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Gründung nach heftigen Turbulenzen

25 Jahre IGS Schaumburg Gründung nach heftigen Turbulenzen

Vor genau 25 Jahren ist mit der IGS in Stadthagen die erste Gesamtschule in Schaumburg gegründet worden. Dieses Ereignis feiert die Bildungseinrichtung am Donnerstag mit einer großen Jubiläumsveranstaltung. Die Entstehung der Schule im August 1991 war mit heftigen Turbulenzen verbunden.

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Schulleiter Richard Wilmers (vorne links) mit Schülern der ersten Generation bei der Gründungsveranstaltung der IGS in Stadthagen. Archivbild

STADTHAGEN.   Schon 1984 hatte sich eine „Initiative für eine Gesamtschule in Schaumburg“ gebildet. Wie der erste IGS-Leiter Richard Wilmers sich erinnert, war ein zentrales Motiv die Überzeugung, dass im dreigegliederten Schulsystem „die soziale Auslese eine zu große Rolle spielt“. Die IGS wurde von den Initiatoren „als Schritt zu mehr Chancengleichheit im Bildungswesen“ erachtet. Die SPD/FDP-Mehrheit im Kreistag machte sich diese Sichtweise überwiegend zu eigen. Sie sah eine IGS als sinnvolle Erweiterung des Schulangebotes in Schaumburg.

  Ganz anders die CDU. Diese empfand die IGS nach Erinnerung Gunter Feuerbachs, heute Kreistagsfraktionschef und damals bereits im Kreistag vertreten, als „Frontalangriff auf die bestehende und bewährte Schulstruktur“. Nach Überzeugung der Union „konnte eine gemeinsame Schule niemals vergleichbare Ergebnisse in den Schulzeugnissen bringen“. Ähnlich begründete heftige Widerstände gab es an den hiesigen Gymnasien. An einem kam es sogar zu einer Schulbesetzung mit Übernachtung durch Lehrer und Schüler aus Protest gegen die geplante Einrichtung.

Eine Schule für alle

Mit klar profilierten pädagogischen Grundsätzen ist die IGS vor 25 Jahren nach Darstellung von Bärbel Harmening an den Start gegangen. Diese war vom Gründungsjahr an bis 2015 als Didaktische Leiterin federführend für die pädagogische Konzeption verantwortlich.

Wichtigster Aspekt: Die hiesige IGS verstehe sich von Beginn an „als Schule für alle“. Die Vielfalt der Begabungen und Herkünfte werde als Chance verstanden. „Bei aller Unterschiedlichkeit miteinander lernen und leben“ sei das Motto.
Eine „kinderfreundliche Schule“ zu sein, sei von Anfang an zentraler Teil des Selbstverständnisses. Dazu trage zum Beispiel bei, dass ein festes Lehrerduo eine Klasse vom fünften bis zum zehnten Schuljahr betreut und dadurch Vertrauensbeziehungen aufgebaut werden können.

Viel Wert werde seit dem Start auf spezielle Unterrichts- und Lernmethoden gelegt, die auf die individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler zugeschnitten sind. Zudem sollen Schüler „Mitverantwortung für den eigenen Lernprozess übernehmen“.  ssr

  Als 1988 nach vielen turbulenten Diskussionen durch die SPD/FDP-Mehrheit im Kreistag die Errichtung einer IGS beantragt wurde, regierte im Land die CDU. Dass diese mit ihrer fundamental ablehnenden Haltung gegenüber Gesamtschulen eine Genehmigung erteilen würde, galt als sehr unwahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund geriet der Start der IGS geradezu zu einem Kuriosum.

 Der damalige Kreisschuldezernent und spätere Oberkreisdirektor Klaus Henning Lemme (SPD) erzählt, dass die Landesregierung den Vorgang länger liegen ließ: „Es tat sich gar nichts“ – warum auch immer. Als er nach einiger Zeit im Kreistag gefragt wurde, was mit dem IGS-Antrag sei, habe er gleichwohl geantwortet: „Die IGS ist genehmigt.“ Die Überraschung war komplett. Grundlage für seine verblüffende Auskunft sei eine gesetzliche Regelung gewesen, dass der Antrag eines Kreistages als genehmigt gilt, wenn die Landesregierung binnen drei Monaten keine Entscheidung fällt. Diese Frist war hier verstrichen. Die Regelung, auf die der Jurist Lemme gestoßen war, kannte kaum jemand.

 Als die Kreisverwaltung von der Landesregierung den Genehmigungsbescheid forderte, hielt diese dagegen: Sie klagte. Doch das Verwaltungsgericht Hannover gab der Auffassung Lemmes Recht. Der Weg für die Gründung der ersten IGS im Kreisgebiet war frei, trotz des gegenteiligen Willens der Genehmigungsbehörde – eine spannende Geburt.

 So wurde die IGS am 25. August feierlich eröffnet. Der damalige Kultusminister Rolf Wernstedt (SPD) – die Sozialdemokraten hatten die Landesregierung übernommen – verlieh in seiner Rede der Hoffnung Ausdruck, dass „diese Schule ,Schule macht‘“. Das hat sich mindestens insofern bewahrheitet, als es mittlerweile fünf dieser Einrichtungen in Schaumburg gibt, so viele wie in keinem anderen Landkreis in Niedersachsen. ssr

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