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Kein Licht am Ende des Passagen-Tunnels

Einkaufsgelegenheiten sterben aus Kein Licht am Ende des Passagen-Tunnels

Ein Torbogen weist den Weg in eine finstere Gasse. Nach ein paar Schritten durchs Halbdunkel, das den Leerstand in den Ladenflächen nur erahnen lässt, erblickt der Passant durch blinzelnde Augen einen Hof, der von einem Brunnen geziert wird. Geschäfte? Fehlanzeige. Die Brunnenpassage führt ins Nirgendwo.

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In der Rathauspassage überleben nur Spezialisten wie Hörgeräteakustikerin Jessica Kahne und Optiker Mike Barthel. Ansonsten herrscht viel Leerstand.

Quelle: rg

Stadthagen. „Das Interessante für Kunden an funktionierenden Einkaufspassagen ist neben dem wetterunabhängigen Einkaufen die Häufung von Geschäften auf engem Raum und die Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen. So kommt Kundenfrequenz zustande“, erklärt Lars Masurek, Wirtschaftsförderer der Stadt Stadthagen. Ein „Durchgang“ wie die Brunnenpassage erfülle diese Kriterien nicht.

Nevena Petrikowski kann das egal sein. Obwohl die Hebamme ein Geschäft in der Brunnenpassage führt. Ihre „Kinderküche“ ist ein Lieferservice für Kinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren. Laufkundschaft hat sie nicht. Sie muss nur in der Nähe parken können. Der angrenzende Hundemarkt ist ein Parkplatz mit Tiefgarage.

An den Hundemarkt schließt sich im Süden die Rathauspassage an. Ein Optiker und ein Hörgeräte-Akustiker sind dort angesiedelt, ansonsten herrscht vor allem eins: Leerstand. Seit elf Jahren ist eine Ladenfläche verwaist. An solch einem Ort überleben nur Spezialisten, denen die kargen Bedingungen nichts ausmachen. So wie Jessica Kahne.
Die Inhaberin von Einklang Hörsysteme hat sich vor 13 Jahren in der Rathauspassage angesiedelt, als dort noch mehr los war. Müsste sie heute die Entscheidung treffen, würde sie dort kein Geschäft mehr eröffnen. „Ich bin zum Glück unabhängig von Laufkundschaft, bei uns läuft alles auf Terminbasis, weil die Anpassungen der Geräte oft mehr als eine Stunde dauern“, sagt Kahne.

Wirklich wohl fühlt sich die Hörgeräteakustikmeisterin in Nachbarschaft von „Kik“ und „Tedi“ allerdings nicht. „Stadthagen rutscht immer mehr in die Billig-Schiene ab. Die Mischung stimmt hier einfach nicht.“ Ihrer Ansicht nach müsste die Stadt und das Stadtmarketing viel mehr steuern, welche Geschäfte sich ansiedeln.

Diese Ansicht teilt auch Mike Barthel, der allerdings auch die Eigentümer in der Pflicht sieht. „Die sollten vielleicht mal darüber nachdenken, ob sie jungen Unternehmern mit guten Ideen durch eine günstige Startmiete den Weg ins Geschäft ebnen. Die Mietvorstellungen sind meiner Ansicht nach zu hoch – Anfragen gibt es genug.“

Barthel ist mit dem Standort an der Rathauspassage zufrieden, allerdings ist auch der Optiker nicht auf Laufkundschaft angewiesen. „Bei mir läuft alles auf Terminbasis. Ich nehme mir sehr viel Zeit für meine Kunden.“ Die Rathauspassage biete gute Parkmöglichkeiten und sei durch die Nähe zum Marktplatz stark frequentiert. Seit 1983 hat der Optiker sein Geschäft dort. „Früher war hier mehr los. Der Leerstand müsste nicht sein“, meint Barthel. „Viele meiner Kunden wünschen sich ein nettes kleines Café oder eine Teestube in Stadthagen.“

