren auf ihren Namen zu bestellen. „Ich rate den Frauen immer, ihr Handy mit einem Zahlencode zu schützen. Sofern der Partner das überhaupt noch zulässt.“

Beim Chatten auf das Bauchgefühl achten

Aber auch Dating-Portale im Internet können zu einer Falle werden. Viele Frauen gingen sehr offen und aufgeschlossen auf neue Bekanntschaften zu, durch das Chatten entstehe schnell das Gefühl, man kenne den Gegenüber. „Ich würde mir nur manchmal wünschen, dass die Frauen mehr auf ihr Bauchgefühl hören und Zweifel nicht einfach übergehen“, so Wehking.

Die Basta-Mitarbeiterinnen setzen auf eine breitere Vernetzung im Landkreis. Die Polizei müsse für solche Fälle sensibilisiert werden. Viele Frauen verzichteten ganz auf die Anzeige, weil die strafrechtliche Verfolgung – so die Erfahrung der Beraterinnen – schwierig sei. col

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