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In den Rotts geht es hoch her

Historisches Schützenfest Stadthagen In den Rotts geht es hoch her

Frisch gebrautes Bier – extra für das Schützenfest–, eine Zelttaufe und Lieder in Rotts, die nicht untergehen, jede Menge Sonne, heiße Zelte und kühle Mauern: Das Stadthäger Schützenfest wartet in den Rotts – den Keimzellen des Frohsinns – mit überraschenden und kuriosen Details auf.

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Im Windmühlenrott sitzt keiner mehr still.

Quelle: sk

Stadthagen. Ein paar Stufen hinauf, dann ist für die Rottbrüder das Elysium der jährlichen fünften Stadthäger Jahreszeit erreicht. Im DLRG-Schulungsheim geht es derzeit nicht um Rettung aus dem Wasser sonder um das Schwimmen auf Stimmungswogen. Für das Wohl der Feiernden, die in diesem Jahr Rottmeister David Wagner folgen, sorgen die Rottmädels. Eine von ihnen, Maren Böhlke, steht sogar an ihrem Geburtstag hinter der Theke und nimmt eine Gratulation von Daniel Dehne, Hauptmann der Zweiten Quartierschaft, entgegen. Ein rotes Miniatur-Nutzfahrzeug, genau einen Hubsteiger, erhält Werner Lerch als Präsent. Der Stadthäger Dachdeckermeister, dessen Firma seit 100 Jahren besteht und die er seit zwölf Jahren führt, hilft mit seinem Gerät seit vielen Jahren beim Aufhängen der Schützenfesttransparente in der Innenstadt. Die erfreulichen Ereignisse würdigt die Quartierschaftskapelle mit „Vielen Dank für die Blumen.“ Zündende Schützenfestweisen ziehen die Feiernden bald von den Sitzen. Gegen Mittag heißt es dann: „Fertigmachen zum Ausmarsch.“ sk

 

Während das Amtspfortenrott mit seinem eigenen Bier auftrumpfen konnte, haben es sich Heiko Weidemann, Rottmeister des Markt-Klosterrotts, und seine Frau Anja nicht nehmen lassen, eigens ein Schwein für die Zeltfeier schlachten zu lassen. Die deftige Wurst ist dann auf dem Brot gelandet, liebevoll zubereitet von den Rott-Perlen. Bei ihnen bedankt sich Weidemann herzlich für deren Unterstützung. Trotz der Hitze macht sich das Paar keine Gedanken, dass die Getränke ausgehen könnten: „Unser Lieferant hat uns zugesagt, auch kurzfristig nachliefern zu können“. Zum Anstoßen wird eine Hymne angestimmt. „Aber eins, aber eins, das bleibt bestehen, das Klosterrott wird niemals untergehen.“  col

 

Q „Dat 1. Rott dat beste Rott“ ist ihr Leitmotiv – ob das stimmt, müssen andere beurteilen. Aber „Dat 1. Rott dat kühlste Rott“ hat gestern auf jeden Fall gestimmt. Denn während es in den Zelten bei anderen Rottfeiern heiß hergeht, herrschen im Obergeschoss des Ratskellers angenehme Temperaturen. Beim ältesten Rott der Stadt ließ man sich das deftige Frühstück und ein kühles Bier schmecken. Und auch der eine oder andere Witz machte die Runde. Und mal wieder kam die alte Diskussion auf, wer sich denn Stadthäger nennen darf. Hat sich Dieter Marten, der seit genau 40 Jahren in der Kreisstadt lebt, diese Ehre erkämpft oder ist er als Zugezogener immer noch ein Stadthagener. „Ich war schon mal Rottmeister und damit bin ich ein Stadthäger.“ In diesem Jahr hat das älteste Rott einen jungen Rottmeister: den 43-jährigen Markus Meyer. Der ist aber sehr erfahren, ist er doch schon im zarten Alter von 16 Jahren den Jungen Bürgern beigetreten.  col

 

Q „Das ist ein absoluter Ausnahmezustand“, sagt Rottmeister Christian Meier. Seine Jungen Bürger nutzen das Schützenfest traditionell für eine ausgelassene Sause. „Wir genießen die Zeit einfach.“ Meier, der seit sechs Jahren bei den Jungen Bürgern ist, feiert als Rottmeister natürlich ebenfalls mit. Allerdings passt er auch ein wenig auf seine Kameraden auf. Beim jährlichen Test, wie viele Junge Bürger in einen kleinen Autoanhänger passen, holt er den einen oder anderen von der Straße, wenn ein Auto naht. Auch ihre Rottmädels vergessen sie nicht – vor allem nicht am Geburtstag: So sahnt Jeanette einen dicken Blumenstrauß ab, den ihr Hauptmann Christopher Held überreicht, und war danach sicherlich besonders motiviert, für flüssigen Nachschub zu sorgen.  jemi

 

„Wenn der Sturmwind sein Lied singt, dann winkt dir der großen Freiheit Glück!“ André Rimkus, inzwischen bekannt als Sänger Rouven Tyler mit eigenem Repertoire, macht seit 23 Jahren im Rott Bahnhofstraße-Loccumer Land Musik, hat als 14-Jähriger zum ersten Mal im Zelt am Piano gesessen. Vom Sturmwind war während der Rottfeier Gott sei Dank meteorologisch nichts zu spüren. Vielmehr wurden die Zeltplanen hochgerollt: Die Sonne schien aus allen Knopflöchern, und Rottmeister Roland Fischer konnte die stattliche Zahl von 67 Gästen im Rott begrüßen. Die Zeltbesatzung feierte fröhlich und hieß besonders die Chargierten der Zweiten Quartierschaft herzlich willkommen. Schaffer Timo Wildhagen hatte eine Bitte an die Rottbrüder in Bezug auf den heutigen Schießwettbewerb: „Holt die Scheibe in die Zweite!“ sk

 

„Hauptsache Ein-Zylinder!“ heißt es im Eichenrott. Rottmeister Andreas Borschke ist nämlich passionierter Schrauber und hat sich von dem Berliner Zeichner Ingo Löchert für die Feier eigens ein Motorradfahrer-Motiv mit Zylinder, Holzgewehr und Eichenlaub in bester Werner-Beinhart-Manier entwerfen lassen. Zusammen mit einem Getriebeöl-Schnapsfläschchen hängt es jedem der 40 Schützen um den Hals, denn „wer gut schmiert, der gut marschiert“, sagt der Rottmeister lachend. Besonderer Gastauftritt im Festzelt: Borschkes kleine Tochter wird heute ihren ersten Geburtstag in der Mitte der Rottbrüder erleben, die zum Teil aus Hamburg und Frankfurt für die Feier angereist waren. geb

 

Die „Kulturschaffenden“ unter den Schützen versammeln sich im Rosenrott: Die Kreativität der Rottbrüder hat jedenfalls für eine ganze CD voller Musik und Humor ausgereicht. Maßgeblicher Ideengeber dafür ist Udo Schatz, der „Musikus“ der Truppe. „Wir haben mit dem Album einmal eine ganze Rottfeier dargestellt“, erklärt Rottmeister Markus Metschke das Machwerk, das erst im Februar konzipiert wurde. Elf Sänger, verstärkt durch fünf Damenstimmen, haben das Repertoire im Tonstudio der Berufschule eingesungen. Ganze 22 heitere Lieder brachten sie zusammen, die entweder anmoderiert werden oder sich mit kabarett-reifen Wortbeiträgen abwechseln. Dank des stimmlichen Imitationstalents von Andreas Bergmann gibt auch Marcel Reich-Ranicki ein Gastspiel, Michael Hoyer vom Festkomitee mimt dagegen den Rottpfarrer. Für die Live-Premiere im Festzelt konnte Liedtexter Schatz mit seinem Akkordeon gestern aber nur eine Stunde am Vormittag aufbringen, weil er direkt im Anschluss einen Auftritt bei der Bückeburger Landpartie absolvieren musste. geb

 

