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Stadthagen Stadt Japanische Zustände in Europa
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Japanische Zustände in Europa
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00:19 12.11.2018
Kunden der Sparkasse sowie Gäste aus Politik und Wirtschaft lauschen der 18. Schaumburger Börsennacht im Sparkassen-Foyer. Quelle: rg
STADTHAGEN

Hauptreferent war Christof Zwecker, Professor an der Fachhochschule für Wirtschaft in Hannover und Dozent an der Sparkassenakademie. Als „Mann der klaren Worte“ mit einer „Botschaft, die Sie vielleicht nicht gerne hören“ kündigte Marc Fügmann, Chefredakteur der Schaumburger Nachrichten und Moderator der Börsennacht, den Referenten an und behielt damit Recht. Zwecker stellte sich als „Feind des Euros“ vor. Er habe schon vor zehn Jahren gewusst, dass die europäische Finanzkrise über Jahrzehnte andauern würde. In den kommenden Dekaden werde es keine Steigerung der Zinsen geben, „außer der Laden fliegt uns um die Ohren“. Zwecker zog den Vergleich zur Japan-Krise – Thema seiner Promotion – und sprach von „einem vollkommen aufgeblähten Kreditmarkt“, von „Zombiebanken“ und „japanischen Zuständen in Europa“.

Kritik an Einheitszins und Euro

„Nicht die regionale Wirtschaft ist das Problem, sondern die immer weiter wachsenden Großbanken.“ Mit Blick auf riesige Schuldenlasten bräuchten Banken, Unternehmen und Länder die niedrigen Zinsen, „sonst explodiert alles“. Müsste Italien einen „adäquaten Zins“ zahlen, wäre das Land am Ende.

Apropos Italien: Zwecker kritisierte den Einheitszins, der mit dem Euro einhergehe. „Währung atmet wie die Wirtschaft.“ Mit dem Euro habe die EZB die Atmung eingestellt, sodass Länder wie Griechenland und Italien „künstlich beatmet“ würden. „Griechenland mit Euro ist wie Kik mit Louis-Vuitton-Preisen.“ Hätte Italien noch die Lira, könnten sie sich selbst aus der Krise holen, da die niedrigen Preise Export und Tourismus ankurbeln würden. „Ich bin fest davon überzeugt, dass der Euro wieder zerbricht.“ Dann gäbe es in Deutschland wieder ein Zinsniveau von rund sechs Prozent und Festgeldkontos würden wieder Geld bringen. Derzeit verliere man damit jährlich zwei Prozent. Stattdessen riet er zu Aktien. Sein Tipp: „Nachhaltigkeit ist an der Börse ein neuer Trend.“

Dass die EU den Schwachen allerdings nahelegt, sich aus dem Euro zurückziehen, hält Zwecker zwar für wissenschaftlich vorstellbar, aber „Da muss die Not erst noch größer werden.“

Fachkräftemangel bleibt großes Thema

Stefan Nottmeier, Vorsitzender des Sparkassenvorstandes Schaumburg, nahm das Thema Zinsen ebenfalls auf. „Die Niedrigzinsphase ist auch für uns als Kreditinstitut anstrengend“, sagte Nottmeier. Aber: Dank einiger Veränderungen – Personalabbau und weitere Sparmaßnahmen an allen Ecken – „halten wir das aus“, meint er. „Wir gehen pfleglich mit Ihrem Geld um und machen nur Geschäfte, die wir auch verstehen.“

Den regionalen Unternehmen macht weniger der Zins als vielmehr der Fachkräftemangel zu schaffen, wie sich in der Podiumsdiskussion von Peter Kühn (AWS Schaumburg), Norbert Ordelmans (Standortältester der Bundeswehr in Bückeburg) und Henning Rakelbusch (Tankstelle Rakelbusch Hagenburg) zeigte. „Wir haben da auf allen Ebenen Probleme“, so Rakelbusch. Ähnlich sieht es bei der AWS aus, die sogar sechs vakante Stellen hat. „Viele Mitarbeiter müssen demnächst aus Altersgründen ersetzt werden.“ Die Bundeswehr kann sich hingegen nicht über Bewerbermangel beklagen, „aber unsere Ansprüche sind hoch und auch wir müssen um qualifizierte Kräfte kämpfen“, so Ordelmans.

Mehr zur Börsennacht lesen Sie am Montag. kk