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Immer weniger Existenzgründer

Zahl der Geschäftsaufgaben sinkt Immer weniger Existenzgründer

Nach Beobachtungen der Industrie- und Handelskammern (IHK) hat sich das Gründungsinteresse in Deutschland seit 2004 glatt halbiert. Zurückgegangen sind dabei vor allem die Notgründungen, die mangels sinnvoller Erwerbsalternative stattfinden. Übrig geblieben sei ein „leider nur kleiner harter Kern von Gründern, die ,Lust haben‘, sich selbstständig zu machen“.

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STADTHAGEN. . 891 Betriebe sind 2015 im Landkreis neu gegründet worden – ein Rückgang um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wurden 926 Geschäfte geschlossen.
Zu negativ will Manfred Wrede, Stadthäger IHK-Geschäftsstellenleiter, die Zahlen jedoch nicht bewerten. Natürlich seien die Geschäftsaufgaben ein Punkt, der im Auge zu behalten sei, so Wrede. Zumal der Trend seit 2012 immer eine negative Bilanz aufweise. Im Gegensatz zur Entwicklung auf Landesebene gab es in Schaumburg in den vergangenen vier Jahren eine stetige Zunahme der Betriebsaufgaben. „Man muss aber auch berücksichtigen, aus welchem Grund ein Unternehmen geschlossen wird.“ Denn nicht immer sei eine Schließung auch ein Scheitern, vielfältige Gründe könnten dafür ausschlaggebend sein. Beispielsweise ein Umzug.
Während die Anzahl der Neugründungen 2013 noch einmal gegenüber dem Vorjahr angestiegen war, sank sie seitdem stets. In der Folge überstiegen im Jahr 2015 die Betriebsaufgaben die Neugründungen. In den neun Jahren zuvor war die Gewerbebilanz des Landkreises Schaumburg noch stets positiv, wobei der höchste Saldo im Jahr 2010 mit 249 erzielt wurde. Seitdem sank der Saldo kontinuierlich und lag nun bei minus 35.
Auch hier sei nicht unbedingt die Unattraktivität einer Selbstständigkeit ausschlaggebend für die sinkenden Zahlen. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Verhältnisse und genügend Arbeitsstellen gebe es weniger Druck. „Denn die Rahmenbedingungen für eine Selbstständigkeit sind bei uns im Landkreis gut“, betont Wrede. Es gebe genügend Informationen, das „Zentrum für Unternehmensgründung“ (ZUG), das viele Stellen unter einem Dach vereine, stehe für Fragen zur Verfügung. „Wir haben eine sehr gute und transparente Beratungsstruktur.“ Auch sei es nicht schwieriger geworden, einen Kredit zu bekommen – solange der Businessplan stimme „und man sich zu verkaufen weiß“, glaubt Wrede.
Die meisten Gründungen gab es bei den Dienstleistungen (304) und im Handel, der um 14,4 Prozent von 222 auf 254 Neugründungen zulegen konnte. In den übrigen Branchen gab es zumeist deutliche Rückgänge wie etwa im Baugewerbe (minus 25,4 Prozent), im Verarbeitenden Gewerbe (minus 28,3 Prozent) oder auch in der Information und Kommunikation (minus 38,2 Prozent). Insgesamt entspricht die Branchenverteilung im Landkreis weitgehend der in Niedersachsen; lediglich das Baugewerbe ist mit elf Prozent der Neugründungen etwas schwächer vertreten als auf Landesebene (14 Prozent); der Handel mit 28 Prozent um vier Prozentpunkte stärker vertreten.
Gerade ausländische Staatsangehörige wagen überproportional häufig den Schritt in die Selbstständigkeit. Fast jeder fünfte Existenzgründer im Landkreis hatte 2015 eine ausländische Staatsangehörigkeit. Damit legte ihr Anteil um 5 Prozent seit 2006 zu. Aber auch hier ist die absolute Anzahl deutlich gesunken – und zwar um 36,9 Prozent (auf 128) in den vergangenen neun Jahren. „Menschen mit Migrationshintergrund sind häufig risikobereiter. Sie wägen weniger ab als deutsche Gründer“, glaubt Wrede. Allerdings könnten hier vielleicht auch mehr Existenzgründungen aus der Not heraus geboren sein, weil es für Ausländer heute immer noch schwieriger sei, einen festen Job zu bekommen.
Die meisten Gründer von Unternehmen mit ausländischer Staatsangehörigkeit kamen 2015 im Landkreis Schaumburg aus Polen (24); es folgen Türken (21) und Bulgaren (16).

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