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„In vielen Familien wird zu wenig gesprochen“

Stadthagen „In vielen Familien wird zu wenig gesprochen“

Bundesweit sind etwa zehn Prozent aller Kinder von Sprech- und Sprachstörungen betroffen. Sie stammeln, stottern, finden nicht die richtigen Wörter.

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Spielerisch gehen Logopäden die Sprachentwicklungsstörungen von Kindern an.

Quelle: ddp

Stadthagen. Die Logopädie-Branche boomt deshalb, das spüren auch die Logopäden in der Kreisstadt. Wartelisten sind nicht ungewöhnlich.

 Dass die Zahl der Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen zugenommen hat, liegt Logopädin Angelika Hirt zufolge keineswegs daran, dass die Kinderärzte schneller Diagnosen stellen. Im Gegenteil. „Diese Bereitschaft ist nicht immer gegeben“, kritisiert Hirt. Wenn eine Sprachstörung nicht früh genug erkannt werde, tauchten schnell weitere Probleme im Schulalter auf – ohne eine Sprachbasis falle folglich auch das Lernen der Schriftsprache schwer. Die fehlende Basis sei später nur schwer nachzuholen. Ärzte sollten die Sorgen der Eltern daher ernst nehmen, meint Hirt.

 Die Formen der Sprachentwicklungsstörungen reichten von Artikulationsproblemen über Stottern und Lispeln bis hin zu Schwierigkeiten mit der Grammatik oder dem Wortschatz. Oftmals träten die Probleme gebündelt auf, nicht selten in Verbindung mit Wahrnehmungsdefiziten, Hörproblemen oder schlechter Merkfähigkeit. Die Logopäden arbeiteten stets eng mit den Familien zusammen und verfolgten einen spielerischen Ansatz.

 Die Hauptursache für zunehmende Sprachentwicklungsstörungen sieht Hirt wie folgt: „Es fehlt oft an Kommunikation in den Familien“, viele Kinder verbrächten mehrere Stunden täglich vor dem Fernseher, seien dabei sich selbst überlassen. Um Sprache zu erlenen müssten „Kinder aber erleben: Was bringt mir Kommunikation?“, weiß Hirt.

 Das bestätigt auch Logopädin Sabine Karloff. „Den Kindern fehlt häufig das Sprachgefühl“. In vielen jungen Familien werde nicht mehr vorgelesen, es mangele an rhythmischen und kindgerechten Sprechspielen und am freien Geschichtenerzählen. Auch sie ist der Meinung, dass manche Kinderärzte auffällige Kinder zu selten zum Logopäden überwiesen. Zwar sei nicht bei jeder Auffälligkeit eine Therapie nötig, denn manchmal reiche es, „das Interesse des Kindes an Sprache anzustoßen, um schlafende Fähigkeiten zu wecken“, aber um das herauszufinden, bedürfe es oft dem Befund eines Logopäden, denn Ehrzieher oder Kinderärzte könnten nicht immer alle Probleme feststellen, so Karloff. Ein Beispiel: Ob ein Kind mit Migrationshintergrund Sprachförderung oder -therapie braucht, sei manchmal schwer zu differenzieren.

Tag der Logopädie macht Stottern zum Thema

Der „Europäische Tag der Logopädie“ jährt sich heute, 6. März, zum achten Mal. In Deutschland steht der Tag dieses Mal unter dem Motto: „Stottern.“ Logopäden in zahlreichen europäischen Ländern informieren rund um Ursachen, Folgen und Therapie. Die Informationskampagne wird von freiberuflichen und angestellten Logopäden, teilweise gemeinsam mit Mitgliedern der Selbsthilfegruppen der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe (BVSS) umgesetzt. Der Deutsche Bundesverband für Logopädie (dbl) bietet am 6. März gemeinsam mit der BVSS eine bundesweite Expertenhotline zum Thema „Stottern“ an. Die Hotline ist von 17 bis 20 Uhr unter 0180-5225513 zu erreichen.

Informationen zum Thema Stottern gibt es auch im Internet auf www.dbl-ev.de.

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