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Hand in Hand für die Rechte der Frauen

Stadthagen / "Basta" Hand in Hand für die Rechte der Frauen

Es passiert in allen Ländern, allen Kulturen, allen Schichten: Einer Studie der Weltgesundheitsbehörde (WHO) zufolge wird weltweit jede dritte Frau Opfer körperlicher Gewalt.

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Arbeiten Hand in Hand (von links): Ursula Mahlo, Kirsten Lusga, Ingetraud Wehking, Birgit Baron und Katharina Herz-Melching vom „Basta“-Team.

Quelle: vin

Von Verena Insinger . Um den Betroffenen vor Ort schnelle und unbürokratische Hilfe zu geben, haben sich vor 25 Jahren Frauen in Stadthagen zusammengeschlossen und eine Anlauf- und Beratungsstelle ins Leben gerufen – heute besser bekannt als „Basta“.

 „Das war damals revolutionär“, sagt Ingetraud Wehking, Diplom-Pädagogin und Mitarbeiterin im Mädchen- und Frauenberatungszentrum. „Damals herrschte hier in der ländlichen Region die Meinung: Gewalt- und sexuelle Übergriffe auf Mädchen und Frauen gibt’s in Städten wie Hamburg, aber doch nicht in Stadthagen.“ Es habe Jahre und viel Öffentlichkeitsarbeit gebraucht, um die Bürger für die Problematik zu sensibilisieren.

 Wenn die Mitarbeiterinnen von „Basta“ an Infoständen Handzettel an Passanten verteilten, zogen Männer ihre Frauen häufig von den Ständen weg. „Das ist teilweise leider auch heute noch der Fall“, sagt Ursula Mahlo, Diplom-Pädagogin und Frau der ersten „Basta“-Stunde. Aus diesem Grund lässt sich das Beratungszentrum bei Veranstaltungen wie der Regionalschau auch Gewinnspiele einfallen, um die Hemmschwelle für Interessierte zu ihrem Stand so gering wie möglich zu halten. Mit Erfolg. Immer mehr Frauen haben sich in den vergangenen Jahren an sie gewandt – Betroffene und Begleitende.

 Ließen sich in den ersten Jahren der Beratungsstelle noch mehr Pädagogen in Sachen Früherkennung beraten, wendete sich im Laufe der Zeit das Blatt. Zwar ließen sich auch heute noch zahlreiche Lehrer und Erzieher schulen. Es kommen aber immer mehr Betroffene selbst zu „Basta“ und lassen sich von den mittlerweile vier qualifizierten Teilzeit-Kräften beraten. Allein 2012 halfen sie 163 Betroffenen im Alter über 18 Jahre sowie 42 Jugendlichen. Sie alle wurden Opfer sexueller Übergriffe.

 Außerdem haben im vergangenen Jahr 207 Frauen Hilfe nach häuslicher Gewalt gesucht. „Das ist etwas, das uns sehr häufig beschäftigt“, sagt Wehking. Allerdings sei dieses Thema immer noch mit einem großen Tabu belegt. Die Klienten seien in den Bereichen sehr unterschiedlich: Manche trennen sich nach der ersten Ohrfeige, andere leben mehr als 35 Jahre mit den physischen und psychischen Übergriffen. „Die erleben die Hölle auf Erden, aber sind ihrem Ehepartner gegenüber immer noch so loyal, dass sie alle Aufgaben übernehmen“, erläutert die Diplom-Pädagogin.

 Auch diesen Frauen bietet „Basta“ ihre Hilfe an. Viele werden von den Experten über Jahre begleitet. Weder diesen unterdrückten Frauen noch Opfern einer Vergewaltigung raten die Frauen von „Basta“ zu rechtlichen Schritten. „Das müssen sie selbst entscheiden. Wir zeigen lediglich Möglichkeiten auf“, erklärt Traumatherapeutin Birgit Baron. „Sollten die Frauen die Taten zur Anzeige bringen, wartet häufig ein dorniger Weg auf sie.“ Gleiches gelte für Frauen, die in der Kindheit missbraucht wurden.

 Die Mitarbeiterinnen von „Basta“ sind stolz auf das Erreichte in Stadthagen und darüber hinaus. Doch auch für die nächsten 25 Jahre haben sie noch viele Wünsche: verlässliche Finanzierungen vom Land Niedersachsen, weniger Bürokratie, zügigere juristische Bearbeitung von Gewaltverbrechen und eine „Basta“-Einrichtung für Jungen und Männer. Denn eines stehe laut Wehking fest: „Auch diese sind von sexualisierter Gewalt betroffen.“

 „Basta“ feiert das 25-jährige Bestehen am Freitag, 1. November, bei einem Jubiläumsempfang mit geladenen Gästen. Neben Landrat Jörg Farr kommen dabei auch Frauen der ersten Stunde zu Wort. Wer die Arbeit des Vereins unterstützen möchte, kann Spenden auf folgendes Konto bei der Sparkasse Schaumburg überweisen: 470134248 (Kontonummer) und 25551480 (Bankleitzahl).

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