Auch Günter Raabe hat bemerkt, dass die Rathauspassage „irgendwie tot ist“. Welche Geschäfte sich ansiedeln, sei Sache der Eigentümer, „wir sind da nicht direkt involviert“, betont der Vorsitzende des Stadtmarketing-Vereins (SMS). Raabe bezweifelt, dass sich die Situation ändern lässt. Dafür bräuchte es ein Ankergeschäft, das große Anziehungskraft hat.
Doch Filialisten wie H&M sind wählerisch. Das weiß auch Masurek. „Die Nachfrage nach 1a-Flächen ist sehr stark ausgeprägt.“ Zwar unterstütze die Stadt Eigentümer von Ladenflächen, indem sie sie mit Interessenten in Kontakt bringt. An Interessenten am Standort Rathauspassage mangelt es aber offenbar.

Der Weg führt weiter auf den Marktplatz, das Herzstück der Stadthäger Innenstadt. Kein Wunder, dass die dortige Marktpassage die positive Ausnahme von der Regel in der Kreisstadt ist: Statt Leerstand herrscht reger Kundenverkehr, die Mischung aus Bäcker, Fleischerei, Imbiss, Schreibwaren- und Textilgeschäften kommt an.
„Einkaufspassagen können nach wie vor am besten ein echtes Einkaufserlebnis vermitteln“, ist Betreiber Jochen Kreft überzeugt. Wichtig sei eine hohe Aufenthaltsqualität, ein guter Mix aus Einzelhandel und Gastronomie sowie großzügige Parkmöglichkeiten.

Damit eine Passage zeitgemäß ist, müsse das Konzept ständig überdacht und angepasst werden, meint Kreft. Das betrifft auch die Schlosspassage. Wer in der Mittagspause der Post-Filiale die Schlosspassage durchschreiten will, wird durch ein Rollo ausgebremst. Zum Parkplatz geht es nur durch den benachbarten Friseurladen von Chris Müller. „Die Schlosspassage hat leider ihren Charakter verloren“, räumt Kreft ein. „Aber wir mussten uns dort der Zeit und den Anforderungen anpassen.“ ber

Sorgenkind Obermarktpasssage

Nicht nur in Stadthagen sterben die Einkaufspassagen. Auch der Blick nach Minden zeigt ein trauriges Bild: Die Obermarktpassage kriselt bereits seit Jahren. Im Juli 2014 hatte Jack Wolfskin mit Getöse die Stadt verlassen. Das Fachgeschäft für Funktionsbekleidung hatte in der Obermarktpassage keine Zukunft mehr gesehen und bezifferte den Umsatzrückgang seit 2010 auf 70 Prozent. Kein Wunder: Die Mieter leben seit mehr als vier Jahren auf einer Baustelle, der Durchgang zwischen ZOB und Fußgängerzone fehlt, die Geschäfte wirken unattraktiv, dem Quartier droht der Kollaps – und in die für viel Geld erweiterte Tiefgarage verirrt sich nur selten ein Auto, schreibt das Mindener Tageblatt.

 

Nachgefragt

Corinna Pagano

Quelle:

„Ich finde die kleinen Einkaufspassagen nicht mehr zeitgemäß. Als junge Familie finde wir dort nicht das, was wir suchen. Und die Brunnenpassage ist einfach nur gruselig.“

  

Nachgefragt

Ibrahim Khattab

Quelle:

„Die Einkaufspassagen in Stadthagen bieten gar nichts, da bin ich in einer Minute durch. Ich hab da nichts zu suchen. Apotheke, Fleischerei und Bäcker finde ich auch woanders.“

 

Nachgefragt

Kerstin Messerschmidt

Quelle:

„In der Marktpassage kaufe ich gerne ein, in den anderen weniger. Dort gibt es zu viel Leerstand und zu wenig Variation der Geschäfte. Die Brunnenpassage ist
einfach abstoßend.“

 

Nachgefragt

Hannelore Carstens

Quelle:

„Die Marktpassage spricht mich schon an, da gehe ich gerne essen. Auch die Schreibinsel ist gut. Mir gefällt die Innenstadt insgesamt gut. Die Brunnenpassage? Wo ist die nochmal?“

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