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Heiligabend ist nicht gleich Feierabend

Stadthagen / Arbeiten an Heiligabend Heiligabend ist nicht gleich Feierabend

Heiligabend: Nicht nur für den Weihnachtsmann ein ganz normaler Arbeitstag. Polizisten und Krankenschwestern schieben in den besinnlichen Stunden ihre Schichten, auch am 24-Stunden-Betrieb manch einer Tankstelle ändert der Festabend nichts.

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Landkreis (jcp(mak/aw). . Arbeitsrechtlich könnte man fragen: Warum auch? So heißt es auf experto.de, einem Online-Beratungsportal des Verlags für die Deutsche Wirtschaft: „Heiligabend und Silvester sind in keinem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag, das heißt, es muss gearbeitet werden. Insoweit gelten keine Besonderheiten gegenüber sonstigen Arbeitstagen.“

Abgesehen davon erlauben einige Berufe die Pause zur Weihnacht überhaupt nicht. Und aus den unterschiedlichsten Gründen bestehen manche Menschen auch nicht darauf, an Heiligabend frei zu haben. In den SN erzählen sie, warum.

Seelsorger im Einsatz

Sorgen, Probleme und Ängste kennen die Menschen das ganze Jahr über, nicht nur an den Weihnachtstagen. Es sei aber vor allem die Einsamkeit, die die Menschen an Heilig Abend die Nummer der Telefonseelsorge wählen lässt, erzählte Petra Ottensmeyer, hauptamtliche Mitarbeiterin bei der Telefonseelsorge Ostwestfalen.

„Grundsätzlich gibt es bei den Gesprächsthemen keine Unterschiede zu den anderen Tagen im Jahr“, erklärte Petra Ottensmeyer. Oft würden zu hohe Erwartungen an die besinnlichen Feiertage zur großen Enttäuschung führen. „Eine Person klagte über den sehr unharmonisch und kühlen Verlauf des Weihnachtsfestes, da sie sich versöhnliche Gespräche mit ihren Eltern erhofft hatte“, so Ottensmeyer. „Solche Anrufe kommen meistens spät an Heiligabend“, fügte Ottensmeyer hinzu. Es passiere aber auch, dass Menschen anrufen, um den Mitarbeitern der Telefonseelsorge frohe Weihnachten zu wünschen. „Darüber freuen wir uns immer sehr“, so Ottensmeyer.

Von Heiligabend um 8 Uhr morgens bis zum ersten Weihnachtsfeiertag um 8 Uhr morgens sind fünf Mitarbeiter der Telefonseelsorge Ostwestfalen schichtweise im Einsatz. Auch Petra Ottensmeyer wird eine Schicht übernehmen. „Wir machen das gerne, aus unterschiedlichen Beweggründen“, so Ottensmeyer. Auf eine festliche Atmosphäre im Büro  – der Weihnachtsbaum darf nicht fehlen – würden sie aber alle wertlegen.

Stille Nacht in Bethel

Die Mitarbeiter versuchen auf jeden Fall, die Ruhe des Heiligabends auf der Station einkehren zu lassen, erzählte Heidi Gronzki, Stationsleiterin im Pflegebereich des Krankenhaus Betehl in Bückeburg. „Um 14 Uhr haben die Patienten die Möglichkeit, sich eine kurze Andacht anzuhören“, so Gronzki. Dabei müssten die Pfleger auch mal erfinderisch werden und Betten für die bettlägerigen Patienten im Andachtsraum organisieren. Sofern es den Patienten ermöglicht werden könne, teilzunehmen, setzen die Pfleger alles in Bewegung, wie Gronzki berichtete.

„Patienten, die ihr Zimmer ohne Hilfe verlassen können, treffen sich am Abend gerne am Weihnachtsbaum der Station“, erzählte Heidi Gronzki. Und soweit die Pflegedienste es zulassen, leisten Heidi und ihre Kollegen den Patienten Gesellschaft und reden mit ihnen.

Wenn die Schichten für Heiligabend aufgeteilt werden, würden junge Mütter und Väter mit kleinen Kindern so gut berücksichtigt wie möglich, erklärte Gronzki. Dann übernähmen diese Pfleger zum Beispiel die Frühschicht an Heiligabend. In diesem Jahr habe sich eine ältere Kollegin freiwillig für die Nachtschicht angeboten, die um 19 Uhr beginnt: „Wenn die Kinder aus dem Haus sind, sind Kollegen nicht so sehr an das familiäre Beisammensein an Heilig Abend gebunden, wie die jüngeren Kollegen“.

„Für uns ein normaler Tag“

Von zehn bis 16 Uhr arbeitet Medine Bulut heute bei der Aral-Tankstelle an der Vornhäger Straße. Die Schicht vor ihr bestreitet Chefin Gülten Tanrikulu, nach Bulut übernimmt eine Kollegin. „Wir sind Muslime“, erklärt die junge Frau. „Für uns ist das heute ein ganz normaler Tag.“ Entsprechend geringe Überwindung kostet es sie, sich am 24. Dezember hinter den Schalter zu stellen.

Vielleicht hat Bulut an diesem Tag sogar weniger Stress als ihre Kunden. Einige davon kauften schnell noch Getränke und Zigaretten. „Manche kommen aber auch reingestürmt, weil sie irgendwas zum Kochen vergessen haben und sie sich nicht an einer Endlosschlange anstellen wollen.“ Oder weil der Supermarkt bereits geschlossen hat – und die Mitarbeiter nach Hause zu ihren geschmückten Tannebäumen gefahren sind.

„Es wird besinnlicher“

Hans-Jürgen Brandt, Polizeihauptkommissar in Stadthagen, macht an Heiligabend freiwillig Dienst. „Es ist bei uns seit jeher Sitte gewesen“, sagt er, „dass diejenigen, die keine kleinen Kinder mehr haben, Dienst tun.“ Auch für Alleinstehende werden die Polizei-Kollegen an diesem Abend zu einer Art „Ersatz-Familie“. Acht Stunden dauert eine Schicht, sofern nichts Außergewöhnliches passiert.

Von 13 bis 21 Uhr wird Brandt heute voraussichtlich im Dienst sein. Das Feiern mit der Familie fällt daher für Heiligabend flach. „Meine Kinder suchen mich dann am zweiten Weihnachtstag heim“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

„Das ist vom Dienst her mehr oder weniger ein Tag wie jeder andere“, weiß Brandt aus Erfahrung. Vormittags gebe es mehr Stress, weil die Stadt dann noch voll sei. „Zum Abend wird es ruhiger, besinnlicher.“
Allenfalls Verkehrsunfälle und häusliche Gewalt könnten den Frieden auf der Polizeiwache stören. Die geöffneten Gaststätten bereiten dagegen keine Probleme.

Besonders gefeiert wird Heiligabend wohl nicht – anders als zu Brandts Zeit als Offizier bei der Bundeswehr, wo er als Posaunenchor-Mitglied den Soldaten an diesem Tag ein weihnachtliches Ständchen brachte. Das sorgte damals für so manche Träne.

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