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Investor für Ärztezentrum

Unternehmensgruppe will für zwölf Millionen Euro bauen Investor für Ärztezentrum

Die Pläne für ein Ärztehaus an der Bahnhofstraße nehmen Fahrt auf. Die Unternehmensgruppe Gerdes und Landwehr aus Sulingen (Kreis Nienburg) hat nach eigenen Angaben am Mittwoch (31. August) das ehemalige Post-Areal gekauft.

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Auf dem ehemaligen Post-Areal soll ein Medizinisches Versorgungszentrum entstehen.

Quelle: RG

STADTHAGEN. Dort soll dann in den nächsten Jahren bis zu zwölf Millionen Euro in die Errichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) investiert werden. Nach Vorstellungen von Projektentwickler Walter Vogelsang sollen darin etwa 20 Fachärzte arbeiten.

Seit drei Jahren verfolgt der Münchner seine ehrgeizigen Pläne in der Schaumburger Kreisstadt. Viele Beobachter hatten ihm eine Realisierung längst nicht mehr zugetraut. Wenngleich auch jetzt noch einige Hürden zu nehmen sind, hat sich Vogelsangs Hartnäckigkeit offenbar ausgezahlt.

Mit Gerdes und Landwehr beziehungsweise deren Immobilien-Tochter Casa Baubetreuung hat sich nach langer Suche und mehreren Rückschlägen ein Investor gefunden, der tatsächlich ein auch von der Stadt an dem Standort favorisiertes Ärztezentrum bauen will. Interessenten für das zentrumsnahe Grundstück hatte es in den vergangenen Monaten zuhauf gegeben. Doch deren vorgebliches Engagement für ein Ärztehaus habe sich stets schnell in Luft aufgelöst, wenn es konkreter wurde, sagt Bürgermeister Oliver Theiß: „Dann wurden uns plötzlich Pläne für einen Supermarkt oder Wohnhäuser vorgelegt.“

Pilotprojekt, „das es so in Deutschland noch nicht gibt“

Gerdes und Landwehr will hingegen ein Pilotprojekt auf den Weg bringen, „das es so in Deutschland noch nicht gibt“, wie Geschäftsführer John Henrik Landwehr betont. Während sich üblicherweise MVZs im Kielwasser von Kliniken bewegten, sehe das Konzept für Stadthagen ein Modell vor, bei dem die dort arbeitenden Ärzte Mitgesellschafter werden können und nach Möglichkeit auch sollen.

Gerade in ländlichen Regionen seien immer weniger Mediziner bereit, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Viel Verwaltungsaufwand, lange und unregelmäßige Arbeitszeiten und die Problematik von Urlaubsvertretungen – all dies schrecke vor allem Berufseinsteiger ab. „Gerade junge Ärztinnen wollen häufig nur noch im Angestelltenverhältnis arbeiten“, weiß Landwehr. Mit dem MVZ wolle man dieser Gruppe eine attraktive Alternative bieten.

Gleichzeitig sei das geplante Zentrum eine Option für bereits niedergelassene Ärzte, die zunehmend Schwierigkeiten hätten, im Ruhestandsalter einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden. Mit einem Umzug ins MVZ erhöhten sich dagegen die Chancen für einen erfolgreichen Verkauf. Die Planer wiederum sind auf diese Mediziner angewiesen, weil sie die kassenärztlichen Zulassungen mitbringen, die für den Betrieb erforderlich sind.

Im Idealfall geht es im Frühjahr 2017 los

Das MVZ soll in einen dreigeschossigen Baukörper mit einer Nutzfläche von insgesamt 5000 Quadratmetern einziehen. Weil dafür das frisch erworbene Post-Grundstück (2700 Quadratmeter) nicht ausreicht, führen die Planer um Vogelsang derzeit noch Verhandlungen mit dem Eigentümer einer Nachbar-Immobilie, die ebenfalls unmittelbar an der Bahnhofstraße liegt. Sollte man sich mit ihm nicht einigen können, werde man sich um das frei werdende Telekom-Areal hinter der Post bemühen, heißt es. Favorisiert werde jedoch die erste Variante, macht Casa-Geschäftsführer Andreas Körner deutlich. Im Idealfall sollen bereits im Frühjahr 2017 die Bagger an der Bahnhofstraße anrollen.

In dem historischen Post-Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, will Vogelsang ein Café, Seminarräume und kleine Apartments unterbringen, die wahlweise an Kursteilnehmer, Ärzte oder Patienten vermietet werden sollen. Die ehemalige Post war zuletzt im Besitz der Next48 GmbH, einem in Grünwald bei München ansässigen Immobilienunternehmen.

Erwartungsgemäß zeigt sich Bürgermeister Oliver Theiß sehr erfreut über die jüngste Entwicklung. Die alte Post biete sich als Standort für ein solches Projekt an, ist er überzeugt. Eine Konkurrenz zum vorhandenen Ärztezentrum am Krankenhaus – wo nach dem Auszug der Klinik bald Flächen frei werden – sieht der Verwaltungschef nicht. „Die dortige Immobilie ist nicht geeignet für das, was jetzt an der Bahnhofstraße geplant ist.“ Die Frage, ob sich die Stadt gegebenenfalls einen Einstieg als Mitgesellschafter beim MVZ vorstellen kann, „müsse politisch beraten werden. Ich schließe zum jetzigen Zeitpunkt nichts aus.“

Keine Alternative gewünscht

Notwendig werden könnte dies für den Fall, dass sich nicht genügend Gesellschafter finden. Die Investoren aus Sulingen wollen zumindest langfristig nicht als Betreiber an Bord bleiben. Scheitern könnte das ganze Vorhaben aus ihrer Sicht nur noch aus einem einzigen Grund: eine mangelnde Nachfrage aufseiten der Ärzte.

Für eine alternative Bebauung stünde man selbst nicht zur Verfügung, versichert Geschäftsführer Landwehr. „Dann würden wir das Grundstück wieder veräußern.“ mf

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 Zur Sache

„Wo ist der Haken?“ Diese Frage habe er sich gestellt, als sein Unternehmen vor gut zwei Monaten in die Verhandlungen eingestiegen sei, sagt Geschäftsführer Landwehr. Dass sich die zuvor auf den Plan getretenen Interessenten nicht für ein Ärztezentrum erwärmen konnten, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Die Frage, wie sich in Mittelzentren die gesundheitliche Versorgung in den nächsten 25 Jahren sichern lasse, habe ihn schon länger beschäftigt.

Die Unternehmensgruppe Gerdes und Landwehr wurde 1898 als Maurerbetrieb gegründet. Unter ihrem Dach befinden sich heute mehrere selbstständige Firmen (unter anderem Spedition, Baustoffhandel und Immobilien). mf

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