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Stadthagen Stadt Hochzeit mit etwa 900 Gästen geräumt
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Hochzeit mit etwa 900 Gästen geräumt
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14:33 24.04.2018
Etwa 900 Hochzeitsgäste werden aus der Festhalle evakuiert. Quelle: rg
Stadthagen

Bei dem Hochzeitspaar handelt es sich um den Kapitän der ersten Mannschaft des VfR Evesen, Burak Buruk. Für ihn und seine künftige Ehefrau Esra Mur sollte es der schönste Tag im Leben werden, Freunde und Verwandte aus dem gesamten Bundesgebiet und Ausland waren nach Stadthagen gereist.

Großaufgebot rückt an die Seilerstraße aus

Doch die Feier nahm um kurz nach 18 Uhr ein jähes Ende. Ein Unbekannter rief nach Polizeiangaben auf dem Kommissariat in Bad Nenndorf an und drohte, eine Bombe in der Halle platziert zu haben. Umgehend fuhren Einsatzkräfte an die Seilerstraße. Mit einem Megaphon forderten die Beamten die Hochzeitsgesellschaft auf, die Räume zu verlassen. Währenddessen fuhren die Hundeführer mit ihren Sprengstoffspürhunden in Hannover und Göttingen los. Während der Einsatz lief, feierten die Gäste auf dem Festplatz weiter (siehe Infokasten).

Zweiter Anruf bei der Stadthäger Polizeiwache

Um 19.56 ging ein Anruf auf der Polizeiwache in Stadthagen ein. „Die Hurensöhne in der Festhalle werden alle in die Luft fliegen“, drohte der Anrufer nach Polizeiangaben dieses Mal. Da es sich um etwa 900 Personen handelte, die betreut werden mussten, rief die Leitstelle kurzerhand MANV (Massenanfall von Verletzten) aus. Rettungswagen, Streifenwagen und Feuerwehrfahrzeuge säumten die Seilerstraße sowie die Enzer Straße. Die Helfer mussten für den Einsatz ihre sogenannte Blaulichtparty am Abend unterbrechen.

Da sich die Suche in der Festhalle hinzog, verlagerten die Veranstalter die Hochzeitsfeier ins Foyers der Kreissporthalle – begleitet und betreut von Feuerwehr sowie DRK.

Vor der Festhalle wird weiter gefeiert.

Drohung gegen Restaurant in der Hüttenstraße

Aufregung für die Einsatzkräfte gab es erneut um 21.20 Uhr. Nach Behördenangaben rief ein Unbekannter auf der Dienststelle in Bückeburg an. Dort kündigte der Unbekannte an, dass ein Restaurant in der Hüttenstraße in Stadthagen in die Luft fliegt. Die Polizei räumte den Imbiss sowie die darüber liegenden Wohnungen. Da die Spürhunde noch in Stadthagen waren, wurden sie auch dort eingesetzt. In beiden Fällen fanden die Ermittler keine Sprengsätze.

Hintergründe der Tat sind bislang unklar

Vor Ort waren außer den Hundeführern aus Hannover und Göttingen Streifenwagenbesatzungen aus Stadthagen, Bückeburg, Bad Nenndorf, Rinteln, Stolzenau und Nienburg.
Die Polizei ermittelt gegen unbekannt wegen Störung öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat. Offenbar kamen die Anrufe aus unterschiedlichen Telefonzellen. Der Anrufer wählte nach Polizeiangaben nicht den Notruf, sondern steuerte die drei einzelnen Wachen gezielt an. Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar.

Möglicherweise spielt auch dabei der Konflikt zwischen Türken und Kurden eine Rolle. Die Anspannung war erst bei der Demonstration am 9. Februar auf dem Marktplatz spürbar. Auch in diesem Fall gab es zuvor eine Drohung gegen die Veranstalter, die den Schaumburger Nachrichten zugeschickt worden war.

Hinweise zur Bombendrohung nimmt die Polizei unter (0 57 21) 4 00 40 entgegen.

Von Verena Insinger

Tanz im Scheinwerferlicht

Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge mit zuckendem Blaulicht stehen längs der Enzer Straße und an der Seilerstraße. Die Hochzeitsgesellschaft mit mehr als 800 Leute verteilt sich auf dem nördlichen Teil des Festplatzes. Der Bereich vor dem Haupteingang der Festhalle und der gesamten Nordfront ist menschenleer. Niemand darf sich hier aufhalten. Eine Polizistin weist freundlich kleine Mädchen in hübschen Tüllkleider zurück, die sich vorwagen. Für die Kinder ist die Situation eine aufregende Sache. Es liegt keine Angst in der Luft.

Im Gegenteil. Rhythmische Musik von Trommel und Zurna, einem Holzblasinstrument, klingt über den Platz. Männer tanzen, Kinder umringen einen weiblichen Clown, der für sie Ballons aufbläst und lustige Figuren daraus formt.

Die Feuerwehr hat einen Scheinwerfer aufgebaut, damit die Gäste draußen feiern können.

Inzwischen ist es kurz nach 20 Uhr, und an eine Rückkehr in die Halle ist nicht zu denken. Mehr Feuerwehrfahrzeuge rücken an.

„Was hier gerade abläuft, finde ich total daneben“, sagt ein Mann zur Clownin. Damit meint er nicht die Entscheidungen von Polizei und Feuerwehr, sondern die Sabotage der Hochzeit.

Dass die Feier auch im Freien irgendwie weitergehen kann, dafür sorgt die Feuerwehr und baut auf dem südlichen Teil des Festplatz einen starken Scheinwerfer auf. In dessen Licht tanzt die Braut, umringt von strahlenden und lachenden Gästen. Dann greift Tunkay Korkmazigit zum Megaphon und teilt mit, dass die Feier in der Kreissporthalle weitergeht. Zur Musik setzt sich sofort ein Umzug mit gelassenen und fröhlichen Gästen in Bewegung. sk