Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Jugendliche suchen zunehmend selbst Hilfe

Stadthagen / Prügel Jugendliche suchen zunehmend selbst Hilfe

Dass Eltern ihre Kinder mit Schlägen bestrafen, ist nach wie vor nicht selten, nur wird dabei vermehrt aus Überforderung statt aus pädagogischer Überzeugung zugehauen.

Stadthagen. Stadthagen (ssr). Das bestätigen das Jugendamt und der Kinderschutzbund Schaumburg. Beide Institutionen erschrecke das Ergebnis der Forsa-Umfrage, nach der die Hälfte der deutschen Eltern regelmäßig zuschlage.

 „Ich habe das erst gar nicht geglaubt“, erzählt Birgit Schaper-Gerdes vom Kinderschutzbund, „weil Eltern einfach nicht so offen damit umgehen“, begründet sie. Im Gegensatz zum Jugendamt wird der Kinderschutzbund nur auf freiwilliger Basis der Eltern beratend aktiv. Seit 2000 im Bürgerlichen Gesetzbuch eine gewaltfreie Erziehung vorgeschrieben ist, habe sich das Bewusstsein vieler Eltern gewandelt, meint Schaper-Gerdes. Auch wenn noch viele dem „alten Wissen“ nach dachten: „Ein Klaps auf den Po hat mir doch früher auch nicht geschadet“, seien viele Mütter und Väter im Klaren darüber, dass jegliche Gewalt falsch ist. Trotzdem rutsche auch ihnen manchmal aus Überforderung mit der Erziehung und Hilflosigkeit die Hand aus. Hinterher fühlten sie sich dann oft schlecht.

 Die Bereitschaft, Beratung in Anspruch zu nehmen, sei gestiegen. Dass am häufigsten in akademischen Haushalten geschlagen werde (Forsa-Umfrage), könne sie nicht nachweislich erkennen. Nicht selten sei es die soziale Not, die Eltern dazu bringe, die Beherrschung zu verlieren.

 Ähnliches berichtet auch Christine Radue, Leiterin vom Sozialen Dienst des Jugendamtes. Statistiken gebe es nicht, ihrer gefühlten Wahrnehmung zufolge, könne sie aber das „erschreckende“ Ergebnis der Forsa-Studie nicht bestätigen. Auffallend sei aber, dass durch vermehrte öffentliche Meldungen von Kindeswohlgefährdung die Bevölkerung für dieses Thema sensibilisiert werde. So komme es auch vor, dass sich Eltern von sich aus an das Jugendamt wendeten. Auch Jugendliche suchten zunehmend alleine den Kontakt, was Radue zum Beispiel auf die starke Präsenz von Schulsozialarbeiter zurückführt.

 Abgesehen von den „freiwilligen Meldungen“ gebe es zwei weitere Wege, auf Gewalt in Familien aufmerksam zu werden, erklärt Rolf May, Leiter des Jugendamts: entweder durch Hinweise von Dritten oder dadurch, dass Mitarbeiter des Jugendamtes durch beruflichen Kontakt zu Familien selbst Gewaltpotenzial bemerkten. „In der Regel“ sei die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen, gegeben, so Radue. Andernfalls könne das Familiengericht Ge- oder Verbote aussprechen, was meist auch Wirkung zeige.

 Anders die Arbeit des Kinderschutzbundes: Dieser darf ausschließlich beraten. Ein spezielles Angebot ist der Kurs „Starke Eltern – starke Kinder“, der sich mit einer gewaltfreien Erziehung befasst.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr