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Kai Kandzioras Steinbildhauerkurs hilft beim Abschalten

Einen Dackel aus dem Sandstein befreien Kai Kandzioras Steinbildhauerkurs hilft beim Abschalten

Wer an diesem aprilfrischen Morgen von der B 65 auf den Holperpfad Richtung Bruchhof abbiegt, den empfängt schon von Weitem das Stakkato der Steinmeißel. Hinter einem Schuppen und einer kleinen Werkstatt hämmert eine Gruppe von Kursteilnehmern auf aufgebockte Kalksandsteine ein.

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Andreas Wiehe schützt seine Augen bei der Arbeit mit einer Brille (großes Bild).

Quelle: hsz

Stadthagen. „Das hat alles so etwa um 2005 angefangen“, erklärt Kai Kandziora, und sortiert einige Utensilien auf einem Holztisch. Der 47-Jährige ist gelernter Steinbildhauer und arbeitet mit einer halben Stelle gleich nebenan im Bruchhof, einer Einrichtung, in der psychisch Erkrankte Beschäftigung finden. „Gerade mit der kunstpädagogischen Arbeit ist das hier anders als in anderen Einrichtungen. Hier ist eine sehr individuelle Beschäftigung möglich“, so Kandziora.

Viele Stammgäste

Aus dieser Arbeit heraus hat sich sein Angebot von Steinbildhauer-Workshops ergeben. Viele der Teilnehmer, die an diesem Morgen zum Bruchhof gekommen sind, sind Stammgäste. So wie Michaela Kleiner. Die 44-jährige Projektleiterin an der Universität Hannover will bewusst „eine Auszeit nehmen“. Für sie grenzt der Umgang mit dem Obernkirchener Sandstein gar an ein „Wellness-Erlebnis“. Warum? „Weil man bei dieser Tätigkeit mal ganz zu sich kommen kann, sich ganz und gar auf etwas konzentrieren kann“, erklärt sie. „Man müsse das Objekt, das man aus dem Stein herausholen wolle, schon vorher sehen“, sagt die Hobby-Künstlerin und die anderen Workshop-Teilnehmer stimmen ihr zu. „Und man muss vorsichtig arbeiten, denn was weg ist, ist weg, obwohl Kai mit seiner großen Erfahrung immer noch viel retten kann.“
Der sucht währenddessen mit zwei Teilnehmerinnen auf dem großen Steinhaufen nach geeignetem Material. Einige Steine werden beiseite gelegt und sorgfältig auf ihre Struktur untersucht. „Das sind alles gebrauchte Steine, die aus dem Abbruch und der Sanierung der alten Gebäude hier auf dem Gelände stammen. Das waren zum Teil die sehr alten Steinfußböden. Verbaute Steine also, die auch schon eine lange Geschichte haben. Eigentlich sind die Sandsteine natürlich viele Millionen Jahre alt.“ Als Kandziora vorsichtig ein Stückchen von einer Ecke abschlägt, werden die verschiedenen Schichten des Steines sichtbar. „Toll, das passt, den nehme ich“, freut sich die Kursteilnehmerin.

Viele Möglichkeiten

Andreas Wiehe arbeitet an diesem Morgen an einem zweidimensionalen Objekt. „Nein, das ist kein Grabstein, ganz im Gegenteil“, sagt der Einkaufsleiter. Seine Arbeit an dem Stein für eine befreundete Familie geht zügig voran. „Der wird wohl vor dem Eingang des Hauses stehen“, vermutet Wiehe. Am Vortag hat er eine Schablone gezeichnet, nach der nun das Oberflächenbild auf dem Steinrechteck ausgemeißelt wird. Dabei spritzt das Steinmaterial in alle Richtungen und es staubt mächtig. Seine Augen schützt der 32-Jährige daher mit einer großen gelben Brille.
„Draußen zu arbeiten, ist ideal“, erklärt Kandziora. „Drinnen geht das nur mit großen Absauganlagen, und macht dann auch nicht so viel Spaß.“ Während Steinbildhauer normalerweise im Atelier oder der Werkstatt für sich alleine arbeiten, schätzt Kai Kandziora an dieser Arbeitsform den Kontakt und den Austausch zwischen den Teilnehmern. „Da kann man sich Anregungen und Hilfen geben.“
Dann trifft der neunjährige Samuel ein. „Wo ist mein Dackel?“, ruft er, setzt sich eine weiße Taucherbrille auf und macht sich sofort an die Arbeit. „Samuel ist davon einfach begeistert“, erklärt seine Mutter. Seit der kleine Bückeburger die Steinbildhauerei beim Besuch eines von Kai Kandziora veranstalteten internationalen Symposiums im vergangenen Jahr kennengelernt hat, ist er mit viel Eifer bei der Sache. Stück für Stück befreit er seinen Dackel aus dem Sandstein. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Lukas schaut neidvoll zu. Am liebsten würde er sich auch einen Stein schnappen und mit dem Meißel loslegen. Deren Klack-Klack-Klack wird immer lauter. Acht Workshop-Teilnehmer arbeiten mittlerweile an ihren Objekten. Was damit passiert? „Können Sie sich doch denken. Das kommt in den Garten, zu den anderen“, sagt Michaela Kleiner. Immerhin ein gutes Dutzend selbstgemachte Stein-Objekte hat sie in den vergangenen Jahren in den Kursen schon aus dem Sandstein befreien können. Und auch Andras Wiehe ist sich sicher: „So ein bisschen fühlt man sich schon wie Michelangelo. Zumindest weiß man, wie’s geht. Und das macht irre viel Spaß.“

Von Christoph Huppert

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