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Grabstätten für Muslime fehlen

Gespräche neu aufrollen Grabstätten für Muslime fehlen

Wie viele Muslime in Stadthagen leben, ist statistisch nicht erfasst, bei jedem vierten Bürger mit Migrationshintergrund dürften es allerdings einige sein. Die hiesige Türkisch-Islamische Gemeinde zählt 175 Mitglieder, allerdings kommen regelmäßig 400 zum Freitagsgebet in die Moschee. Und trotz dieser vergleichsweise hohen Zahlen gibt es hier vor Ort keine Möglichkeit, nach muslimischem Ritual bestattet zu werden –zumindest noch nicht.

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Quelle: Symbolfoto (dpa)

Stadthagen. Denn Gespräche zu diesem Thema mit der Türkisch-Islamischen Gemeinde sowie Vertretern der evangelischen St.-Martini-Gemeinden haben bereits stattgefunden, liegen jedoch fast zwei Jahre zurück, wie Bürgermeister Oliver Theiß erklärt. Damals sei man allerdings mit der Idee auseinandergegangen, zu warten, bis der Staatsvertrag mit den Muslimen in Niedersachsen geschlossen sei. „In dem Vertrag sollten auch die Regelungen für muslimische Bestattungen geregelt werden, sodass wir uns nicht um Sondergenehmigungen hätten bemühen müssen“, erklärt Theiß den Hintergrund.

Im Leinentuch begraben

Denn nach muslimischer Tradition sollen Verstorbene auf der Seite liegend gen Mekka gerichtet und nur in Leinentücher gewickelt mit direktem Bodenkontakt bestattet werden. Möglich ist dies beispielsweise auf dem Stadtfriedhof in Hannover-Stöcken. Dort existiert schon seit mehr als 20 Jahren eine muslimische Abteilung, seit 2010 können darüber hinaus auch Bestattungen im Leinentuch vorgenommen werden. Eine solche Befreiung war 2006 mit dem Inkrafttreten des neuen Niedersächsischen Bestattungsgesetzes grundsätzlich möglich geworden.

Aktuell eher eine Ausnahme

Der Stöckener Friedhof werde auch von in Stadthagen lebenden Familien genutzt, die einen Angehörigen in Deutschland bestatten wollen, weiß Mehmet Yabas, Vorsitzender der Stadthäger Türkisch-Islamischen Gemeinde. Aktuell sei dies aber noch eher die Ausnahme, „denn noch werden die meisten unserer Mitglieder für Bestattungen in die Türkei überführt“. Traditionell zahlen Türken in Sterbekassen bei den Moscheevereinen, die dann nach dem Tod die Überführung organisieren. „Aber wenn Kinder oder junge Menschen verunglücken, wollen die Eltern die Gräber natürlich häufiger besuchen, als einmal im Jahr im Urlaub“, weiß Yabas. Zudem ist sich der Vorsitzende sicher, dass für die nachfolgenden Generationen eine Überführung immer weniger infrage kommen werde – das Thema muslimische Grabstätten in Stadthagen also immer wichtiger werde.

Bürgermeister Theiß ist sich sicher, dass sich geeignete Flächen in der Stadt finden lassen. Denn die religiösen Vorschriften verlangen zudem die Beisetzung in „jungfräulicher Erde“ und ebenso wie Juden kennen Muslime keine begrenzte Liegezeit für Verstorbene. Deswegen sei auch der Ankauf von einer Fläche der Martini-Gemeinde gescheitert.

Da der Islamvertrag nun faktisch vom Tisch sei, „können wir die Gespräche nun neu aufrollen“, erklärt Theiß. Die Stadt habe der islamischen Gemeinde ihre Gesprächsbereitschaft signalisiert.  col

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