Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Ihrer Zeit voraus

Stadthäger Agenda 21 Ihrer Zeit voraus

Vor 20 Jahren ist in Stadthagen die „Lokale Agenda 21“ ins Leben gerufen worden. Im September 1997 trafen sich rund 60 Interessierte zur Auftaktveranstaltung im Ratssaal.

Voriger Artikel
500 Jahre in Bewegung
Nächster Artikel
Wie Rosen auf Brokat gestickt

STADTHAGEN. Angelehnt an die in Rio de Janeiro beschlossene Agenda 21 (siehe Info-Kasten), sollte auch auf lokaler Ebene etwas bewegt werden, um sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen. Jürgen Lingner und Dieter Kellermeier, die seit der ersten Stunde dabei sind, haben im SN-Gespräch einen Blick zurückgeworfen: auf Erfolge und Rückschläge.

Ausgangspunkt für die Lokale Agenda 21 war die Frage: „Was müssen wir in Stadthagen für eine lebenswerte Zukunft tun?“ Drei Arbeitsgruppen – Natur, Energie und Soziales Ehrenamt – machten sich daran, Antworten zu finden. „Im Großem ging es um ein Handlungsprogramm, wie man Armut bekämpft, etwas für den Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Gleichstellung der Geschlechter tun kann“, erklärt Lingner. Die Kommunen seien aufgefordert worden, an der Verwirklichung der Ziele teilzunehmen. „Dabei ging es für uns nicht um die große Theorie, sondern darum, etwas praktisches zu erreichen“, so Lingner.

So etwas Praktisches sei dann etwa der „Tag der Umwelt“ gewesen, bei dem auch regionale ökologische Produkte verkauft worden seien. Heute sei dies ja gang und gäbe, aber vor 20 Jahren sei das Bewusstsein dafür noch kaum vorhanden gewesen. Warum auch immer, sagen beide schulterzuckend, werde diese Veranstaltung seit ein paar Jahren nicht mehr durchgeführt. Auch die fehlenden Fahrradparkplätze am Bahnhof seien von ihnen thematisiert worden.

„Da herrschte ein absolutes Chaos“, erinnert sich Kellermeier. Stadt und Seniorenbeirat hätten dieses Problem dann aufgegriffen, bis 2013 endlich die Bike&Ride-Anlage mit Platz für 380 Räder eröffnet werden konnte.

 „Zu schade zum Wegwerfen“

„Ganz klasse“ sei auch die Aktion „Zu schade zum Wegwerfen“ gewesen, betont Lingner. Dabei ging es um Wege, Brillen, Briefmarken oder Handys nicht einfach wegzuwerfen, sondern sinnvoll wiederzuverwerten. Heutzutage sei Recycling „ja das Normalste der Welt“.

Im Jahr 2000 gab es einen Vorstoß der Arbeitsgruppen, für ein sauberes Stadthagen zu sorgen. Im Blick hatten die Mitglieder vor allem die vielen Dosen, die das Stadtbild prägten. Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, wurde vom Marktplatz bis in die Obernstraße eine Dosenschlange gebildet. Ein Jahr später wurde das Dosenpfand eingeführt. „Wir waren unserer Zeit halt immer voraus“, sagt Lingner schmunzelnd.

2006 wurde eine neue Arbeitsgruppe gegründet, die das bürgerschaftliche Engagement im Blick hatte. Aus dieser heraus sei dann vor zehn Jahren der Umsonstladen ins Leben gerufen worden, sagt Initiator Lingner, der die AG damals geleitet hat.

Heute existiert nur noch die AG Natur, die Kellermeier leitet. „Der Grund ist meiner Meinung nach, dass ihr so praktisch gearbeitet habt“, lobt Lingner. „Das Hochwasser 1998 hat uns viele Mitglieder verschafft“, weiß Kellermeier noch. Viele Betroffene seien damals dazugestoßen, die durch die Vorfälle auf die Wichtigkeit der Aktion gestoßen seien. „Wir haben seit damals viele Vorschläge in Sachen Hochwasserschutz gemacht, auch aktuell läuft wieder so ein Verfahren.“ Zusätzlich zum Konzept eines von der Stadt beauftragten Ingenieurbüros prüft ein unabhängiges Fachbüro aktuell den von der Lokalen Agenda vorgelegten Alternativentwurf.

„2004 haben wir beim Bundeswettbewerb ,Unsere Stadt blüht auf‘ spontan die Silbermedaille gewonnen.“ Weil ihnen die Kommission damals auf den Weg gegeben habe, für die Auszeichnung in Gold noch eine Schippe drauf zu legen, sei die Idee des Kräutergartens an der Herminenstraße entstanden. Im Jahr 2005 haben die Planungen für den Klostergarten begonnen, zwei Jahre später war Baubeginn. Bis vor zwei Jahren bestand noch eine Kooperation mit der Schule am Schlosspark „Die Schüler haben ganz toll mitgeholfen und ich hoffe, dass die Zusammenarbeit bald wieder fortgesetzt wird.“ 2013 ist dann in Kooperation mit dem Wilhelm-Busch-Gymnasium, evangelisch reformierter Kirchengemeinde und der Stadt die Idee eines Bibelgartens entstanden. „Jedes Jahr kommt ein neuer Baum dazu“, freut sich Kellermeier.

Besonders stolz ist der Chef der Arbeitsgemeinschaft auf die Hartnäckigkeit, mit der die Gruppe die Fast-Food-Kette McDonalds dazu bewegt habe, den Müll rund um die Jahnstraße einzusammeln: „Das war ein richtiger Kampf, wir hatten schon beinah aufgegeben.“

Ein anderes Projekt sei leider tatsächlich gescheitert, wie Lingner erzählt. Ein internationaler Garten sollte in Stadthagen etabliert werden, der von Einheimischen und Zugezogenen gemeinsam bewirtschaftet werden sollte. „Wir waren schon sehr weit in der Planung, hatten bereits ein Stück Land und einen Brunnen gebaut, Parzellen aufgeteilt.“ Allerdings kam die Vereinsgründung nie zustande, „was ich sehr bedauere“, so Kellermeier. Beide führen den schlechten Standort auf das Desinteresse zurück. Doch kein Grund, findet Lingner, warum nicht aktuell überlegt werden sollte, das Projekt zu neuem Leben zu erwecken.

Beide bedauern auch nach 15 Jahren noch, dass es an der Politik gescheitert ist, die Landesgartenschau nach Stadthagen zu holen. „Das wäre eine Chance gewesen, den Georgschacht in den Griff zu kriegen und die ,Kohlenkirche‘ zu erhalten“, meint Lingner, und Kellermeier ergänzt: „Das ist wohl jetzt nicht mehr möglich.“

Agenda 21

Die Agenda 21 ist ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert, ein 300-Seiten-Leitpapier zur nachhaltigen Entwicklung, beschlossen von 180 Staaten auf der UN-Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED) in Rio de Janeiro (1992). An dieser Konferenz nahmen neben Regierungsvertretern auch viele nichtstaatliche Organisationen teil. Agenda kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: „Was zu tun ist“. Nachhaltige Entwicklung – und damit die Agenda 21 – ist vielerorts zur Leitlinie öffentlichen Handelns geworden. Ihre kommunale Umsetzung ist die Lokale Agenda 21. Stadthagen war dabei Schaumburgs Vorreiter ins 21. Jahrhundert. Aber auch in Niedernwöhren, Obernkirchen, Nienstädt und Bückeburg hatten sich lokale Gruppen gegründet.

col

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr