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Stadthagen Stadt Irritationen über Feier in der Sporthalle
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Irritationen über Feier in der Sporthalle
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08:12 25.04.2018
Polizei, Feuerwehr und DRK stimmen sich nach der Bombendrohung gegen eine türkische Hochzeit ab. Quelle: sk
Stadthagen

An einer Telefonzelle konnten die Beamten Spuren sichern, die nun ausgewertet werden. „Wir haben mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, dass die Feier in der Kreissporthalle offenbar weitergegangen ist“, sagt Kreissprecher Klaus Heimann auf Anfrage der SN. Offenbar bekam die Situation eine gewisse „Eigendynamik“.

Videoaufnahmen, die der Redaktion vorliegen, zeigen, wie Hunderte Gäste der türkischen Hochzeit den Hallenbereich sowie die Galerie der Landkreis-Einrichtung betreten. Die Stimmung ist friedlich und ausgelassen. Gäste tanzen auf dem Hallenboden, für den eigentlich sehr strenge Regeln gelten. Wenig später trifft das Ehepaar ein. Die Menge, mehr als 900 Teilnehmer, jubelt. Die Live-Band spielt. Der Ehetanz folgt, umringt von Dutzenden Tänzern. Kinder toben durch die Halle, nutzen Trampoline, Sprosswände, Matten. Die Bilder einer Hochzeitsfeier in der Turnhalle haben bei Bürgern für Irritationen gesorgt.

Keine Kontrolle

Die Entscheidung, die Hochzeitsgesellschaft vom Festplatz in die Kreissporthalle zu verlagern, haben nach Angaben der Verwaltung alle Beteiligten Organisationen und Behörden getroffen. Auf Basis des Sicherheitskonzeptes der Regionalschau wird die Kreissporthalle für diese Menge an unterzubringenden Personen angegeben. DRK, Polizei und die Örtliche Einsatzleitstelle (ÖEL), angegliedert an der Kreisverwaltung, mussten schnell handeln. Immerhin standen die 900 Gäste bei kühlen Temperaturen vor der geräumten Festhalle. Ohne Wertsachen, ohne Jacken, da es schnell gehen musste.

Nachdem die Gesellschaft – eskortiert von der Polizei – an der Schachtstraße ankam, schloss nach Angaben von Heimann ein Feuerwehrmann die Halle auf. Wer dann das Sagen vor Ort hatte, will die Verwaltung nun aufarbeiten. Denn in Folge der Öffnung verteilte sich die Gesellschaft ohne wirkliche Kontrolle über die Etagen. Das DRK hatte den einen Bereich für die Personen und die andere Halle für die Kinder und als Ruhebereich vorgesehen.

Das DRK liefert Getränke zur Kreissporthalle, wo die Feier weiterging.

Trotz allem Komfort und Service, betont die Kreisverwaltung, sei das immer noch eine Evakuierungssituation gewesen und kein Fortführen der Feier an anderer Stelle. Dennoch nahm der Abend einen Fortgang, der weniger an eine Notsituation erinnerte. Das Catering wurde von den Veranstaltern in die Kreissporthalle bestellt. Es wurde gefeiert und getanzt.

Da die Gäste seit Längerem ohne Getränke waren, holte des DRK für 780 Euro Softdrinks und Wasser aus dem benachbarten Rewe. Das ordnete nach Angaben von Bernd Koller, Präsident des DRK, die ÖEL an. Wer für die Rechnung in Höhe von 780 Euro aufkommt, ist noch unklar. „Wir stellen es dem Landkreis in Rechnung, da der Auftrag über die ÖEL kam“, betont der Koller.

Keine Schäden an empfindlichem Hallenboden

Die DRK-Helfer betreuten die Feier bis zum Schluss, etwa 2.30 Uhr. Im Anschluss reinigten sie die Halle samt Foyer grob. Mitsamt der Nacharbeit war das 15-köpfige Team nach Angaben von Koller um 4 Uhr fertig mit seinem Einsatz. Am nächsten Morgen machten sie die Räume mithilfe des Hallenwartes sauber.

Nach Angaben von Heimann kam es zu keinen Schäden an dem empfindlichen Hallenboden. Dennoch will sich die Kreisverwaltung mit den Akteuren – Polizei, DRK, ÖEL – sowie der Stadtverwaltung Stadthagen zusammensetzen. „Es gilt hier, einiges aufzuarbeiten. Die Lage hat sich entwickelt, wie sie sich nicht entwickeln sollte.“ vin

Erinnerungen an Bombendrohung von 2015

Fast genau vor drei Jahren wurde schon mal eine Bombendrohung gegen eine Hochzeitsfeier in der Festhalle ausgesprochen. Damals handelte es sich um eine kurdische Hochzeit mit mehreren hundert Gästen. Die Vorfälle weisen Parallelen auf: Denn auch im Mai 2015 gingen zwei Drohanrufe von Telefonzellen aus bei der Polizei ein. Der Täter damals drohte ebenfalls, dass eine Bombe in der Festhalle detonieren und etliche Menschen sterben würden.

Im Fall der türkischen Hochzeit von Sonnabend, gingen zwei Anrufe auf den Dienststellen in Bad Nenndorf und Stadthagen ein. Es folgte die Räumung. Die Untersuchung der Festhalle durch die Sprengstoffspürhunde verzögerte sich nach Polizeiangaben zwischenzeitlich, da um 19.56 Uhr die Drohung erneuert wurde. Aus Sicherheitsgründen wurde die Suche unterbrochen. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum die türkische Hochzeitsgesellschaft anders als die kurdische 2015 nicht in der Festhalle weiterfeiern konnte. Damals war die Party nach zweistündiger Unterbrechung freudig weitergegangen.

Wie die Drohung bezüglich des Grillimbisses an der Hüttenstraße zu allem passt, ist den Ermittlern noch schleierhaft. Wie berichtet, drohte um 21.20 Uhr mutmaßlich derselbe Anrufer, dass der Imbiss explodieren wird. Das Haus wurde evakuiert und mit Sprengstoffspürhunden untersucht – auch in diesem Fall ohne Fund.
Hinweise zu den Taten nimmt die Polizei unter Telefon (0 57 21) 4 00 40 entgegen.  vin

 

Kommentar

Die gute Erkenntnis aus dem Einsatz nach der Bombendrohung: Das Zusammenspiel der Einsatzkräfte läuft tadellos. Bei der reibungslosen Evakuierung der Festhalle hatte die fröhlich gestimmte Hochzeitsgesellschaft einen großen Anteil. Auch die Eskorte an die Schachtstraße verlief vorbildlich. Doch dann bekommt das Bild einen Riss.

Während die Kreissporthalle eigentlich als Notunterkunft gedacht war, wird daraus im Nu eine neue Hochzeitslocation. Das Essen wird ins Foyer geliefert, das DRK holt Getränke, auf dem teuren Schwinghallenboden wird ausgelassen getanzt. Dort, wo man selbst mit Hallenschuhen teilweise böse angeschaut wird, laufen Gäste mit Pfennigabsätzen lang. Dort, wo Getränke in der Galerie verboten sind, wird fleißig ausgeschenkt. Dem Hochzeitspaar ist kein Vorwurf zu machen. Die Verantwortlichen vom Landkreis hätten dieses Verlagern der Großfeier unterbinden müssen. Ein Versagen, das hätte teuer enden können, und zwar für den Steuerzahler.

Von Verena Insinger

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