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Hausputz in fremder Wohnung

Stadthagen Hausputz in fremder Wohnung

Wochenlang hat ein Stadthäger (31) eine jüngere Frau beobachtet. Eines Tages ging der unheimliche Mann in die Wohnung der 23-Jährigen, räumte gründlich auf, stellte die Möbel um und brachte sogar den Müll herunter. Die Frau war damals nicht zu Hause.

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Quelle: dpa

Stadthagen.  Einen Türschlüssel hatte sie vorsichtshalber immer in einem Briefkasten am Haus deponiert, in den auch Fremde von außen greifen können. Begründung: „Dann habe ich einen Ersatzschlüssel, falls ich meinen vergesse.“ Ein Plan mit Schwächen im Detail.

 Wegen Hausfriedensbruchs hat das Amtsgericht in Stadthagen den Eindringling jetzt zu einer Geldstrafe von 650 Euro verurteilt, was in diesem Fall 50 Tagessätzen entspricht. „Das war kein Kavaliersdelikt“, so Richter Kai Oliver Stumpe. Der Angeklagte sei in die Intimsphäre eingedrungen.

 Die Tat findet Stumpe bedenklich. Falls so etwas noch einmal vorkommt, „machen wir hier die große Vorstellung“, warnte der Richter den Arbeitslosen vor. Soll heißen: „Dann werde ich Sie psychiatrisch begutachten lassen, ob Sie eine Gefahr für die Allgemeinheit sind.“ Dies kann zur Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie führen, gerichtlich angeordnet auf unbestimmte Zeit. Der Angeklagte ist wiederholt vorbestraft, vor allem wegen Drogendelikten.

 Aufgeflogen war er, nachdem einer seiner Bekannten der jungen Frau per SMS aufs Handy mitgeteilt hatte, wer in ihrer Wohnung war. Mehreren Leuten hatte der 31-Jährige zuvor diese „krasse Geschichte“ erzählt, die zunächst für allgemeine Heiterkeit sorgte. Sie erinnert an Heinzelmännchen, jene Kölner Hausgeister, die nachts, wenn alle Bürger schliefen, Hausputz machten. Spaß beiseite: „Wenn einer in meiner Wohnung war, finde ich es natürlich nicht mehr witzig“, räumt der Nachbar des Angeklagten ein, der die SMS an das Opfer verschickt hatte.

 Die Stadthägerin fand die Geschichte von Anfang an kein bisschen komisch. „Ich war total geschockt“, sagt sie. Vermutlich hatte der Mann durch ein Fenster gesehen, wie es in der Wohnung aussah. Die Bewohnerin räumt ein, dass sie nicht besonders ordentlich ist. Anfangs hatte sie noch ihren „Nachbarn im Verdacht, weil der immer so freundlich ist“.

 Der Angeklagte schwieg zu den Vorwürfen. Nur einmal entfuhr ihm eine Bemerkung. In seiner Urteilsbegründung hatte Richter Stumpe erklärt, dass der Stadthäger „ein Problem bei der Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht“ habe. Dies, so der Verurteilte, hänge damit zusammen, dass ihn einmal eine Freundin gewürgt habe.

 Auch vor der Wohnung, in der die Schwester der 23-Jährigen lebt, soll er sich aufgehalten haben. Mehr noch: Mehrere Zeugen berichteten, der Angeklagte habe ihnen erzählt, dass Schmierereien in der Stadthäger Innenstadt ebenfalls auf sein Konto gingen, eine davon direkt vor den Stufen zum Gerichtsgebäude. Zu sehen ist jeweils ein Herz, das den Buchstaben J umschließt. ly

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