Ein paar Tische und Stühle müssen noch schnell besorgt werden: Zum Fest des Lindenrotts im Zelt bei Familie Elsner sind mehr Gäste eingetroffen, als sich angemeldet haben. Mit diesem positiven Stress setzt sich Rottmeister Jürgen Maicher aber gerne auseinander. Ein reibungsloser Ablauf aller Schützenfesttage sei nur möglich, weil die „Ultras“ der Rottmädels vollen Einsatz zeigen. „Wir sind ein eingespieltes Team“, verrät eine von ihnen. Katja ist seit 19 Jahren dabei und weiß, wie man das Lindenrott ordentlich versorgt. Auch Bundestagsabgeordneter Maik Beermann macht sich ein Bild davon und scheint überzeugt: „Ich bin sehr froh, hier zu sein. Das Lindenrott ist meine Heimat geworden.“ Außerdem sei er froh, der „Unterdrückung von drei Mädels zu Hause“ von Zeit zu Zeit zu entkommen, sagt er schmunzelnd. Dafür bekommt er tröstenden Applaus. Die Musik fehlt am Frühstückstisch dann auch nicht: Und das, obwohl Akkordeon-Spieler Uwe kurzfristig ausgefallen ist. So springt Gerd Rothe mit seiner Bayerischen Harmonika ein und sorgt mit Wolfgang Holizner für Stimmung. jemi

 

„Du bist das Rott, dem ich die Treue halte“ – Zur Melodie von „Dem Land Tirol die Treue“ hat Helmut Wehling einen eigenen Text geschrieben, der im Rottliederbuch verewigt ist und den Wehling mit Rottmeister Sven-Oliver Koch und der gesamten Rottbesatzung gesungen hat. Das musikalische Erbe Wehlings bleibt also. Der 76-Jährige selbst legt nun allerdings sein Akkordeon zur Seite. Sage und schreibe 60 Jahre hat Helmut Wehling die Rottfeiern im Windmühlenrott mit den Klängen seines Instrumentes begleitet, zum Singen animiert und Frohsinn verbreitet.
Hierfür wird der Stadthäger vom Rottmeister mit einer Medaille ausgezeichnet. Wehling geht – einer neuer Instrumentalist wird kommen. Der scheidende Musiker, der dem Rott aber weiterhin die Treue halten wird, hat schon jemanden im Auge, will den Namen aber noch nicht preisgeben. Eventuell komme eine Ziehharmonika zum Einsatz.
Die Stimmung stimmt jedenfalls im Windmühlenrott – zumal als die Zweite Quartierschaft gleich eine ganz Kapelle mitbringt, die Blaswerker, zu deren zündenden Klängen es viele junge Rottbrüder nicht auf den Bänken hält. Rottmädels schließen sich dem Auf und Nieder zur „Europeade“ an. Und dann steigt der Rottmeister auf ein Fass – nicht, weil er den Überblick gewinnen will, sondern um das Mitbringsel von Hanna Söhnholz und Nele Bockisch zu würdigen. Die Mitarbeiterinnen der SN-Veranstaltungsagentur haben wie in jedem Rott auch in der „Windmühle“ ein 30-Liter-Fass Schaumburger Bier abgeladen.  sk

 

Beim Bernhardinerrott hat es für Rottmeister Dirk Fahlbusch eine schöne Bescherung gegeben: Der Fahrradmechaniker hat von seinen Schützenbrüdern nicht nur eine schicke Rikscha geschenkt bekommen, dazu hat es für den Junggesellen noch eine neue Gefährtin gegeben.
Die Bäckerei Lucks aus Obernkirchen hat die Dame buchstäblich für den Rottmeister gebacken. Aus Brotteig geformt und mit Mohn und Erdbeeren verziert ist die nackte Schönheit namens „Sissi“ entstanden – die Früchte muss Fahlbusch der Dame unter aller Augen von besonders delikaten Stellen knabbern.
Die Verbindung zur Bergstadt hat beim Bernhardinerrott Tradition, denn seit 20 Jahren halten die Schützen Kontakt zum Strullrott aus Obernkirchen, das mit sechs Mann bei der Feier der Stadthäger vertreten ist.
In Sachen Musik verlassen sich die „Bernhadiner“ seit zwei Jahren anstelle von Akkordeonmusik auf ihre eigene Kapelle mit dem Namen „Brass-a-licious“. Unter den rund 70 Schützen im Festzelt feiert auch einer mit, der die Truppe schon seit 1969 begleitet: Friedrich Hägermann ist mit seinen 90 Jahren der Älteste im Bernhardinerrott. geb

 

