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Junge Familie verliert gesamtes Hab und Gut

Dachstuhlbrand an der Niedernstraße Junge Familie verliert gesamtes Hab und Gut

Das Feuer an der Niedernstraße in Stadthagen hat ein Trümmerfeld hinterlassen. Auch die Wohnung von Jonathan Böhnke, seiner Lebensgefährtin und ihrer eineinhalb Jahre alten Tochter ist den Flammen zum Opfer gefallen. Sie haben alles verloren und sind auf Spenden angewiesen. Kontakt: (0173) 4399031

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Fassungslos ist Jonathan Böhnke: Sein Arbeitszimmer ist vom Feuer und anschließendem Löschwasser völlig verwüstet

Quelle: sk

Stadthagen. Das Kinderbettchen steht noch, ist aber wie fast das gesamte Mobiliar der jungen Familie unbrauchbar – voll Wasser gesogen oder von stinkendem Qualm durchzogen. Das Arbeits- und Gästezimmer unterm Dach ist ein Trümmerfeld. Hinter klaffenden Löchern im Rigips und herunterhängender Isolierung sind angekohlte Dachbalken zu sehen. Die Ziegel fehlen. Das Dach ist noch offen, Regen tröpfelt hinein. Hier hat im Dachstuhl das Feuer gewütet, das in der Nacht auf Dienstag an der Niedernstraße etliche Familien erst einmal obdachlos machte.

Drei Jahre haben Jonathan Böhnke und seine Lebensgefährtin im Haus Nummer 28 zur Miete gewohnt, direkt unter dem Dachstuhl, geräumig auf 124 Quadratmetern. Vor eineinhalb Jahren wurde Tochter Lucy geboren. Der Lebensrhythmus der jungen Familie wurde nun durch das Erlebte je unterbrochen.

Das Unglück nahm seinen Lauf

Der Schreck der Brandnacht sitzt der jungen Mutter noch in den Gliedern. Am Gespräch mit den SN wollte sie nicht teilnehmen. „Weil sie befürchtet, wieder in Tränen auszubrechen“, erläuterte gestern Jonathan Böhnke. Seine „bessere Hälfte“ wie der 29-Jährige seine Lebensgefährtin nennt, hatte den Brand entdeckt, als sie spät abends im Flur für die Tageszeit ungewöhnliche Helligkeit von draußen bemerkte. Der Holzverschlag am Haus brannte. Nachdem die Mutter die Feuerwehr alarmiert hatte, hieß es nur noch, so schnell wie möglich raus aus dem Haus. Sie weckten die schlafende kleine Lucy, wickelten sie in eine Decke, rafften noch schnell ein paar Sachen zusammen. Dann stand die junge Familie im Hof und beobachtete das Anrücken der Feuerwehr und das Übergreifen der Flammen auf das Dach. Böhnke: „Das Unglück nahm seinen Lauf. Wir konnten nur abwarten und gucken.“

Eine befreundete Familie im Haus gegenüber, die selbst ein kleines Kind hat, versorgte die nunmehr obdachlosen Nachbarn mit dem Nötigsten für die nächsten Stunden, eine dickere Decke, Windeln und Essen für die Kleine. Obdach fanden Eltern und Kind schließlich bei Freunden an der Loccumer Straße. Die Möglichkeit, eine andere, wenn auch kleinere Wohnung, und sei es erst für einen Übergang, zu beziehen, hat sich am Mittwoch außerdem ergeben.

Keine Hoffnung

Allerdings fehlt der jungen Familie so gut wie alles, um sich in einer neuen Wohnung einzurichten. Zwar hat das Feuer nicht auf die Wohnung übergegriffen. Das notwendige Löschwasser allerdings hat die Räume regelrecht überflutet. Der Qualmgeruch sitzt überall drin. Kleidung, Matratzen, Sofas, Bilder, Computer – alles ist in Mitleidenschaft gezogen. Ein Gutachter der Gebäudeversicherung sowie ein Experte für Brand- und Wasserschadenbeseitigung seien am Dienstag vor Ort gewesen. Letztgenannter habe ihm, Böhnke, wenig Hoffnung gemacht, dass noch irgendetwas aus der Wohnung sinnvoll weitergenutzt werden könne. „Wir stehen mit fast gar nichts da“, resümiert Böhnke. Dringend gebraucht werden zum Beispiel eine Matratze und ein Bett für die Kleine sowie ein Bett für die Eltern. Wer etwas spenden möchte, der kann sich über die Telefonnummer (01 73) 4 39 90 31 direkt an Jonathan Böhnke wenden.

Derweil arbeitet die Polizei mit Hochdruck an der Aufklärung der Brandursache. Dass es Brandstiftung war, ist bereits klar. Doch ob jemand aus Versehen zum Beispiel eine brennende Zigarette im Bereich der Müllcontainer weggeworfen hat, oder aber jemand absichtlich das Feuer gelegt hat, das ist noch offen. Brandmittelexperten haben den Bereich bereits untersucht. sk, vin

Couragierte Nachbarn

Drei Männer, die an der Schulstraße wohnen, haben die Bewohner des in Brand geratenen Hauses alarmiert und bei der Evakuierung des Hauses geholfen.
Zweimal einen Knall habe er gehört und seine Tochter sei zu ihm gelaufen: „Papa, irgendwas explodiert draußen!“ Hassan Serhan (links), der an der Schulstraße gegenüber dem vom Brand betroffenen Haus lebt, stand zu diesem Zeitpunkt auf dem Balkon und sah eine noch kleine Flammenentwicklung am Gebäude. Genau an der Stelle, wo in einem hohen Holzverschlag immer mehrere Mülltonnen untergebracht sind.

Da er bereits Schlafkleidung trug, habe er sich schnell umgezogen und sei zum Brandherd gelaufen. Ihm folgten Wali Qurbanzada, der in der Wohnung über Serhan wohnt, und ein weiterer Mann aus dem Nachbarhaus.

Zunächst schafften die Männer einen kleinen Holzverschlag und einen Müllcontainer beiseite, die in der Nähe des brennenden Verschlages standen, um das Übergreifen der Flammen auf die Behältnisse zu verhindern.

Dann eilten die Helfer zum Eingang und klingelten im Innern an jeder Wohnungstür Sturm, sodass alle Bewohner alarmiert waren und umgehend das Haus verlassen konnten. Das Männertrio half bei der Evakuierung und trug etliche Kinder ins Freie. Ansonsten konnten laut Serhan alle Personen eigenständig die Treppen hinunterkommen.
Zu dieser Zeit, so Serhan, seien die Flammen schon bis zum unteren Balkon geschlagen und es habe sich eine enorme Hitze entwickelt. Die Bewohner seien durch eine enge Gasse zur Niedernstraße geeilt oder hätten sich in den Hof gerettet. „Ich bin sehr froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist.“  sk

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