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Stadthagen Stadt Immer mehr Promille im Spiel
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Immer mehr Promille im Spiel
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00:22 24.08.2015
Jedes Jahr muss die Polizei zahlreiche betrunkene Autofahrer aus dem Verkehr ziehen. dpa
Stadthagen

Denn schon ab 0,3 Promille können erste Einschränkungen der Reaktionsfähigkeit auftreten, berichtet Axel Bergmann. Doch in immer mehr Fällen geht es nicht mehr um verhältnismäßig geringe Alkoholmengen. Der Sprecher der Polizei Stadthagen berichtet von Statistiken, die erwiesen haben, „dass es heute deutlich höhere Promillewerte sind als früher“.

Außerdem gebe es heute weniger „klassische“ Alkoholfahrten, etwa nach einem Kneipenbesuch am Abend. „Oft sind tagsüber oder kurz nach dem Feierabend alkoholisierte Fahrer unterwegs, darunter auch immer mehr Frauen“, berichtet Bergmann.

Diese „rollenden Zeitbomben“ seien ein Problem. Alkoholbedingte Verkehrsunfälle hätten häufig sehr dramatische Folgen, da die Fahrer die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren.
17 Unfälle, bei denen Alkohol im Spiel war, hat es in der Kreisstadt im vergangenen Jahr gegeben. Das sind fünf mehr als noch im Jahr 2013. Im Gegensatz dazu sind die bei Routinekontrollen festgestellten Alkoholfahrten gesunken: 2013 zählte man noch 79, im Jahr darauf nur 43. Doch diese Zahlen seien trügerisch. „Sie hängen sehr vom Personal- und Zeiteinsatz der Polizei ab“, erklärt Bergmann. Wenn die Ermittler beispielsweise den Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen legen, blieben weniger Ressourcen für Verkehrsüberwachung. Doch die Kontrollen sollen wieder intensiviert werden. Unter dem Titel „Verkehrssicherheitsinitiative 2020“ der Polizei Niedersachsen soll unter anderem auch die Bekämpfung von Unfällen mit Alkohol und Drogen im Fokus stehen. Ähnlich wie beim Blitzmarathon werden etwa 20 Beamte der Stadthäger Polizei an einem Tag im September eine Großkontrolle durchführen.

Möglicherweise werden sich auch am Stichtag einige Autofahrer auf falsche Faustregeln oder tückische Alkoholrechner verlassen. „Diese Sachen sind gefährlich, da sie einige Parameter wie die Nahrungsaufnahme außer Acht lassen“, sagt der Behördensprecher. Wenn man merke, dass man einen Schwips hat, „war es garantiert zu viel Alkohol, um sich hinters Steuer zu setzen. Wer fahren will, sollte nichts trinken, Punkt!“

Die Konsequenzen

Prinzipiell dürfen Autofahrer bis 0,49 Promille Alkohol im Blut ohne Folgen Auto fahren. Wird bei einer Verkehrskontrolle ein Wert zwischen 0,5 und 1,09 Promille festgestellt, muss der Fahrzeugführer mit auf die Wache. Der Wert wird dort an einem stationären Gerät nochmals geprüft. 500 Euro Bußgeld, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot hätte diese Ordnungswidrigkeit zur Folge. Ab einem Wert über 1,1 Promille begehen Autofahrer eine Straftat und ein Bluttest wird angeordnet. Das könnte eine Freiheits- oder Geldstrafe von bis zu 3000 Euro zur Folge haben. Außerdem wird meist der Führerschein für sechs Monate entzogen. Hat der Autofahrer mehr als 1,6 Promille im Blut, wird der Führerschein nur nach einer bestandenen Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) wieder ausgehändigt. Die Folge: Kosten im hohen vierstelligen Bereich. Achtung: Auch ein Vergehen im Bereich zwischen 0,3 und 1,09 Promille kann als Straftat geahndet werden, sofern „alkoholbedingte Ausfallerscheinungen“ auftreten.  js

Übrigens dürfen auch Fahrradfahrer nicht hemmungslos dem Alkohol frönen. Bis zu einem gemessenen Alkoholwert von 1,59 Promille haben sie keine Folgen zu befürchten, solange sie keine alkoholbedingten Fahrfehler begehen. Denn dann liegt, ähnlich wie bei den Autofahrern, eine Straftat vor. Bitter wird es für Radfahrer, die mit mehr als 1,6 Promille bei einer Kontrolle erwischt werden: Es drohen drei Punkte in Flensburg, eine Geldstrafe und die Anordnung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung. js