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„Ich dachte, wir machen einen Einbruch“

Prozess um Stadthäger Tat „Ich dachte, wir machen einen Einbruch“

Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres beschäftigt der brutale Überfall auf ein Ehepaar im Stadthäger Villenviertel die 1. Große Strafkammer am Landgericht Bückeburg. Auf der Anklagebank sitzen diesmal drei Männer, alle aus Bremen. Einer von ihnen soll in der Tatnacht mit im Haus gewesen sein, einer der Drahtzieher, der dritte Fahrer des Fluchtautos. Das Urteil soll am 10. November verkündet werden.

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STADTHAGEN/BÜCKEBURG.. Zwei Angeklagte haben zum Prozessauftakt Geständnisse abgelegt. „Ich schäme mich sehr, weil meine Mama hier sitzt und hören muss, was ich getan habe“, sagte der 24-Jährige, der nach eigenen Angaben mit einem Komplizen ins Haus eingedrungen war. Die Familie verfolgt den Prozess von den Zuhörerbänken.

Nur der mutmaßliche Drahtzieher (31) schweigt bisher zu den Vorwürfen von Staatsanwalt Ulf Kranitz, will aber möglicherweise später aussagen. Ihm wird beispielsweise vorgeworfen, einem der Männer im Haus, ausgestattet mit Ohrhörern, telefonische Instruktionen gegeben zu haben.

Diesen Täter, ebenfalls aus Bremen, hatte das Gericht bereits im April zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt, unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung (wir berichteten). Der 23-Jährige hatte damals Namen genannt und Polizisten auf die Spur der drei Männer gebracht, die jetzt angeklagt sind. Er selbst war direkt nach dem Raubüberfall gefasst worden.

Überfallen haben die Männer ein bekanntes Stadthäger Paar. In der Nacht zum 22. Oktober 2016 hatten zwei Vermummte an der Tür geklingelt, die Eheleute im eigenen Haus ausgeraubt, mehrfach mit dem Tode bedroht und schließlich im Heizungskeller gefesselt zurückgelassen. Die Frau (54) wurde von einer Treppe gestoßen, der Mann (75) getreten. Der bereits verurteilte Täter hielt in einer Hand eine Schreckschusspistole, in der anderen einen Maurerhammer.

Offenbar waren die Räuber davon ausgegangen, einen vollen Tresor vorzufinden. Im Haus hatten die Bewohner jedoch nur eine kleinere Summe Bargeld, etwas Schmuck und einige Uhren. „Wir erschießen Ihre Frau“, drohten die Unbekannten, um ihrer Forderung nach Bargeld Nachdruck zu verleihen. Dann hieß es: „Wir haben Ihren Sohn im Auto, den erschießen wir auch.“ Angeblich hatte der Sohn Schulden, die eingetrieben werden sollten.

Dem Mann aus dem Haus, der jetzt angeklagt ist, war zunächst die Flucht gelungen. Vor Gericht erklärte der Bremer sinngemäß, hohe Schulden bei einer Großfamilie gehabt zu haben, die er abarbeiten sollte. Bis zuletzt will der 24-Jährige nicht gewusst haben, was von ihm verlangt wurde. „Ich wollte das nicht“, betont er. „Ich dachte, wir machen hier einen Einbruch.“

Der Bremer will mit einer Waffe bedroht worden sein, „Panik und Angst“ gehabt haben. Ins Haus soll ihn der andere Täter gezogen haben, nachdem der Hausherr die Tür geöffnet hatte. Außerdem bestreitet er, die Frau von einer Treppe geschubst zu haben, denn „ich habe selber eine Mama“. Den älteren Herrn habe er „leicht getreten“, was ihm „im Herzen sehr weh getan“ habe.

Der Prozess wird fortgesetzt. Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der 1. Großen Strafkammer, hat acht Sitzungstage anberaumt und 14 Zeugen geladen.

ly

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