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Stadthagen Stadt Hausarzt Henze schließt Praxis
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Hausarzt Henze schließt Praxis
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00:19 16.06.2018
Aus und vorbei: Friedhelm Henze schließt am Freitag seine Praxis in Stadthagen. Quelle: ano
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Stadthagen

Einen Nachfolger hat er trotz zweijähriger Suche nicht gefunden. Gerade mal zwei Interessenten hätten sich ihm vorgestellt, die letztlich aber lieber angestellt bleiben wollten. Während die Mitarbeiterinnen bereits neue Stellen gefunden haben, ist die Frage, wo die Patienten jetzt unterkommen sollen. Denn viele Praxen sind bereits so voll, dass sie niemanden mehr aufnehmen.

So wie beispielsweise in der Einrichtung von Dr. Gerrit Mack. „Wir müssen täglich Patienten abweisen“, sagt seine Ehefrau Heike Mack, die in der Praxis als Versorgungsassistentin arbeitet. In den vergangenen Jahren hätten so viele Ärzte aufgehört, dass die Situation jetzt eine „Katastrophe“ sei. Erst zum Jahreswechsel ist Ingrid Dolgner aus Stadthagen in den Ruhestand getreten. Eine Nachfolgerin für die Gemeinschaftspraxis hat Ulrike Hecht auch nicht gefunden.

Mack hat auch keine Antwort darauf, wie sich die Attraktivität steigern lässt. „Eine eigene Praxis zu führen, ist eben sehr zeitaufwendig. Und viele wollen auch keine Hausbesuche machen, die eben dazugehören“ Dabei könnte ein Nachfolger immerhin auf einen großen Patientenstamm zurückgreifen.

Dr. Henze hofft, dass seine Patienten bei Dr. Yasir Elhaj unterkommen, der zum 1. März die ehemaligen Räume des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) an der Obernstraße 54 bezogen hat. Dafür werde er zukünftig wohl auch seine Praxiszeiten von aktuell nur zweieinhalb Tagen ausweiten.

Mittelbereich inzwischen „Problemregion“

In dem Mittelbereich Stadthagen, zu dem neben der Kreisstadt noch die Samtgemeinden Sachsenhagen, Nienstädt und Niedernwöhren sowie die Stadt Obernkirchen und die Gemeinde Auetal zählen, gilt bei der Kassenärztlichen Vereinigung mittlerweile als „Problemregion“, wie Sprecher Detlef Haffke erklärt. Der Versorgungsrad liege gemessen an der gesetzlich vorgeschriebenen Bedarfsdeckung bei 88,3 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 90,3 Prozent. „Wir bewegen uns in Richtung Unterversorgung“ (75 Prozent), so Haffke. Zehn Hausärzte könnten sich ad hoc in dem Bereich niederlassen.

Die Situation sei aktuell so, dass die KVN die Region bereits als „besonders förderwürdig“ eingestuft hat. Der nächste neue Hausarzt würde 60 000 Euro erhalten. Haffke weiß aber auch, dass solche finanziellen Anreize, die es in vielen Regionen gebe, kaum noch Ärzte locken. Hausärzte ließen sich lieber anstellen, als sich selbstständig zu machen, was etwas mit der „Work-Life-Balance“ zu tun habe. Deswegen sei es bei aller Kritik an der KVN auch schwierig, etwas zu tun, „wir können neue Ärzte weder backen noch sie in bestimmte Regionen delegieren“.

Dr. Henze stellt jedoch ganz konkrete Forderungen an die Politik, die Rahmenbedingungen anzupassen, „bevor die hausärztliche Versorgung den Bach runtergeht“. So bedeuteten Regressforderungen seitens der Kassen eine große Belastung für Ärzte. „Wir haben die Hauptverordnungslast und wenn ich leitliniengerecht behandeln möchte, summiert sich das schnell.“ Komme man über den Schnitt der Verordnungen, müsse man sich rechtfertigen, im schlimmsten Fall sogar Geld zurückzahlen. col

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