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Stadthagen Stadt Im Fall Fadi S.: Bewährungsstrafe für Erpresser
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22:47 13.02.2019
Bad Oeynhausen/Hille/Stadthagen

Im Zusammenhang mit dem Hiller Dreifachmord ist am Dienstag in Herford ein erstes Urteil gesprochen worden. Das Schöffengericht verurteilte zwei 23-jährige Männer aus Bad Oeynhausen wegen versuchter räuberischer Erpressung zu Bewährungsstrafen.

Das Duo hatte Anfang März vergangenen Jahres versucht, die libanesische Familie des Mordopfers Fadi S. aus Stadthagen zu erpressen, während diese öffentlich nach dem Familienvater suchte. Was die beiden mehrfach vorbestraften Männer nicht wussten: Der 30-jährige Familienvater war zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Amtsrichterin Alea Blöbaum fand in der Gerichtsverhandlung drastische Worte für die Angeklagten: Ihre Tat sei „an krimineller Energie nicht zu übertreffen“.

Rückblick: Der gelernte Maurer Fadi S. war am 4. März 2018 gegen Mittag nach Hille aufgebrochen, um sich mit Jörg W. zu treffen. Mit dem 51-jährigen Hiller wollte er sich im Baugewerbe selbstständig machen. Die beiden wollten an diesem Tag eine Scheune ausräumen, die W. angeblich für die gemeinsamen Geschäfte gekauft hatte. Als der 30-Jährige am Abend nicht nach Hause zurückkehrte, meldete ihn seine Familie bei der Polizei in Stadthagen als vermisst und postete eine Vermisstenanzeige in den sozialen Netzwerken. Fünf Tage später fand die Polizei die Leiche des zweifachen Vaters in der Scheune in Neuenbaum.

Die beiden Bad Oeynhausener entdeckten am 5. März die Facebook-Suchanzeige der Libanesen und nahmen per E-Mail Kontakt zur Familie von Fadi S. auf. Dabei behaupteten sie, der Vermisste sei in der Gewalt einer Gruppe Albaner. Für seine Freilassung würden 45.000 Euro verlangt – sie selbst gaben sich als Vermittler aus, die das Geld an die Entführer überbringen sollten. Einer der beiden Trittbrettfahrer telefonierte schließlich mit einem Bruder von Fadi S. Ein Mitschnitt dieses Telefongesprächs wurde gestern als Beweismittel im Gerichtssaal verlesen. Der Trittbrettfahrer behauptet darin, die Entführer wollten „ihr Hack haben“ – was so viel heißt, wie „ihr Recht haben“.

Angeklagte bestreiten, mit dem Tod von Fadi S. gedroht zu haben

Darin fragt der ältere Bruder von Fadi S. weiter: „Der ist noch am Leben?“ Der Angeklagte antwortet: „Ihr braucht Euch keine Sorgen machen. Ihm geht es gut. Kannst Du Deiner Mama sagen.“ Das, so urteilte das Gericht, zeige deutlich, dass die Familie davon ausging, Fadi S. werde sterben, wenn das geforderte Geld nicht gezahlt werde. „Man konnte das gar nicht anders verstehen“, sagte Richterin Blöbaum.

Die Familie von Fadi S. stimmte daher auch einem Treffen im Einkaufszentrum Werre-Park in Bad Oeynhausen zu, um mit den Angeklagten über eine mögliche Geldübergabe zu sprechen. Kein Mensch solle etwas davon wissen, hatten die Trittbrettfahrer noch gefordert. Als die Angehörigen ein Lebenszeichen von Fadi S. einforderten, platzte die Geldübergabe. Die Trittbrettfahrer konnten dieses selbstverständlich nicht liefern. Als die Leiche des Libanesen in der Scheune in Hille gefunden wurde, stellten sich beide der Polizei.

Vor Gericht waren die beiden Angeklagten – früher Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes – geständig, bestritten allerdings, der Familie mit dem Tod von Fadi S. gedroht zu haben. In dem Telefongespräch zwischen den Angeklagten und dem Bruder sei lediglich davon die Rede gewesen, den Familienvater so lange festzuhalten, bis das Geld bezahlt würde. Die Richterin warf den Tätern vor, die Angst der Angehörigen gnadenlos ausgenutzt zu haben. Das Geständnis der beiden wertete sie aber als strafmildernd.

Der 23-Jährige, der auch das Telefongespräch geführt hatte, wurde wegen räuberischer Erpressung zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt, sein Mittäter bekam ein Jahr und drei Monate, ebenfalls zur Bewährung. Beide müssen darüber hinaus Sozialstunden leisten.

Die mutmaßlichen Mörder von Fadi S., Jörg W. (51) und Kevin R. (24), stehen nach wie vor in Bielefeld vor Gericht. Der Prozess wird am Donnerstag, 21. Februar, fortgesetzt. 

Von Stefanie Dullweber und Ali Beriwan