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Holprige Herausforderung

Stadthagen Holprige Herausforderung

Bereits zwei Zentimeter können zu einer unüberwindbaren Hürde werden. Das haben Günes Tezcan, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stadthagen und der designierte Bürgermeister Oliver Theiß, bei einer Rollstuhlfahrt durch die Innenstadt feststellen können.

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Ob eine steile Rampe, ein Fußgängerüberweg oder ein Bordstein – Matthias Gläser (rechts) zeigt Günes Tezcan (links) und Oliver Theiß (Mitte, hinten), welche Hindernisse gehbehinderte Menschen in Stadthagen überwinden müssen.

Quelle: tbh

Stadthagen. Auf Einladung von Matthias Gläser, dem Vorsitzenden des Stadthäger Behindertenbeirates gingen Texcan und Theißauf Tuchfühlung mit holprigem Kopfsteinpflaster, Schlaglöchern und Bordsteinkanten.

 Während der Beiratsvorsitzende, der seit 25 Jahren im Rollstuhl sitzt, die kniffligen Stellen mittlerweile kennt, haben Theiß und Tezcan die Innenstadt aus einer für sie neuen Perspektive erlebt. „Auf einmal muss man auf Kanten achten, die man als Fußgänger nicht einmal bemerkt“, stellte die Gleichstellungsbeauftragte fest.

 Die erste Hürde erreichten die Rollstuhlfahrer beim Eingang zum i-Punkt. Der Vorsitzende des Behindertenbeirates machte das Problem deutlich: „Wir bleiben nicht im Regen stehen, aber im Vorraum ist Schluss.“ Die Rampe über die beiden Stufen ist so steil, dass man sie mit dem Rollstuhl nicht ohne Hilfe überwinden kann. Einen Treppenlift einzubauen sei jedoch unverhältnismäßig teuer, räumte Gläser ein.

 Vor dem Kopfsteinpflaster auf den Straßenmitten können gehbehinderte Menschen meistens auf die besser geeigneten Seitenflächen ausweichen, doch das geht nicht immer. Besonders die kleinen Vorderräder der Rollstühle verhakten sich beim Überqueren des Kopfsteinpflasters in den großen Fugen. Passanten, die mit dem Rollator vorbeigingen, sprachen Theiß bei der Gelegenheit an und schilderten ihre Probleme.

 Busfahren stellt für gehbehinderte Menschen auch eine Herausforderung dar. Außer dem Bussteig, der oft nur mühsam mit dem Rollstuhl befahren werden kann, sind nach Worten von Gläser auch viele Busse immer noch nicht behindertengerecht.

 Im Vergleich zu der Rollstuhlfahrt, die Bürgermeister Bernd Hellmann vor einigen Jahren absolvierte, hat sich jedoch schon einiges verbessert. Die ebene Parkfläche und der neue Bürgersteig an der Klosterstraße haben die Situation für gehbehinderte Menschen Gläser zufolge entschieden verbessert. Für den Zebrastreifen am Amtspfortenkreisel „hat der Behindertenbeirat lange gekämpft“, wie der Beiratsvorsitzende betonte. Dabei sei es nicht leicht, auf die Bedürfnisse seh- und gehbehinderter Menschen gleichermaßen einzugehen. Für Blinde sei beispielsweise Kopfsteinpflaster zur Orientierung hilfreich, erklärte Günter Knoff, der sich seit 15 Jahren mit dem Langstock den Weg ertasten muss. Am Zebrastreifen an der Amtspforte wurden zum Beispiel raue Pflastersteine eingebaut, die sehbehinderten Menschen als Leitlinie dienen. Mit einer Brille, die das Sehvermögen bei Grauem Star simuliert, tasteten sich Tezcan und Theiß über den Zebrastreifen. „Wenn ich ganz blind wäre, hätte ich schon Angst“, sagte der designierte Bürgermeister. „Ich hoffe, dass sie aus diesen Erfahrungen die richtigen Schlussfolgerungen ziehen“, erklärte Gläser zum Schluss der Sensibilisierungsaktion. tbh

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