Strahlend weiß ist die Neuerwerbung: Das Kauschietenrott und seine Freunde haben in ein neues Zelt investiert. Das relativ kleine Rott erfreut sich bester Gesundheit und feiert seit ein paar Jahren an der westlichen Seite der Echternstraße, versteckt hinter und zwischen den Häusern. Die ehemalige Besitzerin des Grundstücks, Lilo Wente, die dem Schützenfest sehr zugetan war, ist im vergangenen Jahr im hohen Alter verstorben. Im Gedenken an die Stadthägerin und an den ebenfalls verstorbenen Rottbruder Jochen Brandt tauft der Hauptmann der zweiten Quartierschaft, Daniel Dehne, das neue Zelt mit dem Einverständnis von Rottmeister Curd-Söhnke Müns und Ehefrau Melanie auf den Namen „Lilo und Jochen“.
Die Gesellschaft erstarrt daraufhin keinesfalls in Ehrfurcht. Die Musik spielt die „Waldeslust“ und Rottbruder Bernhard Schmidtke eröffnet mit Rottmädel Anna-Lena Pickert einen Walzerreigen.  sk

 

Immer längs der Bahnlinie, vorbei an blühenden Gartenparzellen. Auf diesem Weg erreichen die Rottbrüder ihr Schützenfest-Feierquartier. Das Rott Brandenburger Tor, in diesem Jahr angeführt von Rottmeister Axel Höhle, trifft sich im Vereinsheim der Kleingartenkolonie Bisdorfer Weide. In der ruhigen Idylle ließen es sich die Rottbrüder bei Akkordeonmusik gut gehen, sangen ihr Lied. „Ich bin der Bub vom Waterbuk“ und beschworen: „Das Brandenburger Tor Rott darf nicht untergehen.“ Das wünscht sich auch Hauptmann Daniel Dehne und hofft, dass sich für das kommende Jahr ein Rottmeister findet. Dehne regte an: „Geht mal in euch!“  sk

 

Toni Ahn-Bosch hat die letzten Nächte kaum schlafen können vor lauter Sorge, dass dem Amtspfortenrott sein Bier nicht schmecken könnte. „Er hat stündlich den Kohlensäuregehalt geprüft und die Fässer gestreichelt“, witzelt Rottmeister Frank Helmerding, der besonders stolz auf die Kreation ist: „Welches Rott hat schon sein eigenes Bier?“ Aber alle Bedenken von Ahn-Bosch sind unbegründet, er lässt sich das kühle Nass ebenso schmecken wie seine Rottbrüder.
Während die „Schmierfeen“ (mit Buttons „Ich bin doch nur zum Schmieren da“ ausgestattet) fleißig kleine Häppchen vorbereiten, spielen – wie jedes Jahr – die Schaumburger Musikanten auf.
Helmerding, der seit Januar gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Birgit das Fest geplant hat, freut sich über den guten Besuch, auch wenn nicht jedes der knapp 100 Mitglieder kommen konnte. Während der Rottmeister bereits seit sieben Jahren von seinem jetzigen Glück gewusst hat, heißt es für seine Lebensgefährtin „mitgehangen, mitgefangen“. Für die Barsinghäuserin ist es das erste Schützenfest. Und nachdem die Rottbrüder das Banner an der Straße wieder befestigt haben, das sich in der Nacht gelöst hatte, wird weitergefeiert. col

 

Der echte Fürst hat sich bei der Feier des Fürstenrotts nicht blicken lassen, dafür aber die traditionelle sechsköpfige Abordnung des Bückeburger Fasanenrotts. „Alexander zu Schaumburg-Lippe ist mit der Landpartie beschäftigt und Heinrich Donatus beruflich in London“, erklärt Rottmeister Thomas Köster. Deren Vorfahre Philipp-Ernst hatte 1968 aber die Kette gestiftet, die jetzt um Kösters Hals hängt. Damit auch seine Rottbrüder von einem blinkenden Amulett geziert werden, hatte der Hesper Feuerwehrmann jeden mit einem Blaulicht ausgestattet. Für die gute Laune haut Herbert Lux in die Tasten und singt dazu, Erich Lockemann, Günter Remers, und Ehrenrottbruder Dieter Köpper heitern die feuchtfröhliche Runde mit trockenem Humor auf. Das insgesamt 14-köpfige Bewirtungsteam hat für das Wochenende Verstärkung von zwei Bückeburgerinnen bekommen.       Von „Schmierweibern“ will im Festzelt allerdings niemand etwas hören – „das sind schließlich unsere Küchenfeen“, insistiert Köster. geb

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