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„Handgranatenwurfstand“ im Garten

Betrug in Stadthagen „Handgranatenwurfstand“ im Garten

An einen notorischen Betrüger ist ein Schaumburger Arzt geraten, der sich im Garten einen Schwimmteich anlegen lassen wollte. Verurteilt hat das Gericht den Angeklagten wegen Betruges in zwei Fällen, denn die Gartenbaufirma war ebenfalls betrogen worden.

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Symbolbild

Quelle: dpa

STADTHAGEN/BÜCKEBURG. Beauftragt hatte der Mediziner damit einen Patienten, mit dem er ins Gespräch gekommen war. Das Angebot erschien ihm günstig.

Insgesamt kassierte der ausgebildete Gartenbauer mehr als 80 000 Euro, steckte aber keinen Cent davon in die Gestaltung des Teiches. Er hatte sich als stiller Teilhaber eines Garten- und Landschaftsbauunternehmens in Nordrhein-Westfalen ausgegeben und war wie ein vermögender Geschäftsmann aufgetreten. Nur im Garten passierte nichts.

Als der Arzt ungeduldig wurde, beauftragte der Betrüger eine Firma, die mit schwerem Gerät anrückte, jedoch wieder abzog, als die Rechnung über eine Abschlagszahlung von rund 35000 Euro nicht beglichen wurde. „Es sah aus wie auf einem Handgranatenwurfstand“, erinnert sich der Arzt mit Grausen.

Ein Mann mit Knasterfahrung

Wenn er gewusst hätte, mit wem er es zu tun hat, wäre der Mediziner wohl vorsichtiger gewesen. Der heute 54 Jahre alte Gartenbauer hat etwa ein Dutzend Vorstrafen, ein Mann mit Knasterfahrung. Jetzt kommen vier Jahre und zwei Monate Haft hinzu. Drei Jahre davon entfallen auf die Sache mit dem Schwimmteich, der Rest auf eine frühere Strafe.

Aus beiden Verurteilungen durch das Amtsgericht Stadthagen hat die zuständige Berufungskammer am Bückeburger Landgericht nun eine Gesamtstrafe gebildet. „Auch durch die Vollstreckung von Freiheitsstrafen wurde der Angeklagte in der Vergangenheit nicht geläutert“, so Richter Peter Rohde.

„Ist es Ihnen nicht seltsam vorgekommen, dass die Überweisungen auf ein privates Konto gingen?“, fragte Oberstaatsanwalt Frank Hirt den Arzt. Achtmal hatte der Mediziner per Blitzüberweisung Abschlagszahlungen auf das Konto der Lebensgefährtin des Mannes geleistet, unterm Strich 83200 Euro. Hinzu kommen Anwaltskosten, vermutlich in fünfstelliger Höhe. Außerdem musste der Mediziner die „Bauwüste“ auf seinem Grundstück für etwa 35000 Euro auf eigene Kosten beseitigen lassen. Im Rahmen eines gerichtlichen Vergleiches zahlte der Betrüger später rund 18000 Euro zurück.

Verurteilt wegen Betrugs in zwei Fällen

„Ich muss jedem Patienten Vertrauen entgegenbringen, das ist die Basis meiner Arbeit“, betont der Arzt. „Er hätte es fast kaputt gemacht.“ Eines Tages erfuhr der 45-Jährige, dass er es mit einem vorbestraften Betrüger zu tun hatte. „Da brach das Kartenhaus zusammen – leider zu spät.“ Der angeblich so erfolgreiche Geschäftsmann lebte damals zum Teil von Krankengeld, teils auf Kosten seiner Lebensgefährtin.

Verurteilt hat das Gericht den Angeklagten wegen Betruges in zwei Fällen, denn die Gartenbaufirma war ebenfalls betrogen worden. Dem Unternehmen hatte der Betrüger vorgetäuscht, dass der Arzt die Rechnung bezahlen würde, obwohl zwischen den Männern davon nie die Rede war.

Vielmehr hatte der Arzt darauf bestanden, die zunächst mündliche Vereinbarung über den Bau des Schwimmteiches schriftlich zu fixieren. So geriet der Betrüger, der sich gegenüber der Firma als Planer ausgegeben hatte, in Zugzwang. Der Gartenbauer beauftragte den Fachbetrieb. Er wollte Zeit gewinnen. Ihm kam es darauf an, dass Arbeiten begannen, die von außen sichtbar waren.  ly

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