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Griechen „Luft zum Atmen lassen“

Stadthagen / „Mittagsgespräch“ mit Otto Rehhagel Griechen „Luft zum Atmen lassen“

Den als griechischer Nationalheld geltenden Otto Rehhagel hat die Konrad-Adenauer-Stiftung am Montagmittag im Ratskellersaal präsentiert. Liebevoll als „Rehakles“ tituliert, hatte der Fußballtrainer die griechische Nationalmannschaft 2004 zum Europameister gemacht und in dem Land einen Taumel der Begeisterung ausgelöst.

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Im Gespräch über Griechenland: EU-Parlamentarier Burkhard Balz (von links), Fußball-Legende Otto Rehhagel, Moderator Uwe Graells und Fußballfunktionär Karl Rothmund.

Quelle: rg

Von Stefan Rothe

Stadthagen. Grund genug für den Veranstalter, den Freund und Kenner Griechenlands aufs Podium einzuladen zum Thema „Verantwortung in Europa – Gemeinsam Griechenland Mut machen“.

 „Da fangen Eure Frauen auch an zu meckern“

 Er sei „weder Politiker noch Ökonom“, ließ der 73-Jährige eingangs vor den rund 220 Zuhörern kein Missverständnis aufkommen. Seine Kenntnisse gewinne er „durch viele Gespräche mit meinen griechischen Freunden“.

 Von Moderator Uwe Graells animiert, zeichnete Rehhagel in der ihm eigenen kompromisslosen Sprache ein schonungsloses Bild der Lage. Viele Jobs seien bedroht, jeder zweite Jugendliche arbeitslos, die Finanzierung eines Aufenthaltes im Krankenhaus ein Riesenproblem. Als Beispiel führte Rehhagel einen Beamten mit kleinem Einkommen an und rief den Zuhörern zu: „Stellt Euch vor, Ihr bekommt 40 Prozent Eures Gehaltes gestrichen und noch höhere Steuern aufgedrückt - da möchte ich Euch sehen, denn da fangen Eure Frauen auch an zu meckern“.

 Klar müsse man den Griechen sagen: „So wie ihr bisher gewirtschaftet habt, geht es nicht weiter, ihr müsst euch anstrengen und den Gürtel enger schnallen.“ Aber: Bei allen Auflagen „muss man den Griechen die Luft zum Atmen lassen“. Die Menschen dürften angesichts der Reformen nicht den Mut verlieren. „Wir dürfen sie nicht auf die Straße treiben.“ Der Reformprozesss könnte zeitlich gestreckt werden, so die Empfehlung Rehhagels, nicht zuletzt „um auch die Mentalität der Griechen mit zu berücksichtigen“.

 Mit noch einem weiteren Appell wartete die Bundesliga-Legende auf: „Griechenland ist ein wunderschönes Land – dorthin in Urlaub zu fahren, heißt, den Griechen Mut zu machen“.

 Troika schärfer auf die Finger schauen

 In der EU gebe es „ein grundlegendes Wohlwollen gegenüber Griechenland, dem Ursprungsland der Demokratie“ berichtete der Stadthäger EU-Parlamentarier Burkhard Balz. „Harte und schmerzhafte Auflagen“ müssten zwar sein, aber „wir müssen sehen, dass die Menschen nicht zu stark belastet werden“. Daher sei das EU-Parlament aktuell dabei, der Troika „etwas schärfer auf die Finger zu schauen“.

 „Die Griechen dürfen nicht das Gefühl kriegen, dass sie geknechtet werden“, fügte Karl Rothmund, Vorsitzender des Niedersächsischen Fußballverbandes, hinzu. Menschen ließen sich bei Veränderungen immer dann mitnehmen, „wenn sie davon überzeugt sind, dass es ihnen am Ende nützt.“ Der Fußballfunktionär zeigte sich besorgt über rechtsradikale Ausschreitungen in griechischen Stadien.

 Gegen Ende des „Mittagsgesprächs“ sorgte Rehhagel im Dialog mit Moderator Graells wiederholt für schallendes Gelächter, als er einige Anekdoten aus 50 Jahren Bundesliga-Geschichte preisgab.

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